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Macrons neue Generalin

Frankreichs neue Verteidigungsministerin Sylvie Goulard ist die wichtigste Frau im Kabinett von Emmanuel Macron. Von Syrien über Mali bis ins terrorversehrte Frankreich muss sie gleich mehrere Militäreinsätze leiten.

Sie ist die wichtigste Frau im Kabinett von Emmanuel Macron: Sylvie Goulard.
Sie ist die wichtigste Frau im Kabinett von Emmanuel Macron: Sylvie Goulard.
Keystone

Sie wird schon mit der deutschen Verteidigungsministerin verglichen und als «die französische Ursula von der Leyen» bezeichnet. Und es gibt durchaus Parallelen zwischen Sylvie Goulard (52) und ihrer Berufskollegin von jenseits des Rheins: Beide gelten als politisch liberal und christdemokratisch, aber nicht unbedingt als Militärexpertinnen.

Starkes Temperament

Goulard stammt jedoch nicht aus noblem Haus, sondern aus der volkstümlichen Hafenstadt Marseille. Von dort bringt sie ein starkes Temperament mit, das ihr als «ministre des Armées» (so ihr ­offizieller Titel) zugutekommen wird.

Die dreifache Mutter und Absolventin der Pariser Eliteschule ENA verfügt über solide Ansichten und ein ebensolches Mundwerk. In der Zeitung «Le Monde» meinte ein anonymer Berufskollege gar, Goulard sei alles andere als diplomatisch und neige dazu, die Leute von oben herab zu nehmen. Für durchsetzungsstarke Armeechefs ist das allerdings nicht unbedingt ein Nachteil.

Vernetzt mit Brüssel

Wer die 52-jährige Berufsjuristin schon in Europa-Debatten erlebt hat, weiss, dass sie ihre Standpunkte auch vehement ein­bringen kann – und zwar auf Französisch, Deutsch, Englisch und Italienisch. Europa ist ihre Leidenschaft. Die gut vernetzte EU-Abgeordnete gehört zur ­Alde-Fraktion des belgischen ­Liberalen Guy Verhofstadt. Von 2001 bis 2004 war sie in Brüssel poli­tische Beraterin des damaligen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi

Jahrelange und sehr enge Beziehungen pflegt Goulard nach Berlin, wo sie Wolfgang Schäuble nahesteht. Für Emmanuel Macron, dem sie sich sehr früh an­geschlossen hatte, organisierte sie ein in Frankreich viel beachtetes Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel. Noch wichtiger: Sie überzeugte den Christdemokraten François Bayrou, nicht selber für den Elysée-Palast zu kandidieren, sondern sich Macron anzuschliessen.

Fürstliche Verdankung

Frankreichs neuer Staatschef dankt es ihr nun fürstlich: Er betraut sie mit dem viertwichtigsten Regierungsposten, dem wichtigsten auch, den er für eine Frau reservierte. Als Verteidigungs­ministerin muss die energische Proeuropäerin die zahlreichen Militäreinsätze Frankreichs koordinieren.

Es sind sehr schwierige und dazu auch sehr politische Missionen. Nach den Terroranschlägen von 2015 und 2016 stellt die französische Armee mit Tausenden von Soldaten die Einhaltung des Ausnahmezustandes sicher, was sich an den Militärpatrouillen in Bahnhöfen, Flughäfen und an anderen Orten zeigt. In Syrien und im Irak beteiligt sich die französische Luftwaffe an den Einsätzen gegen den IS. Und in der Sahel­zone versucht die Operation «Bar­khane» seit 2014, die Rückkehr der Wüsten-Jihadisten zu verhindern und damit den strategisch wichtigen Staat Mali abzusichern.

Schon diesen Freitag will Goulard mit ihrem doppelten Vorgesetzten Macron – er ist als Staatspräsident von Verfassung wegen auch oberster Armeechef – die französischen Soldaten in Mali besuchen.

Dort wird die Ministerin ihren europäischen Überzeugungen nachleben können: Die deutsche und die französische Regierung wollen die EU-Mission für die Ausbildung malischer Soldaten und Polizisten gemeinsam aufwerten, um den Brandherd des westafrikanischen Jihadismus nachhaltig zu entschärfen.

Armee reformieren

In Frankreich muss Goulard eine eigentliche Armeereform dirigieren. Macron hat im Wahlkampf versprochen, die Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes, von heute 32 auf 50 Milliarden Euro, zu erhöhen. Von Sylvie Goulard wird man deshalb noch viel hören.

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