Seehofer muss Söder-Kröte schlucken

Am Montag hat die CSU ihre Personalien ge­regelt. Horst Seehofer wird als bayerischer Ministerpräsident zurücktreten, bleibt aber Parteichef. Markus Söder soll Ministerpräsident werden.

Horst Seehofer (links) und Markus Söder: Nur der Wille zur Macht verbindet die beiden Intimfeinde.

Horst Seehofer (links) und Markus Söder: Nur der Wille zur Macht verbindet die beiden Intimfeinde.

(Bild: Keystone)

Um seinen Posten als CSU-Chef nach dem schlechten Ergebnis seiner Partei bei der Bundestagswahl im September zu retten, will Horst Seehofer (68) im Frühjahr als bayerischer Ministerpräsident zurücktreten. Sollte bis dahin eine neue Bundesregierung zustande kommen, könnte sich der Ingolstädter als Minister Richtung Berlin verabschieden.

Fraktion für Söder

Markus Söder soll Seehofer im Frühjahr als Ministerpräsident beerben. Die 101 CSU-Abgeordneten wählten ihn am Montag per Akklamation einstimmig zu ihrem Wunschnachfolger. Die CSU-Fraktion kann den 50-Jährigen mit ihrer absoluten Mehrheit im bayerischen Landtag zum Regierungschef machen.

Mitte Dezember findet ein CSU-Parteitag statt. Er entscheidet über den künftigen Parteichef und die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl in knapp einem Jahr. Nach den Grabenkämpfen der vergangenen Monate ist nicht damit zu rechnen, dass der Kompromissvorschlag einer Doppelspitze von den CSU-Delegierten nicht abgesegnet wird.

Seehofers Intimfeind

Söder hat aus seinen Ambitionen auf die höchsten politischen Posten in Bayern nie einen Hehl gemacht. Wie er selbst erzählt, hatte er schon als Halbwüchsiger ein «fast überlebensgrosses Poster» des CSU-Übervaters Franz-Josef Strauss überm Bett hängen. Mit 16 Jahren trat der Sohn eines kleinen Bauunternehmers in die CSU ein. Aufgewachsen in Nürnberg-West, ist der Vater von vier Kindern dort seit 1994 Landtagsabgeordneter.

Die politische Laufbahn des promovierten Juristen führte über den Posten des CSU-Generalsekretärs bis in seine heutige Position als bayerischer Finanzminister. In Bayern und erst recht ausserhalb des Freistaats gilt Söder als skrupelloser Rechtspopulist. In der CSU gelten Hemdsärmeligkeit und die Fähigkeit, die Ellbogen auszu­fahren, nicht unbedingt als Nachteil. Vor allem in der CSU-Landtagsfraktion hat er viele Be­wunderer.

CSU-Chef Seehofer hat aus seiner Abneigung gegen den Ziehsohn Edmund Stoibers nie einen Hehl gemacht. Söder sei «von Ehrgeiz zerfressen», habe «charakterliche Schwächen» und leiste sich «zu viele Schmutzeleien». Doch Seehofer fehlte nach dem Wahldebakel vom September die politische Kraft, den Rivalen zu verhindern.

Im Umfragetief

Mit 38,8 Prozent der Stimmen hatte die CSU bei der Bundestagswahl ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. In Umfragen verlor sie weiter an Boden und fiel auf 37 Prozent. Die Medien in München führen das angesichts der jüngsten Streitigkeiten auf den Eindruck zurück, den CSU-Granden sei ihre Karriere wichtiger als die Belange der Bürger.

Söder ist sich offenbar da­rüber im Klaren, dass die CSU nun schleunigst gegensteuern muss. «Die grosse Herausforderung ist, die Gemeinsamkeit wiederherzustellen», sagte er am Montag vor den Medien. Und mit Blick auf die Erfolge der rechtslastigen Alternative für Deutschland komme es nun darauf an, «vor der Geschichte zu bestehen». Im Klartext heisst das: Wenn der Ministerpräsident Markus Söder den Negativtrend für die CSU bei der Wahl im kommenden Herbst nicht umbiegt, könnte der Traum vom mächtigsten Mann in Bayern schnell ausgeträumt sein.

Berner Zeitung

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