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Weitere Leichen vor Lampedusa geborgen

Drei Tage nach dem Untergang eines Flüchtlingsschiffs vor der italienischen Küste zogen Taucher weitere Leichen aus dem Wasser. Die Zahl der Toten steigt auf über 190.

Bis zu 300 Menschen starben, als ihr Flüchtlingsboot vor der italienischen Insel Lampedusa sankt: Das Wrack des Schiffs auf dem Meeresgrund. (4. Oktober 2013)
Bis zu 300 Menschen starben, als ihr Flüchtlingsboot vor der italienischen Insel Lampedusa sankt: Das Wrack des Schiffs auf dem Meeresgrund. (4. Oktober 2013)
Keystone
Verhaftet: Der mutmassliche Schlepper Mohammed Elim Muhidin auf dem Flughafen von Palermo. (7. November 2013)
Verhaftet: Der mutmassliche Schlepper Mohammed Elim Muhidin auf dem Flughafen von Palermo. (7. November 2013)
AP/Polizei
Insgesamt befanden sich rund 500 Migranten auf dem Schiff. Viele der Flüchtlinge stammen aus Eritrea. (3. Oktober 2013)
Insgesamt befanden sich rund 500 Migranten auf dem Schiff. Viele der Flüchtlinge stammen aus Eritrea. (3. Oktober 2013)
AFP
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Taucher haben weitere Opfer der Flüchtlingstragödie vor der italienischen Insel Lampedusa geborgen. Insgesamt seien am Sonntag 83 Leichen an die Wasseroberfläche gebracht worden, meldete die Nachrichtenagentur Ansa am Abend unter Berufung auf die Rettungskräfte. Die Zahl der geborgenen Opfer stieg damit auf 194. Da die genaue Zahl der Passagiere nicht bekannt ist, gehen die Behörden davon aus, dass zwischen 320 und 360 Flüchtlinge bei dem Unglück ums Leben kamen.

Die in Afrika geborene Integrationsministerin Cécile Kyenge sah am Sonntag dabei zu, wie die Leichen afrikanischer Flüchtlinge von Booten auf Fahrzeuge geladen wurden, um sie in eine provisorische Leichenhalle in einem Flughafen zu bringen. Sie sprach von «schwierigen Momenten, die uns dazu bringen, uns unserer Verantwortung zu stellen». Die Zeit für Einkehr sei gekommen, «um neue Tragödien zu verhindern», sagte Kyenge.

Italien könne mit dieser Flüchtlingstragödie nicht alleine umgehen, sagte sie weiter, «aber zusammen mit Europa». Man müsse den Menschen, die auf Schutz angewiesen seien und auf der Suche nach Hilfe nach Europa kämen, Antworten geben. Auch der französische Aussenminister Laurent Fabius betonte, dass Europa sich gemeinsam des Flüchtlingsdramas annehmen müsste. Sein Land und Italien hätten deshalb beantragt, das Thema beim Gipfel der EU-Innenminister am Dienstag auf die Tagesordnung zu heben. Für den Mittwoch sagte sich EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zu einem Besuch in Lampedusa.

Kyenge besuchte dort Überlebende des Schiffsunglücks in einem örtlichen Flüchtlingszentrum. Die Bedingungen dort seien beschämend, kritisierte sie. Die meisten der 155 Überlebenden befinden sich noch immer in dem überfüllten Lager, viele von ihnen müssen im Freien schlafen.

Das Schiff mit rund 500 Flüchtlingen, überwiegend aus Eritrea, war am Donnerstag vor Lampedusa gekentert. Mehr als 200 Menschen gelten noch als vermisst. Bis zum Nachmittag wurden 127 Leichen geborgen, 155 Schiffsinsassen überlebten das Unglück.

Stofftiere auf Särgen

Särge mit den Leichen der afrikanischen Flüchtlinge wurden in einem Flughafenhangar aneinandergereiht. Überlebende der Havarie ehrten dort gestern Samstag die Opfer. Auf fast allen Särgen lag eine Rose. Auf den vier Särgen der jüngsten Opfer waren Stofftiere abgelegt worden. Zuvor hatten Fischer der Opfer des Unglücks vor der Küste gedacht. Eine kleine Flotte von etwa zehn Fischerbooten fuhr gestern hinaus zum Ort des Geschehens und ehrte die Toten mit einem Strauss gelber Blumen und einem Ertönen ihrer Nebelhörner.

Berichte über ein Boot, das die in Seenot geratenen Flüchtlinge ignoriert haben könnte, haben zu einer internationalen Debatte geführt. Es ist aber nicht erwiesen, ob das fragliche Schiff bewusst eine Hilfeleistung unterliess oder ob es die Flüchtlinge gar nicht gesehen hatte. Vor allem die Fischer vor Ort waren entrüstet. «Das ist das Gesetz der See», sagte Vito Fiorino, der 47 Menschen aus dem Meer rettete. «Wenn man jemanden in Not findet, muss man sofort helfen. Wie könnte man sich wegdrehen?»

Es sei Pflicht, jemandem zu Hilfe zu kommen, sagte auch die Präsidentin der italienischen Abgeordnetenkammer und frühere Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks in Italien, Laura Boldrini, nach einem Besuch bei den Überlebenden der Flüchtlingskatastrophe auf Lampedusa. «Nicht zu Hilfe zu kommen, ist ein Verbrechen.» Das nicht hochseetaugliche, rund 20 Meter lange Boot mit den Flüchtlingen an Bord war in Libyen in See gestochen und sollte die Menschen nach Europa bringen. Es ging unter, nachdem ein Feuer an Bord angezündet worden war, um Hilfe herbeizurufen.

SDA/ami/chk

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