Zum Hauptinhalt springen

Schreianfälle, Ausländerfeindlichkeit und Schläge mit der Blockflöte?

Primarlehrerin Ursula Sarrazin, Ehefrau des umstrittenen Autors, gerät immer stärker unter Druck – wegen ihres extrem autoritären Unterrichtsstils. Sie dementiert und wehrt sich mit einer Erklärung.

Zumindest die Boulevardpresse in Berlin hat die 59-jährige Ursula Sarrazin, seit über 30 Jahren als Primarlehrerin tätig, auf ihrer Seite. Heute gab «Bild» ihr auf der Website prominent Platz, um den Beschuldigungen durch Eltern von Kindern, die sie unterrichtet hat, erneut zu widersprechen. «Eine absurde Vorstellung», so zitiert die Zeitung, «ich habe noch nie einen Schüler geschlagen.»

Eine harte Blockflöte soll es gewesen sein, mit der die Lehrerin einem ehemaligen Schüler auf den Kopf geschlagen haben soll. Diesen Vorwurf erhob die Mutter eines ehemaligen Schülers in der Berliner Zeitung «Tagesspiegel» – und der Vater bestätigte diese Behauptung.

Schwere Vorwürfe schon im Jahr 2001

Weiter behauptet die Mutter laut der Zeitung, es habe an der Reinfelder Grundschule in Berlin-Charlottenburg einen «Aufstand der Eltern und Schüler» gegeben. Sie selbst sei zu der Versammlung gegangen, um die Lehrerin zu verteidigen – und habe feststellen müssen, dass «die Frau nicht zu verteidigen war. Sie war respektlos und mitunter richtig erbarmungslos».

Ursula Sarrazin wechselte 2002 an eine andere Schule – zur allgemeinen Erleichterung, wie die Mutter behauptet. Die Lehrerin freilich entgegnet, dass ihr erst «Schwierigkeiten gemacht» wurden, als ihr Mann Finanzsenator in Berlin wurde; eine Behauptung, die von mehreren Eltern als «Blödsinn» bezeichnet wird.

In Sippenhaft wegen ihres Mannes?

Alles nur eine Mobbing-Kampagne? Ursula Sarrazins Ehemann ist offenbar dieser Meinung. Er wolle nicht ausschliessen, so unkte der Autor des umstrittenen Buches «Deutschland schafft sich ab» kürzlich, dass sein Erfolg eine Rolle spiele. Und am vergangenen Sonntag veröffentlichte Ursula Sarrazin selbst eine «persönliche Erklärung», die der «Tagesspiegel» fairerweise im Wortlaut publizierte.

Die kritisierte Lehrerin weist darin darauf hin, dass von Schulleitung und Schulaufsicht keine konkreten Vorwürfe vorlägen. Von den rund 100 Kindern, die sie «gegenwärtig unterrichte», kein Elternteil bei ihr gewesen sei, um sich über irgendetwas zu beschweren. Auf Vorwürfe über ihr Verhalten an früheren Schulen geht sie nicht ein.

Mobbing-Vorwurf gegen türkische Eltern

Weiter behauptet Sarrazin, es scheine so zu sein, dass «zwei bis drei Eltern türkischer Kinder üble Nachrede gegen mich üben». Sie kenne die Eltern gar nicht, und «den türkischen Klassenelternsprecher» habe sie mehrfach zum Gespräch eingeladen. Er sei der Einladung nicht gefolgt.

Weiter erhebt die Lehrerin gegen die Schulleitung und «einen bestimmten Lehrer» den Vorwurf, in ihrer Abwesenheit vor der Klasse gegen sie gehetzt zu haben. «Das Mobbing» sei also von zwei Gruppen ausgegangen: der eigenen Schulleitung und jenen «zwei bis drei Eltern türkischer Kinder». Der Fall wird weiter Aufsehen erregen, denn am Dienstag soll es an der Schule eine Elternversammlung zu dem Thema geben, wie «Bild» berichtet.

Drohbriefe an der Schule eingegangen

Rückendeckung bekommt die Lehrerin derweil bereits von unerwünschter Seite: Wie mehrere Medien berichten, haben die ersten Drohbriefe die Schule erreicht. Man wolle «mehr Sarrazins» und «weniger Türken» an der Schule, heisst es darin laut den Berichten. Der Schulleiter sei bedroht worden; die Schulaufsicht habe Strafanzeige gestellt; Beamte des Landeskriminalamts hätten bereits Schulcomputer inspiziert.

Wer im Berliner Sarrazin-Zank wen zu Unrecht beschuldigt, werden die künftigen Ermittlungen gewiss noch zeigen.

Eine Sammelbeschwerde im Jahr 2009

Die rund 50 Eltern jedenfalls, die März 2009 eine Sammelbeschwerde gegen die Lehrerin eingereicht hatten, scheinen nicht bereit zu sein, ihre Vorwürfe zurückzunehmen. Ines Zimzinski, eine der Unterzeichnerinnen des Briefs, wurde vor kurzem von «Spiegel» Online mit der Aussage zitiert, dass viele Kinder «unter dem autoritären Lehrstil von Frau Sarrazin» gelitten hätten.

Konkret hiess es laut dem Bericht in der Beschwerde, sie habe einen deutsch-japanischen Jungen gemobbt, indem sie ihn in «Suzuki» umgetauft habe statt ihn mit seinem richtigen Namen anzusprechen – unter dem Gelächter des Klassenkameraden, die diesen Spottnamen dann weiter verwendet hätten.

Schreianfälle während des Unterrichts?

Überdies beklagten sich die Eltern, dass Frau Sarrazin im Unterricht die Beherrschung verliere und die Kinder anschreie. Eine 13-jährige Schulabgängerin kritisierte die Lehrerin laut Spiegel Online schon im Jahr 2008 in einer Rede zur Abschlussfeier: Die Schule habe Spass gemacht – ausser im Fach Deutsch. «Meinen Lehrerin war sehr streng», zitierte die Redaktion, «und vor allen Dingen schrak ich manchmal zurück, wenn sie so laut schrie, dass ihr Kopf rot anlief».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch