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«Havel war einer der grössten Europäer unserer Zeit»

Tschechische und ausländische Politiker verleihen ihrer Trauer um den verstorbenen früheren Präsidenten, Vaclav Havel, Ausdruck. Die tschechische Regierung ruft für morgen einen Staatstrauertag aus.

Respekt für den Ex-Präsidenten: Frau vor dem aufgebahrten Sarg in der Sankt-Anna-Kirche in Prag. (19. Dezember 2011)
Respekt für den Ex-Präsidenten: Frau vor dem aufgebahrten Sarg in der Sankt-Anna-Kirche in Prag. (19. Dezember 2011)
Reuters
Auch die Jungen verehren den Dichterpräsidenten: Eine junge Frau zündet am Wenzelsplatz in Prag eine Kerze an. (18. Dezember 2011)
Auch die Jungen verehren den Dichterpräsidenten: Eine junge Frau zündet am Wenzelsplatz in Prag eine Kerze an. (18. Dezember 2011)
Keystone
Sucht nach tröstenden Worten: Tschechiens Präsident Vaclav Klaus. (18: Dezember 2011)
Sucht nach tröstenden Worten: Tschechiens Präsident Vaclav Klaus. (18: Dezember 2011)
Reuters
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Im In- und Ausland trauern Politiker um den verstorbenen tschechischen Expräsidenten Václav Havel. Der tschechische Ministerpräsident Petr Necas nannte ihn am Sonntag «das Symbol von 1989». Havel habe gewaltige Arbeit für das Land geleistet. Für seine Stellvertreterin Karolina Peake endet mit dem Tod Havels eine Ära. Havel habe dem Land viel bedeutet.

Der ehemalige polnische Präsident und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa nannte Havel «einen grossen Kämpfer für die Freiheit der Nationen und die Demokratie». Sein Tod sei ein grosser Verlust. Havels Stimme der Weisheit werde in Europa vermisst werden. Polens früherer Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki ehrte Havel als «einen der grossen Namen unserer Epoche» und als «grossen Humanisten».

Der slowakische Staatspräsident Ivan Gasparovic sagte: «In unserer Erinnerung bleibt Havel für immer als charismatische und menschliche Persönlichkeit mit einem unverwechselbaren Stil der Politikführung.»

Obama: «Er hat mich inspiriert»

US-Präsident Barack Obama hat die Verdienste von Havel als «historisch» gewürdigt. Trotz vieler Rückschläge habe Havel mit einem «Geist der Hoffnung» gelebt, getragen von dem Leitgedanken, «für etwas zu arbeiten, weil es gut ist, nicht einfach, weil es die Chance auf Erfolg hat», erklärte Obama.

«Sein friedlicher Widerstand erschütterte die Grundfesten eines Imperiums, entblösste die Leere einer Ideologie der Unterdrückung und bewies, dass moralische Führungskraft mächtiger ist als jede Waffe.»

Havel habe die Bestrebungen nach Selbstbestimmung und Würde «eines halben Kontinents verkörpert, der vom Eisernen Vorhang abgeschnitten war», hiess es in der schriftlichen Erklärung weiter.

«Er hat dazu beigetragen, die Fluten der Geschichte zu entfesseln, die zu einem vereinten und demokratischen Europa führten... Wie Millionen rund um die Welt, bin ich von seinen Worten und seiner Führungskraft inspiriert worden.»

Leuenberger würdigt moralische Autorität

Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger würdigte die moralische Autorität Havels. Er sei darin ein Vorbild gewesen – «auch weil er bereit war, für seine Überzeugungen auch ins Gefängnis zu gehen». Moral und Globalisierung, Kultur und Politik – beides sei für Havel nicht zu trennen gewesen, sagte Leuenberger.

Leuenberger hatte in seiner Funktion als Bundespräsident seinen Amtskollegen Havel bei dessen Staatsbesuch 2001 in der Schweiz aufs Rütli begleitet. Kennengelernt habe er Havel aber schon früher, bei einer Theaterinszenierung in Prag, sagte Leuenberger, der immer als besonders kulturorientiertes Regierungsmitglied aufgefallen war.

Bestürzte Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte mit grosser Bestürzung auf den Tod Havels. «Sein Einsatz für Freiheit und Demokratie bleibt ebenso unvergessen wie seine grosse Menschlichkeit. Gerade auch wir Deutsche haben ihm viel zu verdanken», betonte Merkel in ihrem Kondolenzschreiben an den Präsidenten der Tschechischen Republik, Vaclav Klaus. Darin würdigt sie Havel als einen grossen Europäer.

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle würdigte Havel als die «Seele der Revolution in Tschechien». «Ohne ihn und ohne seine mutigen Worte wäre der demokratische Aufbruch in Mittel- und Osteuropa undenkbar gewesen», sagte er. «Ich verneige mich vor diesem grossen Streiter für Demokratie und Freiheit.»

«Er liess sich nicht zum Schweigen bringen»

Grossbritanniens Premier David Cameron sagte: «Havel widmete sein Leben der Freiheit des Menschen. Der Kommunismus versuchte über Jahre, seine Stimme zu erwürgen. Aber Havel, Autor und Dissident, liess sich nicht zum Schweigen bringen.»

Der Präsident des Europäischen Parlaments, der frühere polnische Ministerpräsident Jerzy Buzek, erklärte via Twitter, Havel repräsentiere die «Samtene Revolution» und die Wiedervereinigung Europas. Der schwedische Aussenminister Carl Bildt erklärte via Twitter, Havel sei «einer der grössten Europäer unserer Zeit» gewesen.

Auch führende russische Bürgerrechtler würdigten Havel als Glücksfall im Kampf um mehr Gerechtigkeit und Humanität auf der Welt. «Der Moralist Havel verriet auch als Staatsoberhaupt nie seine Prinzipien», sagte Ljudmila Alexejewa von der Helsinki-Gruppe der Nachrichtenagentur Interfax in Moskau. «Wir hatten Andrej Sacharow, die Tschechen hatten Vaclav Havel.»

Havel starb heute Sonntag im Alter von 75 Jahren. Die tschechische Regierung tritt am morgigen Montag zusammen, um offizielle Staatstrauer auszurufen.

dapd/sda/AFP/wid/miw

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