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Mediale Seitenhiebe gegen den «Guardian»

Der britische Geheimdienstchef warnt: Die Snowden-Enthüllungen gefährdeten die nationale Sicherheit. Die grossen Medien des Landes nutzen die Aussage für einen Seitenhieb gegen die Konkurrenz.

Kritisiert die Enthüllungen von Edward Snowden: Der britische Geheimdienstchef Andrew Parker.
Kritisiert die Enthüllungen von Edward Snowden: Der britische Geheimdienstchef Andrew Parker.
Reuters
Shoppt in Russland: Der US-Enthüller Edward Snowden.
Shoppt in Russland: Der US-Enthüller Edward Snowden.
Screenshot «Live News»
Wird heftig kritisiert: Der Chefredakteur des «Guardian», Alan Rusbridger.
Wird heftig kritisiert: Der Chefredakteur des «Guardian», Alan Rusbridger.
Keystone
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Der Chef des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 hat vor einer zunehmenden Bedrohung durch islamische Extremisten gewarnt. Im Vereinigten Königreich gebe es Tausende Islamisten, die die Bevölkerung als «legitimes Ziel» ansähen, sagte MI5-Chef Andrew Parker gestern Abend in London. Seine Behörde sehe sich «Bedrohungen an mehr Fronten als je zuvor» gegenüber. Er rechne mit ein bis zwei versuchten grossen Terroranschlägen in Grossbritannien pro Jahr.

Es war die erste öffentliche Ansprache von Andrew Parker in seinem Amt als Leiter des MI5. Darin verteidigte er zudem die elektronische Sammlung von Daten. Es sei «glatter Unsinn», dass der britische Geheimdienst GCHQ den Datenverkehr der einfachen Bürger ausspioniere, sagte er mit Blick auf die Spionage-Enthüllungen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Der britische Geheimdienst sei weit davon entfernt, wahllos private Informationen zu sammeln, sondern richte sich «sehr sorgfältig und eng gegen diejenigen, die Böses planen», sagte Parker.

Die Schuld für das vergrösserte Sicherheitsrisiko sieht Parker auch in den Enthüllungen des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden: «Diese Informationen waren für Terrorgruppen wie al-Qaida ein Geschenk. Nun wissen sie mehr darüber, wie sie uns umgehen können», sagt Parker.

Kritik am «Guardian»

Parkers Kritik an den Enthüllungen von Snowden ist für die britische Presse ein gefundenes Fressen. Gleich vier grosse Zeitungen nutzen die Worte des Geheimdienstchefs, um ihrem grossen Konkurrenten, dem «Guardian», einen Seitenhieb zu verpassen. Die Zeitung hat seit Anfang Juni mehrere Berichte mit brisanten Details aus den Geheimdiensten der USA und Grossbritanniens veröffentlicht.

«Der ‹Guardian› hat Terroristen ein Geschenk überreicht», titelt beispielsweise die «Daily Mail» in ihrer heutigen Ausgabe. Der «Independent» beschuldigt im Titel Edward Snowden, al-Qaida in die Hände gespielt zu haben. Und die «Times» und der «Telegraph» sprechen etwas sachlicher von den Enthüllungen, die die britische Sicherheit gefährden.

Snowdens Sprachrohr

Bei seinen Enthüllungen arbeitet der «Guardian» eng mit Glenn Greenwald zusammen. Auch der Journalist, der als Sprachrohr von Edward Snowden gilt, musste sich von seinen Berufskollegen viel gefallen lassen. In einem ausführlichen Exposé veröffentlichte die US-Boulevardzeitung «Daily News» private Details über den 46-Jährigen. Diese Informationen gingen von Steuerschulden, über seinen schwulen Freund bis hin zu einem Porno-Vertrieb, für den er früher einmal gearbeitet haben soll.

Die kritischen Berichte über Greenwald wurden von anderen Blättern als fragwürdig betitelt. Ist es Neid von Berufskollegen, der solche Artikel hervorbringt? Greenwald selbst war wenig überrascht darüber: «Ich wusste, dass ich unweigerlich zum Ziel aller möglichen persönlichen Attacken und Verleumdungen werden würde», schrieb er in seiner Kolumne.Man fordere nicht den mächtigsten Staat auf der Erde heraus, ohne selber angegriffen zu werden.

Edward Snowden hatte im Juni berichtet, die Government Communications Headquarters (GCHQ) in London bespitzelten systematisch Telefon- und Internetnutzer in aller Welt. Vom früheren US-Geheimdienstmitarbeiter vorgelegte Dokumente sollen beweisen, dass sich der Geheimdienst heimlich Zugang zu mehr als 200 Glasfaserkabeln verschafft hat, über die der weltweite Telekommunikationsstrom läuft.

Erstes Bild von Snowden

Auf der Flucht vor der US-Regierung versteckte sich Snowden schliesslich wochenlang am Flughafen Moskau. Im August nahm er das Asylangebot von Russland an und lebt seither an einem geheimen Ort im Land. Heute sind nun die ersten Bilder des US-Enthüllers aufgetaucht: Ein Bild der russischen Nachrichtenseite «Life News»zeigt Snowden, wie er in einem grauen Hemd, blauen Jeans und einem vollen Einkaufswagen durch die Strassen Russlands spaziert. Wo die Aufnahme gemacht worden ist, ist unklar.

Sein Anwalt und Sprecher Anatoli Kutscherena weist Informationen, wonach sie in der Hauptstadt gemacht worden sind, zurück. «Das Bild zeigt definitiv Edward Snowden, doch ich würde nicht behaupten, dass er in Moskau lebt. Ich denke, das Foto wurde nicht in Moskau aufgenommen», sagt er.

Mit Material der Nachrichtenagentur AFP.

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