Serbiens starker Mann ist nun noch mächtiger

In Serbien ist keine Stichwahl nötig: Aleksander Vucic erklärt sich bereits nach dem ersten Wahlgang zum Sieger.

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Der amtierende Regierungschef Aleksandar Vucic hat sich zum Sieger der Präsidentenwahl in Serbien erklärt. «Das ist ein sehr wichtiger Tag für uns, der zeigt, in welche Richtung sich Serbien bewegen sollte», sagte Vucic vor Anhängern seiner rechtsnationale Partei. Zuvor hatten Hochrechnungen gezeigt, dass er bei der Abstimmung mehr als 55 Prozent der Wählerstimmen erhalten hat. Bestätigt sich das bei der offiziellen Auszählung, konnte er somit eine Stichwahl vermeiden, die in zwei Wochen stattgefunden hätte.

Sein Sieg sei eindeutig, sagte Vucic vor den Parteianhängern. Ein grosser Mehrteil der Bevölkerung Serbiens unterstütze die Reformprozesse und den Weg in Richtung EU. Gleichzeitig blieben die engen Bindungen zu Russland und China erhalten, sagte Vucic. Seine Unterstützer riefen während und nach seiner Rede immer wieder «Sieg, Sieg!». Vucic merkte an, dass er allein mehr Stimmen gewonnen habe, als alle zehn Kandidaten der Opposition gemeinsam.

Unterlegener ist «optimistisch»

Der liberale Herausforderer, der Menschenrechtsanwalt und Ombudsmann der Regierung, Sasa Jankovic, kam ersten Hochrechnungen nach mit rund 15 Prozent der Stimmen auf den zweiten Platz. Medienstudent Luka Maksimovic, der als groteske Parodie eines Politikers auftrat, schaffte es mit neun Prozent auf Platz drei, wie die Hochrechnungen zeigten. Die endgültigen Ergebnisse werden für Montag erwartet. Jankovic, der keiner Partei angehört, sagte, er sei mit seinem Wahlkampf zufrieden, der pro-demokratische Strömungen in Serbien gestärkt habe. In dem Land sei eine neue, ehrliche Politikbewegung entstanden, sagte Jankovic, nachdem er seine Stimme abgegeben hatte. «Deswegen können wir optimistisch sein.»

Die Abstimmung wurde als Test der öffentlichen Unterstützung für den Populisten Vucic und seinen autoritären Regierungsstil gesehen. Dem ehemaligen Ultranationalen, der sich mittlerweile als proeuropäischer Politiker präsentiert, wird von der Opposition vorgeworfen, Wähler eingeschüchtert und Medien mundtot gemacht zu haben. Er selbst inszeniert sich als harter, aber gerechter Staatsmann, der sich unermüdlich für sein Land einsetzt.

Beziehung zu Moskau stärken

Vucic versprach weitere wirtschaftliche und soziale Reformen, um eine Mitgliedschaft in der EU zu ermöglichen. Gleichzeitig will er aber auch die Beziehungen zu Moskau, dem traditionellen Verbündeten Serbiens, noch weiter stärken. Es wird erwartet, dass er einen Gefolgsmann zum Regierungschef macht und die verfassungsmässige Rolle des Präsidenten stärkt.

Vucic war einst Informationsminister des Präsidenten Slobodan Milosevic, dessen kriegstreiberische Politik zum Tod von Zehntausenden Menschen führte. Seit 2014 war Vucic Ministerpräsident.

woz/sda

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