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WM-Aus kostet Italien Millionen

Das Ausscheiden der Italiener bei der WM 2018 ist nicht nur ein sportliches Drama. Schon ziehen sich Sponsoren zurück, es gibt Einbussen beim Handel mit TV-Rechten. Die Aktie der grössten Sportzeitung bricht ein.

Tifosi fordern: Nationaltrainer Gian Piero Ventura soll abtreten, Goalie-Legende Gianluigi Buffon übernehmen.
Tifosi fordern: Nationaltrainer Gian Piero Ventura soll abtreten, Goalie-Legende Gianluigi Buffon übernehmen.
Keystone

Auch am zweiten Tag nach dem dramatischen Ausscheiden der Squadra azzurra von der Endrunde der Fussballweltmeisterschaft beherrschen die Schlagzeilen dazu die italienische Presse. Rücktritte des Cheftrainers und des Fussballverbandsvorsitzenden werden gefordert, neue Namen bereits gehandelt: Rekordtorhüter Gigi Buffon soll Nachfolger des Unglückstrainers Gian Piero Ventura werden.

«Gazzetta» verliert an Wert

Doch zunehmend wird auch die Frage gestellt: Wer soll das alles bezahlen? Denn das torlose Unentschieden von San Siro kostete nicht nur die Azzurri die Fahrkarte nach Russland, sondern auch die italienische Wirtschaft eine schöne Summe Geld. So fiel zum Beispiel die Aktie des Medienimperiums RCS, zu dem die grösste Sportzeitung «La Gazzetta dello Sport» gehört, am Tag nach dem Niedergang um 8,25 Prozent auf 1,12 Euro und musste zeitweise sogar vom Markt genommen werden.

Verluste für Fussballverband

Das verpasste Ticket wird den ­italienischen Fussballverband ­etliche Millionen kosten. Die Weltmeisterschaft 2018 in Russland soll finanzielle Aufwendungen in Höhe von 790 Millionen US-Dollar sehen. In Brasilien waren es noch 576 Millionen Dollar. Etwa 400 Millionen dieser Summe sind für Gra­tifikationen der 32 teilnehmenden Mannschaften gedacht. Schon die 16 aus der Erstrunde in Russland ausscheidenden Mannschaften erhalten je 8 Millionen Dollar.

Die Finalisten hingegen können mit einer Zahlung von etwa 70 Millionen Dollar rechnen. Gelder, die aus Werbeverträgen, Fernsehrechten und Sponsorings zusammenkommen.

Verluste auch beim Fernsehen

Nicht nur, dass diese hypothetische Summe den Italienern – für den Fall, sie hätten den kommenden WM-Final erreicht – verloren geht, auch im Inland wird das Ausscheiden deutliche Folgen haben. Voraussichtlich wird der nationale Fussballverband FIGC Werbeeinnahmen in erheblicher Höhe verlieren.

Ein Vertrag mit der Gruppe Infront sah für eine vierjährige Periode eine jährliche Zahlung von 14,25 Millionen Dollar vor, dazu sollte FIGC vom Hauptausrüster der Mannschaft Puma bis 2022 – der WM in Katar – jährlich 18,7 Millionen kassieren. Derzeit sind zudem noch 21 weitere Sponsoren bis 2022 involviert, von denen etliche nach dem Debakel abspringen dürften.

Mühevoll hatte das staatliche Fernsehen RAI die Übertragungsrechte vom Privatanbieter Sky zurückgewinnen können, wenngleich im Tausch gegen die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele. Man erhoffte sich erhebliche Werbeeinnahmen, denn zur WM 2014 sahen in Italien durchschnittlich 8 Millionen Zuschauer die Qualifikationsspiele und schliesslich je 17,7 Millionen die Spiele der Endrunde. Summarisch aufgelistet nahmen 1,2 Milliarden Zuschauer für 42 Stunden am Fernsehspektakel Fussballweltmeisterschaft teil – eine enorme Werbezielgruppe und entsprechend honoriert. Dieser Anteil dürfte sich nun deutlich vermindern.

Fussball im Niedergang

Das Debakel der Nationalelf kündigte sich bereits im nationalen Fussball an. Die Vereine von Serie A bis zum Amateurfussball be­finden sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Drei Erstligaklubs (AS Rom, Inter und AC Mailand) sind inzwischen in amerikanischem oder chinesischem Besitz.

Auf allen Ebenen wirkt die Mafia im Fussball mit und wäscht in den Vereinen schmutziges Geld. Damit werden mit riesigen Summen ausländische Stars eingekauft, während die eigene Nachwuchsförderung jedoch vernachlässigt wird. So steht Serienmeister Juventus Turin im Verdacht, mit der ’Ndrangheta Geschäfte zu machen, der gegenwärtige Tabellenführer SSC Neapel hingegen soll mit der Camorra im Geschäft sein. Hinzu kommt, dass nationalistische und rassistische Aktionen der «Ultras» in den Stadien zu einem starken Rückgang der Besucherzahlen führten. Auch hier bahnt sich ein wirtschaftliches Debakel an.

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