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Jörg Haiders letzte Geheimnisse

Einmal noch diskutieren Österreichs Medien die Frage aller Fragen: War Jörg Haider schwul? Und darf das heute noch eine Rolle spielen?

Der letzte Abend im Leben von Jörg HaiderHaider besuchte besuchte im «Le Cabaret» in Velden eine Party: Hier an der Seite von Patrizia Zernatto. Vorher und nachher war er laut einem Pressebericht bei seinem Liebhaber.
Der letzte Abend im Leben von Jörg HaiderHaider besuchte besuchte im «Le Cabaret» in Velden eine Party: Hier an der Seite von Patrizia Zernatto. Vorher und nachher war er laut einem Pressebericht bei seinem Liebhaber.
Robert Telsnig
An der Party wurde der Start der «Blitzlicht Revue» gefeiert: Im Bild Jörg Haider mit Reporter Egon Rutter.
An der Party wurde der Start der «Blitzlicht Revue» gefeiert: Im Bild Jörg Haider mit Reporter Egon Rutter.
Keystone
Das letzte Bild: Rechtspolitiker Jörg Haider, ausgelassen und fröhlich.
Das letzte Bild: Rechtspolitiker Jörg Haider, ausgelassen und fröhlich.
Robert Telsnig
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Ein schneller Aufstieg - und ein noch schnelleres Ende einer politischen Karriere: Nur wenige Tage nach dem Unfalltod Jörg Haiders wurde sein ständiger Begleiter Stefan Petzner zum neuen Parteichef des «Bündnis Zukunft Österreich» designiert. Der 27-jährige Steirer gelobte, Haiders Politik fortzusetzen und wollte auch die Leitung der Parlamentsfraktion übernehmen. Doch diesen Posten bekam ein bisher unbekannter Kärntner, und die Medien spekulieren heute über einen baldigen Wechsel an der Parteispitze. Das BZÖ geht auf Distanz zu Haiders politischem Ziehsohn, und eine Boulevardzeitung behauptet, dass auch Haiders Familie den Kontakt zu Petzner abgebrochen habe.

In seiner Trauer um Haider hat Petzner offenbar eine rote Linie überschritten. Dass er bei der ersten Pressekonferenz nach dem Unfall seinem «Lebensmenschen» nachweinte, konnten Familie und Partei noch akzeptieren. Wenige Tage später aber sprach er in Radio- und Zeitungsinterviews mit Worten über Haider, die man nur in Liebesbeziehungen verwendet. Bei Haiders Begräbnis sass Petzner nicht mehr in der ersten Reihe und durfte nicht ans Rednerpult. Seither ist er aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Nur Andeutungen, keine Recherchen

Petzners Tränen, der Bericht vom Streit mit Haider in Velden, das Foto von Haider mit einem jungen Mann im Klagenfurter Schwulentreff Stadtkrämer: Erst durch den Tod Haiders bekamen Österreichs Medien jene Beweise für seine Homosexualität, nach denen sie jahrelang vergeblich suchten. Und die Haiders Gegner in den Jahren des unaufhaltsamen Aufstiegs so gerne gegen ihn verwendet hätten.

Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre tauchten in Zeitungsberichten immer wieder Andeutungen auf, aber ein Kronzeuge für Haiders homosexuelle Neigung fand sich nicht. Als Haider im Jahr 2000 seine Partei in die Koalition mit Wolfgang Schüssels ÖVP führte, löste ein Interview einer Berliner Zeitung mit der Schriftstellerin Elfriede Jelinek eine neue Debatte mit viel scheinheiliger Entrüstung aus. Jelineks Versuch einer Entschleierung beruhe auf tief sitzenden Vorurteilen, kritisierte etwa die «Weltwoche». Dabei behauptete die spätere Nobelpreisträgerin nur, dass Haider bewusst mit homophilen Codes spiele, «ohne sich wirklich als homosexuell zu bekennen».

Erst jetzt fällt österreichischen Journalisten auf, dass sie die eine Frage niemals stellten. Haider habe nie bestritten, schwul oder bisexuell zu sein, schreibt das Magazin «Profil», weil er ja auch nie wirklich danach gefragt worden sei. In seiner Umgebung habe jedoch ständig Angst vor einschlägigen Medienberichten geherrscht. Der «schwierige Umgang mit Jörg Haiders sexuellen Neigungen» ist «Profil» diese Woche ganze drei Seiten wert.

Schon zu Lebzeiten war der Versuch des Outings unter Haiders Gegnern stets umstritten: Wenn Homosexualität selbstverständlich sein sollte, darf man sie dann aus politischen Gründen zum Vorwurf machen? Die Wiener Homosexuelleninitiative allerdings fand das Outing Haiders im Jahr 2000 gerechtfertigt «als politischen Akt gegen versteckte Homosexuelle, die in wichtigen politischen Funktionen anti-homosexuell handeln». Diese Stellungnahme gelte bis heute, sagt Generalsekretär Kurt Krickler, den die jüngsten Berichte «sehr verwundern». Einzig neuer Aspekt für Krickler ist, «dass Herr Petzner in seiner Trauer und seinem Schmerz nicht ernst genommen wird. Das lässt ein bisschen Homophobie erkennen».

Ein Haider-Kalender

In Kärnten selbst dürfte die Diskussion um Haiders Sexualität dem Mythos kaum schaden, denn sie wird höchstens als neuerliche Negativ-Kampagne der «Wiener Medien» wahrgenommen. Kärntner Medien schreiben kaum darüber, das sei Haiders Privatleben, erklärt ein Klagenfurter Journalist. Ob die Berichte über Haiders Homosexualität seiner Partei BZÖ bei den Kärntner Wahlen im März 2009 schaden könnten, wagt der Politologe Peter Filzmeier nicht zu beurteilen. Wichtiger für das BZÖ sei, dass der Haider-Hype in den Medien noch möglichst lange anhalte, so Filzmeier: Ob die Berichte nun positiv oder negativ seien, spiele keine Rolle.

Andere Medien machen Haiders homoerotische Ausstrahlung auch nach seinem Tod zu Geld. Das Magazin «News» produzierte aus alten Fotos einen Kalender, auf dem Haider einmal im Kärntner Anzug, einmal aber auch mit nacktem Oberkörper zu sehen ist. Letzte Woche kam der Kalender um 1.90 Euro an die Kioske, diese Woche wird er bereits auf eBay versteigert - als «Rarität, da bereits vergriffen».

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