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«Ich will nicht im Gefängnis sterben»

Am Montag wird die Urteilsverkündung im zweiten Prozess gegen Michail Chodorkowski erwartet. Seine Ehefrau glaubt nicht an einen Freispruch. Sohn Pawel kritisiert derweil Ministerpräsident Wladimir Putin.

Bleibt standhaft: Michail Chodorkowski während des Prozesses.
Bleibt standhaft: Michail Chodorkowski während des Prozesses.
Keystone

Die Ehefrau des früheren russischen Ölunternehmers Michail Chodorkowski befürchtet, dass ihr Mann mindestens bis zu den Präsidentschaftswahlen 2012 in Haft bleiben wird. Einen Tag vor Beginn der Urteilsverkündung am Montag sagte Inna Chodorkowskaja dem Magazin «Snob», sie glaube nicht an einen Freispruch. «Mein Mann wird bis 2012 im Gefängnis bleiben müssen, das ist klar.» Chodorkowski hatte sich vor seiner Verhaftung 2003 für Zivilgesellschaft und Demokratie eingesetzt und mehrere Oppositionsparteien finanziert.

Chodorkowskis Sohn Pawel hatte Mitte Dezember in einem Interview gesagt, der russische Ministerpräsident Wladimir Putin stecke hinter den Verfahren gegen seinen Vater: «Es ist kein Geheimnis, dass Wladimir Putin und die Leute in seiner Umgebung meinen Vater für eine politische Gefahr halten und ihn deshalb nicht freilassen», sagte der 25-Jährige. Dabei habe sein Vater nie politisch aktiv sein oder Präsident werden wollen.

Obamas Kritik am Prozess

Acht Jahre Haft bekamen er und sein früherer Geschäftspartner Platon Lebedew 2005, weil sie den Gewinn aus dem Verkauf von Millionen Tonnen Öl nicht richtig versteuert haben sollen. Die Strafe läuft kurz vor den Präsidentschaftswahlen 2012 aus. Die neuen Vorwürfe, Chodorkowski habe 218 Millionen Tonnen Öl abgezweigt und illegal weiterverkauft, deuten Prozessbeobachter deshalb als Versuch, den Kreml-Kritiker auch über den Urnengang hinaus kalt zu stellen.

Die Verteidigung argumentiert, dass diese Menge Öl der kompletten Fördermenge von Yukos von 1998 bis 2003 entspricht. So viel Öl unbemerkt verschwinden lassen zu können - das leuchtete auch hochkarätigen Zeugen in dem Prozess nicht ein. Ex-Wirtschaftsminister German Gref und der amtierende Handels- und Industrieminister Viktor Christenko äusserten vor Gericht Zweifel an der Anklage.

US-Präsident Barack Obama kritisiert die neuen Vorwürfe als «seltsam», da sie erst Jahre nach der Inhaftierung vorgebracht worden seien. Auch die Bundesregierung mahnte die russische Führung immer wieder zur Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit. Am Samstag bezeichnete der deutsche Botschafter in Moskau, Ulrich Brandenburg, den Prozess als rechtsstaatliche Prüfung für Russland.

Bis 2017 im Gefängnis?

Würde Chodorkowski, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, zu weiteren 14 Jahren verurteilt, käme er im Jahr 2017 aus dem Gefängnis frei, weil seine bisherige Haftstrafe angerechnet würde. In seinem Schlusswort vor Gericht sagte Chodorkowski noch im November: «Ich will nicht im Gefängnis sterben, aber meine Überzeugungen sind es mir wert, dass ich mein Leben riskiere.»

AFP/jak

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