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Katerstimmung statt Konsum in Italien

Die Konsumenten behalten ihr Geld lieber zu Hause, als es auszugeben: Von Monat zu Monat mindern sich in Italien die Ausgaben im Einzelhandel. Im Vergleich zur Vorkrisenzeit 2008 geben die Italiener 16 Prozent weniger für Einkäufe aus.

Tote Hose im Einkaufszentrum: Rinascente, hier mit einer Filiale in Turin, ist nur eines von vielen italienischen Warenhäusern, an denen die Menschen immer öfter vorbeigehen, statt es zu betreten.
Tote Hose im Einkaufszentrum: Rinascente, hier mit einer Filiale in Turin, ist nur eines von vielen italienischen Warenhäusern, an denen die Menschen immer öfter vorbeigehen, statt es zu betreten.
Getty Images

Wochenendverkäufe, Geschäfte, die selbst am 24. Dezember bis zur Ladenschlusszeit geöffnet sind – der italienische Einzel­handel bemüht sich um seine Kunden. Mit immer weniger ­Erfolg, denn die Umsatzzahlen sind rückläufig. Nach Angaben des staatlichen Statistikinstituts Istat waren die Umsatzzahlen im November gegenüber dem Vormonat um 1 Prozent, zum Vorjahreszeitraum gar um 2 Prozent rückläufig.

Qualität wird wieder gekauft

Dabei differenzieren die Statistiker noch den Rückgang nach Wert und Volumen der Einkäufe kurz vor Weihnachten. Die Betrachtungen zum Vergleich des Oktobers 2016 zeigten, dass die Kunden etwa 2,1 Prozent weniger Warenwert, hingegen jedoch 2,9 Prozent weniger Warenmenge konsumierten. Insgesamt wurde so weniger gekauft. Das, was jedoch erworben wurde, war von höherer Qualität oder immerhin doch hochpreisiger.

Trend hält schon lange an

Der Konsumrückgang, schreibt Istat, zeigt besorgniserregend einen nun schon lang anhaltenden Trend im Kaufverhalten der Italiener. Im Vergleich zum Vorkrisenzeitraum 2008 ist der Warenverkauf um 15,7 Prozent zurückgegangen – 16,8 Prozent dabei im Lebensmittelbereich, 15,6 Prozent im Bereich der Indus­trie- und Konsumgüter. «Pessimistisch stimmende Daten, von schlecht zu noch schlechter», kommentierte der Präsident des Verbraucherverbands Unione Nazionale Consumatori, Massimiliano Dona, die vom Statistikamt veröffentlichten Werte.

«Es gibt nicht einen positiven Ausblick, weder auf dem Lebensmittelsektor noch auf dem der Nichtlebensmittelprodukte, weder im kleinen Einzelhandel noch bei den Supermarktketten», sagt Dona.

Während in anderen grossen europäischen Volkswirtschaften wie dem wirtschaftlich florierenden Deutschland der Konsum kräftig angezogen hat, bleibt er in Italien rückläufig.

Bürger misstrauen Regierung

Gleich welche Regierung seit 2008 in Rom amtierte, der rückläufige Trend hält an. Ob Silvio Berlusconi, Mario Monti, Enrico Letta, Matteo Renzi oder nun Paolo Gentiloni – die italienischen Konsumenten nehmen der Politik nicht ab, dass sich die Lage im Land stabilisieren könnte. ­Anhaltend hohe Arbeitslosigkeit mit marginalem Rückgang auf 11,1 Prozent (bei einer Jugendarbeitslosigkeit von 35,1 Prozent) lassen wenig Optimismus aufkommen.

Selbst wenn Gentiloni vor wenigen Wochen verkündete, das Wirtschaftswachstum des Landes steige stärker als erwartet um nicht 1,5, sondern gar um 2 Prozent, scheint dies die Bürger nicht zu beeindrucken, die Effekte kommen einfach nicht beim Konsumenten an.

Und die politische Instabilität mit zerstrittenen Linken wie Rechten und dabei triumphierenden Populisten wird Stimmung und Kauflaune auch in den kommenden Monaten nicht aufhellen.

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