Seehofer will nach Suizid von Flüchtling nicht zurücktreten

Ein aus Deutschland abgeschobener Afghane hat sich in Kabul erhängt. Linke und FDP sehen Innenminister Horst Seehofer in der Verantwortung.

Horst Seehofer weist Rücktrittsforderungen nach dem Suizid eines abgeschobenen Afghanen zurück. Der Bund sei bei der Auswahl der Flüchtlinge für den Abschiebeflug nicht zuständig.<p class='credit'>(Bild: Reuters Hannibal Hanschke)</p>

Horst Seehofer weist Rücktrittsforderungen nach dem Suizid eines abgeschobenen Afghanen zurück. Der Bund sei bei der Auswahl der Flüchtlinge für den Abschiebeflug nicht zuständig.

(Bild: Reuters Hannibal Hanschke)

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer hat Rücktrittsforderungen von Linken und FDP nach dem Suizid eines nach Afghanistan abgeschobenen Flüchtlings zurückgewiesen. Er verstehe diese Forderungen überhaupt nicht, sagte Seehofer am Mittwochabend in Innsbruck vor Journalisten. Der Bund sei bei der Auswahl der Flüchtlinge für den Abschiebeflug nicht zuständig.

«Der Flüchtling wurde uns von der Hansestadt Hamburg gemeldet», sagte Seehofer. Die Bundesländer würden die Flüchtlinge auswählen. Warum ausgerechnet dieser Mann ausgewählt worden sei, müssten die Hamburger Behörden sagen.

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Seehofer sagte, «der Vorgang ist natürlich zutiefst bedauerlich». Er habe erst am Mittwochvormittag davon erfahren. Zu dem Zeitpunkt seiner umstrittenen Äusserungen über den Abschiebeflug habe er noch nichts davon gewusst.

Zusammenhang mit Abschiebung unklar

Der vor einer Woche aus Deutschland abgeschobene afghanische Asylbewerber hatte sich nach seiner Rückkehr erhängt. Er sei am Dienstag in einer von der Internationalen Organisation für Migration zur Verfügung gestellten Unterkunft in Kabul aufgefunden worden, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Flüchtlingsministeriums in Kabul der Nachrichtenagentur DPA am Mittwoch.

Der Mann aus der nordafghanischen Provinz Balkh sei 23 Jahre alt gewesen und habe acht Jahre lang in Deutschland gelebt. Ob sein Suizid direkt mit der Abschiebung zusammen hängt, ist aber derzeit unklar.

Ungewöhnlich viele Abschiebungen

Nach Angaben des deutschen Innenministeriums und des Flüchtlingsministeriums in Kabul hatte der junge Mann in Hamburg gelebt. Ein Sprecher sagte, er sei wegen Diebstahls und Körperverletzung mehrfach rechtskräftig verurteilt worden. Afghanische Behörden hätten am Mittwoch bestätigt, dass es sich um Suizid handle.

Mit dem jüngsten Abschiebeflug hatte Deutschland ungewöhnlich viele abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan zurückgebracht. Horst Seehofer äusserte sich noch am Dienstag zufrieden über die hohe Zahl der Abgeschobenen. «Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 – das war von mir nicht so bestellt – Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden. Das liegt weit über dem, was bisher üblich war», sagte er bei der Vorstellung seines «Masterplans Migration» in Berlin.

oli/afp

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