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In der Politik gelten andere Regeln als beim Poker

Der französische Innenminister Christophe Castaner blufft und redet nach dem Attentat auf seine Polizei Fakten herbei.

Die Opposition fordert seinen Rücktritt, nachdem er schlecht auf das Attentat gegen die Pariser Polizei reagiert hat: Christophe Castaner. Foto: Pascal Rossignol (Reuters)
Die Opposition fordert seinen Rücktritt, nachdem er schlecht auf das Attentat gegen die Pariser Polizei reagiert hat: Christophe Castaner. Foto: Pascal Rossignol (Reuters)

Bevor Christophe Castaner Frankreichs Innenminister wurde, verdiente er sein Geld unter anderem als Pokerspieler. Er kokettiert bis heute damit, dass ein bekannter Krimineller für ihn wie «ein Bruder» gewesen sei.

Als Innenminister wollte er nun vor ­allem eines sein: bester Freund der Polizei. Der 53-Jährige wird betont un­gemütlich, wenn Medien Polizei­gewalt kritisieren. Allein das Wort verbiete sich, da es den gesamten Berufsstand verunglimpfe.

Seit Freitag ist Castaner für die Polizei jedoch nicht mehr der starke Kumpel an ihrer Spitze, der er gern wäre. Er ist ein Innenminister, der einen mutmasslichen islamistischen Anschlag auf vier Polizisten verharmlost hat.

Es habe «keinerlei Verhaltens­auffälligkeiten» gegeben, «nicht den geringsten Warnhinweis», sagte Castaner über den Täter, der am Donnerstag vier seiner Kollegen getötet hat. Nur ein Tag vergeht, bis klar ist: Das stimmt nicht. Es gab zahlreiche Warnhinweise.

Sein Rücktritt wäre kein Verlust

Unklar ist bislang, ob ­Castaner es nicht besser wusste oder ob er bewusst verschwieg, dass der Angreifer Kontakte zu bekannten Salafisten hatte. Selbst wenn Castaner sich besten Gewissens geäussert haben sollte, stellt sich die Frage, wie ein Innenminister so schlecht informiert sein kann. Und warum er dann nicht sagt: Wir wissen aktuell nichts.

Es ist nicht das erste Mal, dass ­Castaner in einer unübersichtlichen Situation Fakten herbeiredet. Im Mai hatte er behauptet, linke Demonstranten hätten im Rahmen einer Kund­gebung «ein Krankenhaus ange­griffen» und das Pflegepersonal davon abgehalten zu arbeiten. Den Angriff hatte es so nie gegeben.

Ein Innenminister, der wiederholt ungeprüfte Informationen verbreitet, ist ein schlechter Innenminister. Beim Poker gehört Bluffen zum Spiel. In der Politik müssen andere Regeln gelten. ­

Christophe Castaners Rücktritt, den die Opposition fordert, wäre für Frankreich kein Verlust.

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