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Rückzug aus Bani Walid – 6000 Rebellen belagern Sirte

Die Getreuen Ghadhafis verteidigen die Wüstenstadt Bani Walid mit aller Kraft. Auch in Sirte wird gekämpft. Die Nato muss sich derweil gegen schwere Anschuldigungen wehren.

Aus vollen Rohren: Rebellen schiessen vor Sirte Raketen ab. (24. September 2011)
Aus vollen Rohren: Rebellen schiessen vor Sirte Raketen ab. (24. September 2011)
Reuters
Warten auf den Sieg? Libysche Rebellen in der Nähe von Bani Walid. (22. Sepember 2011)
Warten auf den Sieg? Libysche Rebellen in der Nähe von Bani Walid. (22. Sepember 2011)
Keystone
«Die Strategie in Bani Walid heisst abwarten», sagt ein Sprecher des Übergangsrats: Die Kämpfer hinter der Frontlinie füllen ihre Zeit mit Spässen. (10. September 2011)
«Die Strategie in Bani Walid heisst abwarten», sagt ein Sprecher des Übergangsrats: Die Kämpfer hinter der Frontlinie füllen ihre Zeit mit Spässen. (10. September 2011)
AP/Keystone
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Angesichts des heftigen Widerstands von Ghadhafi-Getreuen in Bani Walid haben sich die libyschen Revolutionsstreitkräfte wieder aus dem Ort zurückgezogen. Die Kämpfer kamen heute ausserhalb von Bani Walid zusammen, um sich neu zu formieren. Allerdings gab es keine Anzeichen, dass ein weiterer Vorstoss auf die Enklave in den Bergen unmittelbar bevorstand. Auch um die Heimatstadt des früheren Machthabers Muammar al-Ghadhafi, Sirte, wurde weiter gekämpft.

Ein Arzt im Feldlazarett im nahe gelegenen Wischtata erklärte, die Kämpfe von gestern Freitag hätten mindestens sechs Rebellen das Leben gekostet. Weitere 50 seien verletzt worden. Augenzeugen aus Bani Walid berichteten, die Ghadhafi-Getreuen seien schwer bewaffnet. Den Rebellen gelang es gestern nicht, Scharfschützen auszuschalten und den Ort unter ihre Kontrolle zu bringen. In Bani Walid wurden die Menschen über einen Radiosender aufgefordert, nicht aufzugeben. Den Angreifern gehe es nur darum, immer zu trinken und Drogen zu nehmen, sagte der Sprecher. «Wir sind eine traditionelle Stammesgesellschaft, die solche Dinge ablehnt und bekämpfen muss.»

Flughafen in Sirte unter Kontrolle

In Sirte lieferten sich die Einheiten der Übergangsregierung auch am Samstag heftige Gefechte mit den Ghadhafi-Getreuen. Einheiten, die vom Westen in Wohngebiete Sirtes vordrangen, wurden von den Ghadhafi-Anhängern unter Feuer genommen, es folgten blutige Strassenkämpfe. Die Kämpfe von heute Samstag hätten bislang mindestens drei Kämpfer das Leben gekostet, sagte ein Arzt der Truppen der Übergangsregierung.

In Sirte schossen Ghadhafi-Anhänger von Moscheen und Hochhäusern auf die Rebellen, die von Westen her in die Stadt eindrangen. Eigenen Angaben zufolge haben die Rebellen mindestens 6000 Kämpfer für den Angriff auf Sirte mobilisiert, eine der letzten Hochburgen Ghadhafis. Mindestens 1200 Fahrzeuge seien aus Misrata und anderen Städten in und um die Küstenstadt zusammengezogen worden, sagte der Kommandeur Salem Dscheha der Nachrichtenagentur AFP.

Seit dem Vorabend sei der Flughafen der Stadt unter ihrer Kontrolle. Es gebe noch Widerstand, doch die Befreiung der Stadt sei «geregelt» und «beendet», sagte Dscheha. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sei geflohen. Der Leutnant Abdel Wahi el Aguri sagte, die Kämpfer der neuen Führung kontrollierten die Autobahn und den südlichen Teil der Stadt. Sie würden keine schweren Waffen mehr einsetzen, um das Leben von Zivilisten nicht zu gefährden.

Hinweise auf Misshandlungen

An einem Kontrollpunkt 30 Kilometer westlich von Sirte waren zahlreiche Pickups mit Kämpfern, Munition und Geschützen zu sehen, die Richtung Sirte fuhren. Wie eine AFP-Reporterin berichtete, befanden sich auf einem der Wagen auch drei Gefangene. Nach Angaben der Kämpfer handelte es sich um Scharfschützen Gaddafis.

Einer der Männer, der bereits älter war, wies Spuren von Schlägen auf. Ein jüngerer Mann wurde von der Menge misshandelt, bevor die Kämpfer angesichts der Gegenwart ausländischer Journalisten einschritten.

Anhaltender Widerstand angekündigt

Kommandeure der Revolutionsstreitkräfte erklärten heute, eine Kapitulationsvereinbarung mit den Anführern der Region Harawa, etwa 80 Kilometer östlich von Sirte, stehe kurz bevor. Eine solche Vereinbarung könnte den Rebellen einen Weg von Osten nach Sirte eröffnen. Ghadhafis Sprecher Mussa Ibrahim erklärte dagegen, die Getreuen würden Sirte halten. «Wir haben die Fähigkeit, diesen Widerstand über Monate aufrechtzuerhalten», sagte er per Telefon dem Fernsehsender Al-Rai TV mit Sitz in Syrien.

Die Küstenstadt Sirte, der Wüstenort Bani Walid und die südliche Stadt Sebha sind die letzten grösseren Bastionen der Streitkräfte Gaddafis. Bei Sebha ergriffen die Truppen des Übergangsrates gleichfalls die Initiative. Sie umzingelten die Stadt und nahmen nach Kämpfen den nahe gelegenen Flughafen ein.

Nato weist Vorwürfe zurück

Die Nato trat unterdessen Vorwürfen von Angriffen gegen zivile Ziele entgegen. Kampfjets des Bündnisses hätten in der Nacht in Sirte nur eindeutig militärische Ziele bombardiert. Ein Militärsprecher kündigte heute Samstag jedoch eine genaue Prüfung von Vorwürfen an, wonach zahlreiche Zivilisten getötet worden seien. Das Ghadhafi-Lager hatte zuvor von mehreren hundert toten Zivilisten durch Nato-Luftangriffe gesprochen.

«Wie bei allen Nato-Luftschlägen werden wir auch in diesem Fall eine eingehende Schadensanalyse vornehmen. Dies wird es ermöglichen festzustellen, ob die Behauptungen (über zivile Opfer) gerechtfertigt sind. Und zwar auf der Grundlage von Fakten, nicht von Hörensagen», heisst es in einer Erklärung des Nato-Militärsprechers Roland Lavoie.

AFP/wid

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