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Verdächtiger gesteht Attentat in Frankreich

Der Hauptverdächtige im Attentat in der Nähe von Lyon hat seinen Mord gestanden. Er hatte den Manager einer Transportfirma enthauptet.

Geständnis: Der Attentäter hat in der Nähe von Lyon seinen Chef enthauptet. (27. Juni 2015)
Geständnis: Der Attentäter hat in der Nähe von Lyon seinen Chef enthauptet. (27. Juni 2015)
AFP

Der mutmassliche Attentäter Yassin Salhi habe zugegeben, den 54-jährigen Hervé Cornara vor dem Anschlag getötet und enthauptet zu haben, hiess es heute aus Ermittlerkreisen. Dabei habe er sich auch zu «einigen Elementen zu den Tatumständen» geäussert. Polizisten hatten nach dem Anschlag am Freitag den abgetrennten Kopf des Transportunternehmers am Zaun der Industrieanlage befestigt entdeckt, daneben zwei islamistische Flaggen.

Salhi soll am Freitagmorgen auf das Gelände der auf Gasprodukte spezialisierten Firma Air Products in Saint-Quentin-Fallavier nahe Lyon vorgedrungen sein und in einem Hangar voller Gasflaschen eine Explosion verursacht haben. Feuerwehrleute konnten den Mann in einem zweiten Hangar überwältigen, als er weitere Explosionen auslösen wollte. Anschliessend entdeckten Polizisten Cornaras abgetrennten Kopf sowie seine Leiche. Nach einer ersten Autopsie war unklar, ob der 54-Jährige bei lebendigem Leib enthauptet wurde oder schon vorher tot war.

Der mutmassliche Attentäter schwieg zunächst zu der Tat, am Samstagabend dann stellte er sich doch den Fragen der Ermittler. Yassine Salhi, der Verbindungen zu islamischen Extremisten hatte, wurde heute von der Polizei zu seinem Haus in Saint-Priest im Südosten des Landes gebracht, wie im französischen Fernsehen zu sehen war. Aus Sicherheitskreisen verlautete, Ziel sei es, den Pass des Mannes zu finden, um festzustellen, ob er ins Ausland gereist sei.

Waren Komplizen dabei?

Die Ermittler wollen nun vor allem herausfinden, ob der Attentäter Komplizen hatte. Darauf könnte ein makabres Foto Salhis mit dem abgetrennten Kopf seines Opfers hindeuten, das der 35-Jährige über den Chat-Dienst WhatsApp an eine kanadische Nummer verschickt worden. Der Teilnehmer hinter dieser Telefonnummer konnte zunächst nicht ermittelt werden.

Ausser Salhi wurden auch seine Ehefrau, seine Schwester und ein weiterer Mann festgenommen. Gegen letzteren wird wegen «Terrorvorwürfen» ermittelt, seine Verbindung zum Anschlag ist aber noch unklar. Bislang gibt es laut Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins keine Hinweise, dass Salhi einen Komplizen bei sich hatte.

Frankreichs Präsident François Hollande beriet gestern mit seinen zuständigen Ministern über die weiteren Konsequenzen des Anschlags. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst keine Jihadistengruppe – anders als bei den am selben Tag verübten Attentaten in Tunesien und Kuwait, zu denen sich die Miliz Islamischer Staat (IS) bekannte.

«Terroristische Bedrohung»

Premierminister Valls warnte vor einer «grossen terroristischen Bedrohung», deren Bekämpfung lange dauern werde. Die Frage sei nicht, ob es einen weiteren Anschlag geben werde, sondern «wann und wo». Seine Regierung sei dem Kampf gewachsen. Im Fernsehen sprach Valls erstmals von einem «Krieg der Zivilisation». Dabei handele es sich aber nicht um einen Krieg des Westens gegen den Islam, sondern um einen Kampf um die «universellen Werte des Humanismus».

Frankreich war bereits mehrfach Zielscheibe islamistischer Anschläge, zuletzt im Januar, als drei Islamisten bei Anschlägen auf die Satirezeitung «Charlie Hebdo», auf eine Polizistin und auf einen jüdischen Supermarkt im Grossraum Paris insgesamt 17 Menschen töteten. Hunderte Franzosen schlossen sich überdies den Jihadisten in Syrien und im Irak an.

Die wichtigsten Vertreter der Muslime in Frankreich riefen für 18 Uhr zu einer Trauerkundgebung vor der Moschee von Villefontaine unweit des Tatorts auf. Am Samstag war bereits bei mehreren Kundgebungen des Opfers Cornara gedacht worden. Er hinterlässt eine Frau und einen erwachsenen Sohn.

SDA/fal

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