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Was bringen Reiseverbote im Kampf gegen Ebola?

Die einen lassen am Flughafen Fieber messen, die anderen sagen Flüge ab: Ein Überblick zeigt, dass fast jedes Land anders mit der Bedrohung umgeht.

Nach Senegal ist nun auch Nigeria wieder ebolafrei: Ein Mitarbeiter probiert in Rodenrijs in den Niederlanden spezielle Kleidung an. (17. Oktober 2014)
Nach Senegal ist nun auch Nigeria wieder ebolafrei: Ein Mitarbeiter probiert in Rodenrijs in den Niederlanden spezielle Kleidung an. (17. Oktober 2014)
Keystone
Wollen Ebola-Kranke aufspüren: Zollbeamte am Internationalen Flughafen von Chicago. (16. Oktober 2014)
Wollen Ebola-Kranke aufspüren: Zollbeamte am Internationalen Flughafen von Chicago. (16. Oktober 2014)
Melissa Maraj/Zollbehörden/AP
Sie muss besonders auf der Hut sein: Krankenschwester in Liberia.
Sie muss besonders auf der Hut sein: Krankenschwester in Liberia.
Ahmed Jallanzo, Keystone
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Die ersten Ebola-Fälle ausserhalb Westafrikas haben die Frage aufgeworfen, ob Reiseverbote im Kampf gegen Ebola angezeigt wären. Ein Reiseverbot von und nach Westafrika, so die Befürworter, könnte eine einfache und zugleich clevere Antwort auf den Ebola-Ausbruch sein. Erste Länder griffen bereits zu dieser Massnahme, und gerade in den USA, wo sich zwei Krankenschwestern nach der Behandlung eines aus Westafrika eingereisten Mannes angesteckt haben, wird die Frage diskutiert.

Während vor allem die Republikaner danach rufen, hat US-Präsident Barack Obama in seiner wöchentlichen Videoansprache die Amerikaner ermahnt, angesichts der Epidemie in Westafrika nicht in Angst oder Hysterie zu verfallen. In den USA handle es sich auch nicht um einen «Ausbruch» oder eine «Epidemie», sondern lediglich um drei bekannte Fälle bei mehr als 300 Millionen Einwohnern. «Wir müssen das in der richtigen Perspektive sehen.» Jedes Jahr stürben Tausende Amerikaner an der Grippe. «Wir müssen uns von der Wissenschaft leiten lassen», betonte Obama.

Experten gegen Reiseverbot

Tatsächlich haben Experten ernste Zweifel an der Wirksamkeit eines Reiseverbotes. Ihrer Meinung nach könnte eine solche Massnahme gar das Gegenteil des Beabsichtigten bewirken.

Der Haupteinwand der Fachleute: Ein Reiseverbot könnte den in Westafrika dringend gebrauchten Nachschub an medizinischer Ausrüstung, medizinischem Personal und Lebensmitteln behindern. Ohne diese Hilfe wären vor allem die von Ebola besonders stark betroffenen Länder Sierra Leone, Guinea und Liberia noch machtloser gegen die Krankheit, an der bisher fast 4500 Menschen starben. Das tödliche Virus könnte sich dann erst recht über noch weitere Gebiete ausbreiten, und die Gefahr für die Welt nähme damit zu.

Zudem könnte ein Reiseverbot für Menschen aus den betroffenen westafrikanischen Ländern dazu führen, dass Passagiere versuchen, über ihre Reisen zu lügen oder Kontrollen auf Ebola-Symptome zu vermeiden, heisst es weiter.

Wie die Länder mit Ebola umgehen

Schweiz: Die Schweizer Flughäfen wollen bislang keine Temperaturmessungen bei ankommenden Passagieren durchführen, da keine Direktflüge aus Westafrika bestehen. Neu sollen jedoch an den Schweizer Flughäfen sowohl Fluggäste wie auch Flugpersonal besser informiert werden, was im Falle von auftretenden Krankheitssymptomen zu tun ist.

USA: Die USA führen unter anderem Screenings auf fünf Flughäfen durch, an denen 94 Prozent der Ankömmlinge in den USA aus Sierra Leone, Guinea und Liberia landen. Dazu gehören Temperaturmessungen bei den Passagieren.

Deutschland:Weder gibt es in Deutschland ein Flugverbot aus den betroffenen westafrikanischen Ländern noch Pläne, so etwas einzuführen. An den Flughäfen gibt es keine Kontrollen von ankommenden Passagieren. Wie in die USA gibt es auch nach Deutschland keine Direktflüge aus Liberia, Guinea und Sierra Leone.

Grossbritannien:Kein offizielles Verbot. British Airways stellte jedoch wegen des Ebola-Ausbruchs im August die Flüge aus Westafrika nach London-Heathrow ein. In Heathrow und bald auch an zwei weiteren Airports werden die Fluggäste überprüft.

Frankreich:Die französische Regierung rät von unnötigen Reisen nach Liberia, Guinea oder Sierra Leone ab. Air France stellte Flüge nach Sierra Leone ein, fliegt aber weiterhin einmal am Tag von der früheren Kolonie Guinea aus nach Paris. Ab diesem Wochenende werden die Körpertemperaturen der Passagiere aus Guinea gemessen.

Niederlande: Auch die Niederlande raten von Reisen nach Westafrika ab. Staatsbürger, die sich derzeit in den betroffenen Ländern befinden, werden zum Verlassen der Ebola-Gebiete aufgefordert. Es gibt weder Direktflüge noch zusätzliche Kontrollen am Amsterdamer Flughafen Schiphol. Auf Ebola weisen zumindest Informationsbroschüren hin.

Irland:Kein Verbot geplant, keine Überwachung an den Flughäfen. Ryanair fliegt lediglich nach Marokko, aber in kein akut betroffenes Land im Ebola-Gebiet.

Tschechien:Ab Dienstag müssen sich Fluggäste am Vaclav-Havel-Flughafen in Prag medizinischen Tests unterziehen, sollten sie in den vergangenen 42 Tagen in Liberia, Guinea oder Sierra Leone gewesen sein.

Albanien:Kein Reiseverbot.

Türkei:Intensivere Kontrollen von Passagieren aus Liberia undNigeria. Fluggäste mit hohem Fieber und anderen Symptomen kommen in Quarantäne. Bei sechs Verdachtsfällen stellte sich heraus, dass sie statt Ebola Malaria hatten.

Israel: Keine Direktflüge. Die Regierung plant jedoch, Reisende auf Verbindungsflügen aus Westafrika zu befragen, ob sie sich krank fühlen.

Ägypten: Nach Angaben von Flughafensprechern gibt es in Ägypten keine Reiseverbote.

Saudiarabien:Menschen aus Liberia, Guinea und Sierra Leone bekamen kein Visum, um für die islamische Pilgerfahrt Haddsch nach Mekka zu reisen. Das betrifft mehr als 7000 Reisende.

Vereinige Arabische Emirate: Die Fluglinie Emirates mit Sitz in Dubai stoppte seine Flüge nach Guinea im August. Am Dubai International Airport, einem der Hauptumschlagsplätze für Reisen in alle Welt, gibt es keine speziellen Ebola-Kontrollen.

Katar:Qatar Airways rät von Reisen nach Westafrika ab und fliegt selbst auch nicht dorthin.

AP/sda/mw

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