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Rekonstruktion der Tat von Hanau

Tobias R. scheint seine Anschlagsziele ganz bewusst gewählt zu haben.

Alles im Umkreis der Tatorte wird untersucht: Forensiker nach der Bluttat von Hanau bei der Arbeit. Foto: Reuters
Alles im Umkreis der Tatorte wird untersucht: Forensiker nach der Bluttat von Hanau bei der Arbeit. Foto: Reuters

Einige Tage vor seiner Tat in Hanau, bei der er zehn Menschen ermordet, stellt Tobias R. ein Bekennerschreiben und Videos ins Internet. Die Dokumente weisen auf ein wirres, völkisches und rassistisches Gedankengut hin (zum Kommentar).

Am Mittwochabend zwischen 22 Uhr und 22.30 Uhr taucht der 43-Jährige in der Strasse Heumarkt in der Hanauer Innenstadt auf. Es ist eine kurze Nebenstrasse mit drei kleinen Hotels, einem Reisebüro, einer Pizzeria, einem Sportwettbüro und zwei kleinen Bars. Während sich in benachbarten Gaststätten viele Menschen versammelt haben, um ein Champions-League-Spiel im Fernsehen anzuschauen, ist in den beiden Lokalen verhältnismässig wenig los.

Einem Augenzeugen zufolge betritt Tobias R. die Shisha-Bar «Midnight» und fragt dort nach dem Besitzer. Er tötet den Chef der Bar angeblich mit einem Kopfschuss und erschiesst auch die zweite Person dort. Danach geht der Täter wenige Meter weiter zur «Café-Bar La Votre», in der sich eine Person befindet. Es ist einer der Betreiber der Bar. Tobias R. erschiesst auch ihn. Vor oder nach diesem Mord feuert er auf der Strasse vor dem Lokal auf einen Jugendlichen und tötet ihn. Alle Opfer hier haben einen Migrationshintergrund.

Nach wenigen Minuten erscheint die Polizei in der Strasse Heumarkt. Der mutmassliche Täter hat sich zu dieser Zeit bereits mit seinem Auto in westliche Richtung entfernt.

Tobias R. fährt in den 2,5 Kilometer entfernten Stadtteil Kesselstadt, in dem er auch wohnt. Wohnblocks dominieren dort das Stadtbild, auf den Strassen ist wenig los an einem normalen Abend. Anwohner beschreiben die Gegend als vollkommen ruhig.

Im Bereich des Kurt-Schumacher-Platzes, neben einer derzeit geschlossenen Lidl-Filiale, stellt Tobias R. seinen Wagen ab und geht in die «Arena-Bar». Dort eröffnet er das Feuer auf weitere Menschen, fünf sterben, mindestens ein Opfer verletzt er lebensgefährlich. Auch hier zielt der Täter vor allem auf Menschen mit Migrationshintergrund.

In einer nahegelegenen Unterführung hat jemand die Adresse der persönlichen Internetseite des Täters mit schwarzer Farbe an die Wand gesprüht – ob es Tobias R. selbst war, ist nicht bekannt (lesen Sie hier, was über den Täter bisher bekannt ist).

Nach der Ermordung von neun Menschen fährt er nach Hause zu seiner 72-jährigen, bettlägerigen Mutter. Er tötet sie und schliesslich auch sich selbst.

Der Generalbundesanwalt übernimmt die Ermittlungen aufgrund der besonderen Bedeutung des Falles: Es besteht der Verdacht einer terroristischen Gewalttat (zum Nachrichtenticker).

Die Polizei ermittelt die Identität des Täters. Gegen drei Uhr nachts stürmt ein Spezialeinsatzkommando der Polizei die Wohnung des Täters und findet dort die Leichen des mutmasslichen Täters und seiner Mutter. Beide weisen Schussverletzungen aus. Die Tatwaffe wird bei Tobias R. gefunden.

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