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Razzia bei IWF-Chefin Lagarde

Die Pariser Wohnung von Christine Lagarde ist durchsucht worden. Gegen die IWF-Chefin läuft eine Untersuchung wegen möglicher Beihilfe zur Unterschlagung öffentlicher Gelder. Es geht um 310 Millionen Euro.

Kritik an Entschädigung für einen Fehler beim Verkauf von Adidas: Christine Lagarde (l.) und Bernard Tapie.
Kritik an Entschädigung für einen Fehler beim Verkauf von Adidas: Christine Lagarde (l.) und Bernard Tapie.

Ermittler haben heute die Pariser Privatwohnung der IWF-Chefin Christine Lagarde durchsucht. Anlass war nach Angaben ihres Anwalts ein im August 2011 eingeleitetes Ermittlungsverfahren der französischen Justiz im Fall Adidas/Tapie. Der 57-Jährigen wird Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Mittel vorgeworfen.

Lagarde habe in der Affäre um umstrittene Millionenzahlungen an den Skandalunternehmer Bernard Tapie «nichts zu verbergen», sagte ihr Anwalt Yves Repiquet.

Gegen Lagarde waren im August 2011 im Zusammenhang mit umstrittenen Entschädigungszahlungen aus Staatsgeldern an Tapie Ermittlungen eingeleitet worden, wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt als IWF-Chefin. Zum Zeitpunkt der Entscheidungen zugunsten Tapies war Lagarde französische Finanzministerin unter dem damaligen Staatschef Nicolas Sarkozy.

Es geht um den Vorwurf der «Beihilfe zur Fälschung» und «Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder». Lagarde sei in der Angelegenheit noch nicht befragt worden, sagte der Anwalt der IWF-Chefin weiter.

285 Millionen Euro Schadenersatz

In der Tapie-Affäre geht es um den Verkauf des deutschen Sportartikelherstellers Adidas an die französische Bank Crédit Lyonnais im Jahr 1993. Tapie hatte der verstaatlichten Bank vorgeworfen, ihn beim Verkauf des Unternehmens benachteiligt zu haben, und auf Entschädigung geklagt.

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen dem Geschäftsmann und der Bank beauftragte die frisch ins Amt eingeführte Finanzministerin Lagarde im Jahr 2007 ein Schiedsgericht, den Fall zu lösen. Tapie bekam daraufhin Schadenersatz in Höhe von 285 Millionen Euro – mit Zinsen sogar 400 Millionen Euro – zugesprochen.

Lagarde hatte zuletzt Ende Januar beteuert, die Anrufung des Schiedsgerichts sei «damals die beste Lösung» gewesen. Die Ermittlungen gegen sie werden vom Gerichtshof der Republik geleitet, der einzigen Instanz in Frankreich, die zu mutmasslichen Vergehen von Regierungsmitgliedern während ihrer Amtszeit ermitteln darf.

Separat zu den Ermittlungen gegen Lagarde untersuchen auch Pariser Untersuchungsrichter den Fall. Dabei wurden zuletzt unter anderem die Wohn- und Büroräume von Claude Guéant durchsucht, der zum Zeitpunkt der Affäre Sarkozys Generalsekretär im Präsidentenpalast war.

IWF will nicht kommentieren

Der IWF in Washington erklärte zur Wohnungsdurchsuchung, es wäre «unangemessen» einen Fall zu kommentieren, mit sich die französische Justiz befasse. Der IWF-Exekutivrat habe das Thema aber vor Lagardes Ernennung im Juli 2011 diskutiert und ihr sein «Vertrauen» ausgesprochen.

Lagarde war an der Spitze des IWF ihrem Landsmann Dominique Strauss-Kahn gefolgt, nachdem dieser wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung vorübergehend festgenommen worden und zurückgetreten war.

Staatschef Francois Hollande hat seinem Vorgänger Sarkozy vorgeworfen, ein Klima der Vetternwirtschaft zwischen Wirtschaft und Politik geschaffen zu haben. Der Sozialist hat sich selbst die politische Hygiene auf die Fahnen geschrieben – auch im eigenen Lager.

So musste der des Steuerbetrugs verdächtigte Haushaltsminister Jerome Cahuzac gestern seinen Hut nehmen. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft ein formelles Ermittlungsverfahren gegen Cahuzac eröffnet wegen Steuerflucht mit Hilfe eines angeblichen UBS-Kontos in der Schweiz. Der Politiker, der selbst die Bemühungen der Regierung gegen Steuerflucht vorantreiben sollte, hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.

sda/AP/rub/rbi

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