Schüler vermuten Kameraden als IS-Todesschützen

Eine Klasse in Südfrankreich will den Knaben erkannt haben, der in einem IS-Video eine Geisel erschiesst. Tatsächlich verschwand der verdächtige Schüler vor einem Jahr.

Wurde vermutlich von Schulkameraden erkannt: Knabe im IS-Video. Bild: IS-Video

Wurde vermutlich von Schulkameraden erkannt: Knabe im IS-Video. Bild: IS-Video

Nach dem jüngsten Hinrichtungsvideo der Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) gehen die französischen Sicherheitsbehörden Hinweisen von Schülern nach, die einen früheren Klassenkameraden als den mutmasslichen Todesschützen erkannt haben wollen.

Der Schulinspekteur im Département Haute-Garonne in Südfrankreich, Jacques Caillaut, sagte am Freitag, Schüler am Vauquelin Collège in Toulouse hätten «einen ihrer Klassenkameraden wiedererkannt». Zur Identität des Verdächtigen dürfe er keine Angaben machen. Es gebe ein Kind, das seit Mitte März vergangenen Jahres nicht mehr an der Grundschule gemeldet sei.

Opfer wird Spionage vorgeworfen

In dem am Dienstag verbreiteten Video sind die Hinrichtung eines arabischen Israelis durch einen Knaben zu sehen sowie ein Mann, der auf Französisch Drohungen gegen Juden ausstösst. In dem IS-Video wird dem Opfer vorgeworfen, für den israelischen Geheimdienst Mossad spioniert zu haben.

Der Gefangene kniet vor einem Jungen, der nicht älter als zwölf Jahre alt aussieht, und einem Mann. Letzterer stösst auf Französisch Drohungen gegen Israel und gegen Jerusalem aus. Dann stellt sich der Junge vor den Gefangenen und schiesst ihm eine Kugel in den Kopf.

Hinweise zum Mann im Video

Die französischen Sicherheitsbehörden prüfen zudem, ob es sich bei dem im Video zu sehenden Mann um einen aus Frankreich stammenden Angehörigen des islamistischen Attentäters Mohamed Merah handelt. Der schon lange im südfranzösischen Toulouse als radikaler Islamist bekannte Sabri Essid soll im April 2014 nach Syrien gereist sein.

Essids Vater hatte mit der Mutter von Mohamed Merah zusammengelebt, der im März 2012 in Toulouse und Umgebung insgesamt sieben Menschen erschossen hatte, darunter drei Schüler und einen Lehrer einer jüdischen Schule. Merahs Schwester Souad war im Frühjahr 2014 ebenfalls von Frankreich nach Syrien ausgereist.

chk/sda

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