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Sommer ist Leidenszeit für Tiere

Immer zu Beginn der Urlaubszeit werden Haustiere einfach ausgesetzt. In Spanien waren es im vergangenen Jahr nach Erhebungen von Tierschützern mehr als 100'000 Hunde und über 33'000 Katzen.

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt fast 138'000 Hunde und Katzen in Spanien ausgesetzt und verlassen, berichten Tierschützer. (Symbolbild)
Im vergangenen Jahr wurden insgesamt fast 138'000 Hunde und Katzen in Spanien ausgesetzt und verlassen, berichten Tierschützer. (Symbolbild)
Keystone

Pepe war klein schwarz und wütend. Die junge Katze hatte sich am Strand von Torre del Mar unter ein Auto mit deutschem Kennzeichen geflüchtet und hatte alle vier Tatzen voll zu tun, um die ebenso wütenden Hunde fernzuhalten, die unter das Auto kriechen wollten, um sich ein zweites Frühstück zu verschaffen. Pepe wurde vom Autobesitzer gerettet, bekam eine Impfung und wurde aus Andalusien mit nach Deutschland genommen. Er lebte noch 14 glückliche Jahre.

Suche nach dem roten Auto

Nicht jedes ausgesetzte Tier hat so viel Glück. An der Provinzstrasse CV 865 zum Badeort Santa Pola am Mittelmeer läuft an diesem Wochenende ein kleiner brauner Hund mit weissen Flecken von Parkplatz zu Parkplatz vor den Restaurants an der im Sommer vielbefahrenen Strecke. Hält ein rotes Auto, springt er darauf zu, um dann enttäuscht davonzuschleichen, wenn die Insassen nichts mit ihm zu tun haben wollen. Er hat ein hübsches Halsband um, mit einem blauen Herzchen. Von Fremden lässt er sich nicht anfassen, weicht aus. Er hat Angst. Tags darauf liegt er tot am Strassenrand. Vermutlich hat ihn ein Auto angefahren. Vielleicht ein rotes.

138'000 ausgesetzte Tiere

Aber nicht nur zu Ferienbeginn werden Tiere von ihren Haltern verstossen. Viele Hunde und Katzen werden ausgesetzt, weil die Halter keinen Nachwuchs ihres Haustieres haben wollen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt fast 138'000 Hunde und Katzen in Spanien ausgesetzt und verlassen, berichten Tierschützer. Genau waren es 104'447 Hunde und 33'335 Katzen, die in Tierheime, öffentliche wie private, aufgenommen wurden. Das ist eine hohe Zahl, wenngleich sie im Vergleich zu früheren Jahren gesunken ist. Die Dunkelziffer ist hoch, denn nicht jeder ausgesetzte Vierbeiner wird gefunden und versorgt.

Nachwuchs? Aussetzen!

Als Hauptgründe für das Aussetzen von Tieren ist unerwünschter Nachwuchs von Hund oder Katze ermittelt worden mit etwa 15 Prozent, gefolgt von Verhaltensproblemen des Tieres. Und in 12 Prozent aller Fälle hatten laut den Erhebungen der Stiftung Affinity Frauchen oder Herrchen einfach nicht mehr genügend Geld, um ihren vierbeinigen Gefährten vernünftig ernähren zu können und setzen ihn deshalb einfach aus. In der Hoffnung, er würde ein besseres Zuhause finden.

Mikrochip nur selten verwendet

Unter den aufgegriffenen Tieren sind auch manche, die sich einfach verlaufen haben. Nur 16 Prozent konnten an ihre Besitzer zurückgegeben werden. 45 Prozent bekamen ein neues Heim durch Menschen, die sie im Tierheim sahen und adoptierten. Im vergangenen Jahr sind aber 14 Prozent der in den Tierheimen abgelieferten Hunde und Katzen dort geblieben, weil sie niemand haben wollte. 10 Prozent wurden eingeschläfert.

Eigentlich müssen in Spanien alle Hunde einen Mikrochip tragen, um Herkunft und Besitzer ermitteln zu können. Aber nur knapp ein Viertel der in den Tierheimen abgegebenen oder von Tierschützern aufgegriffenen Hunde hatte einen solchen Chip und gerade 3 Prozent der Katzen.

Beobachtungsbogen für Tankstellen

Sehr häufig werden die Haustiere in der Sommerzeit auf Rastplätzen und Tankstellen zurückgelassen. Die führende Tankstellenkette Repsol hat deshalb mit der Guardia Civil, die für den Verkehr auf den Strassen zuständig ist, einen Beobachtungsbogen ausgearbeitet. Der liegt seit vergangenem Sommer in allen Tankstellen und soll den Mitarbeitern dort helfen, die richtigen Informationen zu notieren, wenn sie das Aussetzen eines Tieres beobachten, oder nach dem Wegfahren eines Wagens ein Tier allein herumläuft. Werden die Verantwortlichen, oder besser Verantwortungslosen, ermittelt, so drohen ihnen nach den spanischen Gesetzen beträchtliche Geldstrafen oder Haft bis zu sechs Monaten.

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