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Russland und USA verbünden sich gegen IS

Mehr als drei Stunden haben die Aussenminister John Kerry und Sergei Lawrow über die Lage in Syrien, im Irak sowie in der Ukraine beraten.

Kamen in Paris zusammen: Der US-Aussenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergei Lawrow. (14. Oktober 2014)
Kamen in Paris zusammen: Der US-Aussenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergei Lawrow. (14. Oktober 2014)
Keystone

Die USA und Russland wollen im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) enger zusammenarbeiten. US-Aussenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergei Lawrow verständigten sich am Dienstag darauf, den Austausch von Geheimdienstinformationen über den IS zu intensivieren.

Beide Länder seien sich ungeachtet der tiefgreifenden Differenzen in anderen Bereichen ihrer Verantwortung bei der Extremistenbekämpfung bewusst, sagte Kerry in Paris. Er machte keine Angaben dazu, ob Russland dem von den USA ausgerufenen Bündnis gegen den IS beitrete. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich infolge der Ukraine-Krise deutlich abgekühlt.

Die Regierung in Moskau vermutet hinter den US-Luftangriffen gegen den IS in Syrien das versteckte Motiv, Machthaber Bashar al-Assad stürzen zu wollen. Assad ist ein Verbündeter Russlands. Darum hat die russische Führung darauf gedrungen, dass vor Luftangriffen die Erlaubnis der syrischen Regierung eingeholt werden müsse. Die USA lehnen dies ab.

Weiterhin eine umkämpfte Stadt: Ein kurdischer Kämpfer in Kobane. (14. November 2014)
Weiterhin eine umkämpfte Stadt: Ein kurdischer Kämpfer in Kobane. (14. November 2014)
AP Photo/Jake Simkin
Die Kämpfe halten an: Explosion in Kobane. (24. Oktober 2014)
Die Kämpfe halten an: Explosion in Kobane. (24. Oktober 2014)
Sedat Suna/EPA
Die Jihadisten kontrollieren Teile der Grenze zur Türkei: IS-Kämpfer auf der syrischen Seite nahe der türkischen Ortschaft Sanliurfa. (1. Oktober 2014)
Die Jihadisten kontrollieren Teile der Grenze zur Türkei: IS-Kämpfer auf der syrischen Seite nahe der türkischen Ortschaft Sanliurfa. (1. Oktober 2014)
Sedat Suna/EPA
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«Wir beide erkennen die Notwendigkeit, den IS zu zerstören und zu besiegen», fügte Kerry hinzu. Die russische Regierung lote auch Möglichkeiten aus, irakische Regierungstruppen zu bewaffnen und zu trainieren. Der IS hat rund ein Drittel des Irak und Syriens unter seine Kontrolle gebracht.

Nach den Worten des US-Aussenministers kann die internationale Militärkoalition im Kampf gegen den IS auch Militäreinrichtungen in der Türkei nutzen. Ankara habe «mit Sicherheit die Nutzung bestimmter Einrichtungen erlaubt», sagte Kerry. Es gebe in dieser Frage «keinerlei Unstimmigkeiten» mit der türkischen Regierung. Einzelheiten nannte er aber nicht.

Besorgter Obama

US-Präsident Barack Obama sagte am Dienstag bei einem Treffen mit mehr als 20 Militärchefs der internationalen Koalition gegen den IS, der Kampf gegen die Islamisten werde vermutlich noch lange dauern und auch Rückschläge mit sich bringen. Er zeigte sich insbesondere besorgt über den Vormarsch des IS in der nordsyrischen Stadt Kobane. Kobane an der türkischen Grenze wird überwiegend von Kurden bewohnt. Es wird ein Massaker befürchtet, sollte der IS die Stadt einnehmen.

Das Treffen auf dem Militärstützpunkt Andrews wurde von US-Generalstabschef Martin Dempsey geleitet. Grossbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Kanada, Australien sowie fünf arabische Staaten beteiligen sich in Syrien oder im Irak am Luftkrieg der USA gegen den IS. An den Gesprächen nahmen aber auch Vertreter von Staaten teil, die sich auf andere Weise engagieren, darunter Deutschland, das Waffen an die Kurden im Nordirak liefert.

Zuvor hatten die USA mit Unterstützung Saudi-Arabiens die bisher stärksten Luftschläge gegen den IS ausgeführt. Nach Mitteilung des Zentralkommandos in Tampa (Florida) wurden am Montag und Dienstag nahe der kurdischen Enklave Kobane 21 Angriffe geflogen.

Russland zieht sich im Ukraine-Konflikt zurück

Die USA bestätigten, dass Russland im Ukraine-Konflikt seine Truppen zurückzieht. «Die Truppen ziehen sich zurück», sagte Kerry nach dem Treffen. Allerdings müsse auch noch «die schwere Ausrüstung zurückgezogen und die Grenze angemessen überwacht und gesichert werden», fügte er hinzu.

Der Abzug der russischen Truppen ist eine der Bedingungen der westlichen Staaten, bevor sie eine Reihe von Sanktionen wieder aufheben, die sie in der Ukraine-Krise vor allem gegen Russland verhängt hatten. Auf dem Höhepunkt des Konflikts standen im Sommer rund 17'600 russische Soldaten nahe der Grenze zur Ukraine. Seither gab es widersprüchliche Angaben über den Rückzug.

Waffenruhe

Anfang September wurde für den Osten der Ukraine eine Waffenruhe vereinbart, doch gibt es weiterhin praktisch täglich Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Der Westen geht davon aus, dass die prorussischen Einheiten mit russischem Kriegsgerät versorgt werden.

Nach UNO-Angaben wurden im Ukraine-Konflikt binnen sechs Monaten 3600 Menschen getötet. Für Freitag ist ein Treffen des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Mailand angekündigt.

sda/AP/wid/chk

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