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«Marsch auf die mazedonische Grenze»

Ein Flugblatt ruft Migranten in Idomeni zum Sturm auf die mazedonische Grenze auf – wo die mazedonische Polizei sie mit Tränengas erwartet.

kat/mch
Entschlossen: Eine Gruppe von Migranten versucht von Hand Löcher in den Grenzzaun von Idomeni zu reissen. (10. April 2016)
Entschlossen: Eine Gruppe von Migranten versucht von Hand Löcher in den Grenzzaun von Idomeni zu reissen. (10. April 2016)
Alexandros Avramidis, Reuters
Grenzöffnung auf eigene Faust: Ein Mann ruft nachkommende Migranten auf, den zerstörten Grenzzaun zu passieren. (10. April 2016)
Grenzöffnung auf eigene Faust: Ein Mann ruft nachkommende Migranten auf, den zerstörten Grenzzaun zu passieren. (10. April 2016)
Bulent Kilic, AFP
An der Grenze hat die mazedonische Polizei die Migranten mit einem Grossaufgebot erwartet.
An der Grenze hat die mazedonische Polizei die Migranten mit einem Grossaufgebot erwartet.
AP/Amel Emric
Auch die Armee wurde aufgeboten.
Auch die Armee wurde aufgeboten.
Robert Atanasovski, AFP
Die Migranten werden mit Tränengas zurückgedrängt.
Die Migranten werden mit Tränengas zurückgedrängt.
Bulent Kilic, AFP
Zeitweilen glich die Grenze einer Nebelwand.
Zeitweilen glich die Grenze einer Nebelwand.
Amel Emric, Keystone
Ein Mann trägt einen Tränengaskanister mit einem Lappen davon. (10. April 2016)
Ein Mann trägt einen Tränengaskanister mit einem Lappen davon. (10. April 2016)
AP/Amel Emric
Einige haben ihr Gesicht mit Zahnpasta verschmiert, um sich gegen die Reizwirkung des Tränengases zu schützen: Ein Migrant wirft einen Stein gegen die mazedonische Polizei. (10. April 2016)
Einige haben ihr Gesicht mit Zahnpasta verschmiert, um sich gegen die Reizwirkung des Tränengases zu schützen: Ein Migrant wirft einen Stein gegen die mazedonische Polizei. (10. April 2016)
Bulent Kilic, AFP
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Im griechischen Grenzort Idomeni hat sich die Lage erneut zugespitzt. Mazedonische Polizisten setzten am Sonntag Tränengas gegen hunderte Flüchtlinge ein und verletzten gemäss der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) 260 Menschen. MSF allein habe 200 Migranten wegen Atembeschwerden behandelt.

Laut der Athener Tageszeitung «Kathimerini» wurden auch Blendgranaten abgefeuert. Ein griechischer Regierungssprecher warf Mazedonien vor, auch Gummigeschosse eingesetzt zu haben und sprach von einem «gefährlichen und verabscheuungswürdigen» Vorgang. MSF bestätigte den Einsatz von Gummigeschossen.

Der Leiter eines Auffanglagers auf der mazedonischen Seite der Grenze, Zoran Lazarovski, sprach von drei Flüchtlingsgruppen zu je rund 500 Menschen, die an drei verschiedenen Stellen die Grenze durchbrechen wollten.

Die mazedonische Polizei rechtfertigte den Einsatz von Tränengas und Blendgranaten mit den Erfordernissen des Selbstschutzes: Flüchtlinge hätten Beamte mit Steinen und Metallgegenständen beworfen. Es sei «kein einziger Flüchtling» nach Mazedonien gelangt, sagte ein Sprecher.

Zum Marsch aufgerufen

Ausgangspunkt für den erneuten Sturm auf die Grenze war offenbar ein Flugblatt auf Arabisch, das bereits am Samstag verbreitet worden war. Darin wurden die Bewohner des wilden Lagers für Sonntagmorgen zum «Marsch auf die mazedonische Grenze» aufgerufen. Offenbar kursierte wie bereits vor wenigen Wochen das Gerücht, Mazedonien werde die Grenze öffnen.

Seit die Fluchtroute über den Balkan abgeriegelt worden ist, sitzen im Grenzort Idomeni mehr als 11'000 Menschen fest. Seit Wochen fordern sie die Öffnung der Grenzen zu Mazedonien, um von dort aus weiter nach Westeuropa zu gelangen.

Flüchtlinge vor Samos ertrunken

Vor Samos ertranken am Samstag vier Frauen und ein Kind, nachdem ihr Boot auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland gesunken war. Fünf Menschen konnten gerettet werden, nach mehreren weiteren Menschen wurde nach dem Unglück gesucht, wie die griechische Küstenwache mitteilte. Unter den Überlebenden war demnach auch der mutmassliche Schlepper der Flüchtlingsgruppe, er wurde festgenommen.

Es war das erste Mal seit Inkrafttreten des EU-Abkommens mit der Türkei, dass die Behörden von ertrunkenen Flüchtlingen in der Ägäis berichteten. Gemäss dem Abkommen werden alle Menschen, die nach dem 20. März auf illegalem Weg Griechenland erreichen, in die Türkei zurückgeschickt.

Wie die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» unter Berufung auf Zahlen der EU-Grenzschutzbehörde Frontex berichtete, gelangten seitdem 80 Prozent weniger Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland.

(sda/afp)

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