Zum Hauptinhalt springen

Flüchtlinge gehen auf Rechtsradikale los

80 gewaltbereite, rechtsradikale Einheimische standen im deutschen Bautzen etwa 20 Flüchtlingen gegenüber. Es kam zu gewaltsamen Ausschreitungen.

Versuchen die Lage unter Kontrolle zu bringen: Zwei Sicherheitskräfte drücken einen Mann zu Boden. (15.September 2016)
Versuchen die Lage unter Kontrolle zu bringen: Zwei Sicherheitskräfte drücken einen Mann zu Boden. (15.September 2016)
Keystone
Etwa 80 gewaltbereite Einheimische, die grösstenteils dem rechten Spektrum angehören, standen am Mittwochabend auf dem zentralen Kornmarkt etwa 20 jungen Flüchtlingen gegenüber.
Etwa 80 gewaltbereite Einheimische, die grösstenteils dem rechten Spektrum angehören, standen am Mittwochabend auf dem zentralen Kornmarkt etwa 20 jungen Flüchtlingen gegenüber.
Christian Essler, Keystone
Die Polizei wurde nach eigener Darstellung von der Zuspitzung der Lage überrascht. Diese «entstand aus dem Nichts», sagte Uwe Kilz, Leiter des Polizeireviers Bautzen.
Die Polizei wurde nach eigener Darstellung von der Zuspitzung der Lage überrascht. Diese «entstand aus dem Nichts», sagte Uwe Kilz, Leiter des Polizeireviers Bautzen.
Sebastian Kahnert, Keystone
1 / 5

Im sächsischen Bautzen sind Auseinandersetzungen zwischen Rechtsradikalen und Asylbewerbern eskaliert. Etwa 80 gewaltbereite Einheimische, die grösstenteils dem rechten Spektrum angehören, standen am Mittwochabend auf dem zentralen Kornmarkt etwa 20 jungen Flüchtlingen gegenüber, wie die Polizeidirektion Görlitz am Donnerstag erklärte. Die Linken sprachen von einer «Pogromstimmung» in Bautzen. Der Oberbürgermeister zeigte sich «entsetzt».

Den Angaben zufolge gab es zwischen beiden Lagern sowohl verbale als auch tätliche Übergriffe. Auslöser der Auseinandersetzungen sollen nach Darstellung der Polizei die Asylbewerber gewesen sein. Mit Flaschen und Holzlatten hätten sie die bis zu 80 Personen starke Gegenseite angegriffen, sagte Uwe Kilz, Leiter des Polizeireviers Bautzen. Daraufhin seien die Asylbwerber ihrerseits mit Steinen und Flaschen attackiert worden.

Hundert Beamte im Einsatz

Aus der Gruppe der Rechtsradikalen heraus seien immer wieder fremdenfeindliche Parolen skandiert worden. Die Polizei war demnach mit einem Grossaufgebot von etwa hundert Beamten im Einsatz, um beide Seiten zu trennen. Aus der Gruppe der Asylbewerber heraus seien die Beamten mit Flaschen, Holzlatten und anderen Gegenständen beworfen worden. Die Polizei setzte daraufhin Pfefferspray und Schlagwaffen ein.

Die Ausländer flüchteten sich in ein Asylbewerberheim, das von der Polizei abgeriegelt wurde, um weitere Übergriffe zu verhindern. Ein Rettungswagen, der einen verletzten 18-jährigen Marokkaner versorgen wollte, wurde zunächst von einigen Rechtsradikalen an der Anfahrt gehindert und mit Steinen beworfen. Er gelangte schliesslich unter Polizeischutz in die Unterkunft. Woher der Asylbewerber die Schnittverletzungen an den Armen hatte, blieb nach Polizeiangaben zunächst unklar.

Noch bis in die Nacht zum Donnerstag überwachte die Polizei das Stadtgebiet. Es wird wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

«Bautzen bleibt bunt»

Die Polizei wurde nach eigener Darstellung von der Zuspitzung der Lage überrascht. Diese «entstand aus dem Nichts», sagte Kilz. Der leitende Kriminaldirektor Klaus Mehlberg räumte ein, es sei «nicht optimal» gelaufen, was die verfügbaren Polizeikräfte betreffe.

Allerdings hatte es bereits an den Vortagen in Bautzen Auseinandersetzungen gegeben, so am Freitag am Rande einer Kundgebung der Initiative «Bautzen bleibt bunt». Am Dienstagabend war ein Einheimischer bei einer Auseinandersetzung mit Asylbewerbern durch einen Flaschenwurf verletzt worden.

«Entsetzt und sehr besorgt»

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens zeigte sich «entsetzt und sehr besorgt» über die zunehmende Gewalt. «Ich verurteile die Gewalt – unabhängig von wem sie ausgeht – auf das Schärfste», schrieb der parteilose Politiker auf Twitter. Er kündigte einen verstärkten Streifendienst an.

«Dass gestern Abend so schnell so viele Neonazis zusammen kommen konnten, legt den Verdacht nahe, dass dieser rassistische Angriff gezielt geplant war», erklärte die Bautzener Bundestagsabgeordnete der Linken, Caren Lay. Das Problem mit rechter Gewalt bestehe aber seit Jahren. Die «Pogromstimmung» in Bautzen müsse beendet werden.

Die sächsischen Grünen nannten die Vorgänge in Bautzen ein «Alarmsignal». «Die offensichtlich gefestigten rechten Strukturen müssen endlich effektiv bekämpft werden», forderte Valentin Lippmann, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) sagte im Bayerischen Rundfunk, es müsse in Bautzen «alles dafür getan werden», die Situation zu deeskalieren.

AFP/kat

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch