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«Griechenland muss das Rentenalter anheben»

Angesichts der horrenden Schulden Griechenlands hat EU-Kommissar László Andor eine Anhebung des Rentenalters gefordert. Derweil wird bekannt: Deutschland plant eine mehrjährige Rettungsaktion.

«Wir wissen, dass das griechische Volk durch schwierige Zeiten geht. Doch aufgrund des demografischen Wandels und dem Rückgang der Erwerbstätigen muss Griechenland, wie viele andere Länder in Europa, das Rentenalter anheben», sagte Andor der deutschen «Bild»-Zeitung vom Donnerstag.

Die Regierung in Athen hat harte Sparmassnahmen angekündigt, um das Haushaltsdefizit zurückzufahren. Nach den bisherigen Plänen soll das durchschnittliche Rentenalter um zwei Jahre auf 63 Jahre erhöht werden. Andere Länder wie Deutschland haben bereits ein Renteneintrittsalter von 65 Jahren. In Deutschland soll dieses ab 2012 schrittweise auf 67 angehoben werden.

Hilfe bis 2012

Die Bundesregierung plant Nothilfen für Griechenland einem Zeitungsbericht zufolge bereits bis zum Jahr 2012. Dies geht aus dem Gesetzentwurf hervor, den das Kabinett am kommenden Montag beraten will, wie die «Berliner Zeitung» am Donnerstag berichtete. Ein konkreter Betrag, nämlich 8,4 Milliarden Euro, ist allerdings bislang nur für das laufende Jahr genannt.

Die Summen für 2011 und 2012 sind noch nicht beziffert. Sie sollen nach Informationen der «Berliner Zeitung» erst am Ende der Verhandlungen mit Griechenland über das Hilfspaket am kommenden Wochenende eingesetzt werden. Das Gesetz umfasst nur zwei Seiten und trägt den Titel Gesetz zum Erhalt der Stabilität der Währungsunion».

Nur «unter harten Bedingungen»

Bundesbank-Chef Axel Weber hält die Rettung Griechenlands mit Milliardenkrediten zum Schutz vor einer möglichen Ausweitung der Finanzkrise auf andere Euro-Staaten für nötig. Hilfe für Griechenland sei als letzte Möglichkeit «das gegenwärtig aus meiner Sicht beste Mittel, um ein Übergreifen einer Krise auf andere Mitgliedsstaaten und den Euro-Raum mit erheblichen Konsequenzen zu verhindern», sagte Weber der «Bild»-Zeitung vom Donnerstag. Die in Aussicht gestellten Kredite dürften jedoch nur «unter harten Bedingungen» gewährt werden. Setze das Land die Reformauflagen um, «kann Griechenland die Wende schaffen», sagte Weber. Der Bundesbank-Chef zeigte sich offen für eine finanzielle Beteiligung der Bankenbranche an den Kosten der Krise Griechenlands.

«Über eine Beteiligung des Finanzsektors an den Kosten der Finanzkrise insgesamt muss selbstverständlich geredet werden», sagte der Bundesbank-Chef. Allerdings solle die Diskussion darüber abseits der Hektik im Zusammenhang mit der Rettung Griechenlands erfolgen. Im Finanzsektor gibt es derzeit massive Spekulationen auf eine Staatspleite des südosteuropäischen Landes. Die SPD und die Linkspartei hatten deswegen bereits in den vergangenen Tagen ein Beteiligung der Bankenbranche an den Kosten der Krise gefordert.

Kommentare in den Zeitungen

Die zentralfranzösische Zeitung «La République du Centre» aus Orléans kommentiert die Griechenlandkrise: «Also wirklich, in was für einer grossartigen Epoche leben wir! Kaum hat sich die aus Island gekommene Wolke aus Vulkanasche aufgelöst, fällt die griechische Finanzkrise in der Eurozone ein und verbreitet ihr Mass an alarmierenden Nachrichten. Erneut verlieren die Börsen ihren Kompass und fallen schwindelerregend, wobei sie den Euro mit nach unten ziehen. (...) Einmal mehr bedauert man, das eine europäische Wirtschaftsregierung fehlt. Man setzt wie üblich erneut auf einen Krisengipfel, der am 10. Mai stattfinden soll. Das heisst, dass Europas schwere Kavallerie (...) reichlich spät kommt, um den armen griechischen Soldaten zu retten - und um uns selbst zu retten.»

Die französische Zeitung «Ouest-France» aus Rennes in der Bretagne schreibt zu dem Thema: «Das Schlimmste der griechischen Krise ist unglücklicherweise noch lange nicht vorbei. Auf ihre Art - zügellos, dem Herdentrieb folgend, hysterisch und spekulativ - haben die Märkte zynisch daran erinnert, dass das Match zwischen ihnen und den Staaten der Eurozone vielleicht erst beginnt. Anders gesagt, gewinnen die schlimmsten Szenarios an Kraft: Ausbreitung der griechischen Krise, Zerfall des Euros, soziale Explosion. (...) Das Katastrophenszenario ist jedoch keine Unabwendbarkeit. Kurzfristig kann man hoffen, dass die europäischen Politiker nach den deutschen Regionalwahlen an der Seite des IWF das lebenswichtige Minimum tun, um ihre Solidarität um das schwache griechische Glied zu zementieren.»

SDA/sam

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