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Nur ein einziges Mal war die CSU nicht wählerstärkste Partei

Seit ihrer Gründung stellen die Christlich-Sozialen in Bayern den Ministerpräsidenten – bis auf eine Ausnahme. Eine Geschichte der Dominanz.

Der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner (2.v.l.) war seit 1946 der einzige bayrische Ministerpräsident, der nicht der CSU angehörte: Hoegner später bei einem Treffen mit dem damaligen US-Vizepräsidenten Richard Nixon. (22. Dezember 1959)
Der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner (2.v.l.) war seit 1946 der einzige bayrische Ministerpräsident, der nicht der CSU angehörte: Hoegner später bei einem Treffen mit dem damaligen US-Vizepräsidenten Richard Nixon. (22. Dezember 1959)
Str, Keystone

Die Alleinherrschaft fühlte sich für die CSU während Jahrzehnten an wie ein politisches Erbrecht. Seit 1962 verfügte sie im bayerischen Landtag über die absolute Mehrheit der Sitze – unterbrochen nur für fünf Jahre zwischen 2008 und 2013.

Seit 1946 stellten die kurz zuvor gegründeten Christlich-Sozialen überhaupt nur einmal nicht den bayerischen Ministerpräsidenten: 1954 bis 1957, als der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner an der Spitze einer Vier-Parteien-Koalition gegen die CSU regierte. Und nur ein einziges Mal war die CSU nicht wählerstärkste Partei: 1950, als die neue Bayernpartei und der Bund der Heimatvertriebenen sie bedrängten und sie auf lediglich 27,4 Prozent kam.

Das Vorspiel 2008

Die grösste Dominanz erreichte die CSU 1974 und 2003: Unter dem langjährigen Ministerpräsidenten Alfons Goppel holte sie 62 Prozent der Stimmen, 2003 gewann sie unter Edmund Stoiber sogar das einzige Mal eine Zweidrittelmehrheit der Sitze im Landtag (mit 61 Prozent der Stimmen). Doch schon fünf Jahre später endete die Herrlichkeit abrupt. Die CSU verlor 2008 mehr als 17 Prozentpunkte und büsste nach 46 Jahren die absolute Mehrheit ein. Die damalige Lage der Partei war der heutigen nicht unähnlich: Wie nun, nach Ende der 10-jährigen Amtszeit von Horst Seehofer als Ministerpräsident, war es damals am Ende der 14-jährigen Ära Stoiber zu einem Machtkampf gekommen, der die Partei öffentlich zerlegte und innerlich zerriss.

Wie heute steckte die CSU 2008 in Berlin in einer ungeliebten Grossen Koalition mit den Sozialdemokraten fest. Wie heute wurde die CSU damals in Bayern von konservativen Parteien bedrängt, die zu einem guten Teil «Fleisch von ihrem Fleische» waren: den Freien Wählern (10 Prozent) und der FDP (8 Prozent). Die CSU bildete nach der Wahl denn auch eine Koalitionsregierung mit der FDP – wie 2009 auch im Bund.

Das letzte Aufbäumen

Ministerpräsident Günther Beckstein und Parteichef Erwin Huber verloren wegen des Desasters ihre Ämter, die sie erst ein Jahr zuvor errungen hatten. Dafür begann Seehofers Ära, als Vorsitzender der Partei und als bayerischer Ministerpräsident. Es war Seehofers grösster Triumph als Parteichef, dass er 2013 die absolute Mehrheit für die CSU zurückgewann, «ein letztes Mal», wie bereits damals viele Kommentatoren vermuteten.

Freilich war die Ausgangslage damals ideal: Zwei Wochen vor der Bundestagswahl schwebten sowohl Angela Merkels CDU wie Seehofers CSU auf einsamen Höhen, während die FDP in München wie in Berlin in hohem Bogen aus dem Parlament flog. Die kurz zuvor gegründete Alternative für Deutschland war noch keine Konkurrenz.

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