Zum Hauptinhalt springen

Junge Flüchtlinge sind für Salafisten «leichte Beute»

Deutschland glaubt nicht, dass sich unter den Flüchtlingen Terroristen verstecken. Jedoch könnten Extremisten versuchen, unter ihnen neue Anhänger anzuwerben.

Islamisten könnten in Deutschland unter Flüchtlingen nach neuen Anhängern suchen: Ein Salafist verteilt in Offenbach am Main Korane. (7. April 2012)
Islamisten könnten in Deutschland unter Flüchtlingen nach neuen Anhängern suchen: Ein Salafist verteilt in Offenbach am Main Korane. (7. April 2012)
Mario Vedder, Keystone

Der Verfassungsschutz befürchtet eine mögliche Radikalisierung junger Flüchtlinge in Deutschland. Mit «grosser Sorge» verfolge er die Versuche von Islamisten, Asylbewerber in Deutschland für ihre radikale Weltanschauung zu rekrutieren, erklärte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maassen, am Dienstag in Berlin. Seine Behörde sehe hier ein «erhebliches Radikalisierungspotenzial», fuhr er fort. «Unser Augenmerk liegt besonders auf jugendlichen unbegleiteten Flüchtlingen, die eine leichte Beute der Islamisten sein könnte».

Bislang gebe es allerdings «keine belastbaren Erkenntnisse», dass radikalislamische Gruppen in Syrien unter dem Deckmantel der Flüchtlingsbewegung gezielt potenzielle Gewalttäter nach Deutschland einschleusten, erklärte Maassen. In Einzelfällen habe seine Behörde aber durchaus entsprechende Hinweise, denen nachgegangen werde.

Anziehungskraft ungebrochen

Das Bürgerkriegsland Syrien übt nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ungebrochene Anziehungskraft auf deutsche Islamisten aus. In den vergangenen sechs Monaten seien noch einmal knapp hundert Islamisten aus Deutschland nach Syrien oder in den Irak ausgereist, teilte Maassen mit. Insgesamt seien seiner Behörde 740 Fälle solcher Ausreisen bekannt. Bei rund 120 der Ausgereisten gebe es Hinweise, dass sie in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen seien.

Ein besonderes Risiko sind nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer jene rund 250 Salafisten, die in Syrien oder im Irak waren und inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt seien. Bei 70 von ihnen sei bekannt, dass sie dort Kampferfahrung gesammelt hätten.

Flüchtlingsthema dominiert

Das salafistische Milieu in Deutschland wächst nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes weiter: Die Behörde zählt nun rund 7900 Menschen zu diesem Spektrum. Vor drei Monaten hatte die Zahl noch bei 7500 gelegen, im Jahr 2013 noch bei 5500.

Das Flüchtlingsthema dominiert nach Maassens Worten derzeit auch die Arbeit der Verfassungsschützer im Bereich Rechtsextremismus. «Sorge bereitet uns, dass die Proteste einer Mischszene aus gewaltorientierten Rechtsextremisten, Fussballhooligans und aufgebrachten Bürgern ein erhebliches Eskalationspotenzial aufweisen», erklärte Maassen. «Hinzu kommt eine nicht zu unterschätzende Wechselwirkung durch Gegenproteste von Linksextremisten.

AFP/dia

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch