Zehn Verdächtige nach Mord an Journalistin festgenommen

Am 16. Oktober explodierte am Auto von Daphne Caruana Galizia eine Bombe. Jetzt meldet die Justiz erste Festnahmen.

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Sieben Wochen nach der Ermordung der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta sind zehn Verdächtige festgenommen worden. Die Festnahmen seien auf einen «begründeten Verdacht» hin erfolgt, einige der Verdächtigen seien polizeibekannt, erklärte Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der Anschlag auf die 53-jährige Caruana Galizia am 16. Oktober hatte ein Schlaglicht auf die Korruption auf Malta geworfen und weltweit für Entsetzen gesorgt.

Regierungschef Muscat teilte nicht mit, ob es sich bei den Festgenommenen um direkt Tatverdächtige oder mutmassliche Hintermänner handelte. Auch ihre Motivlage blieb vorerst unklar. Bei mindestens acht der Verdächtigen handelt es sich den Angaben zufolge um maltesische Staatsbürger.

Die Festnahmen erfolgten nach Angaben des Ministerpräsidenten in einem gemeinsamen Einsatz von Polizei, Armee und Staatsschutz. Muscat zeigte sich entschlossen, «keinen Stein unumgedreht zu lassen», um den Fall zu lösen. Der Ministerpräsident steht in dem Fall unter politischem Druck: Nach der Ermordung von Caruana Galizia hatte ihr Sohn Muscats Regierung eine Mitschuld an dem Anschlag gegeben.

Video: Autobombe tötet Journalistin

Mitte Oktober wurde die Journalistin Daphne Caruana Galizia in ihrem Fahrzeug ermordet.

Caruana Galizia hatte mehrfach Korruptionsvorwürfe gegen Vertraute des Mitte-links-Politikers erhoben. Mit ihren Enthüllungen hatte die 53-jährige Journalistin unter anderem für vorgezogene Neuwahlen auf Malta gesorgt. Das Magazin «Politico» hatte die Journalistin als «ein ganzes Wikileaks in einer einzigen Frau» bezeichnet. Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, versprach eine Belohnung von 20'000 Euro für Informationen, die zur Überführung der Mörder führten.

Eine Million Euro Belohnung

Malta sucht nach den Mördern, ganz Europa sucht nach den Mördern, sogar das FBI sucht mit. Und Premierminister Joseph Muscat will, so hat er das gesagt, «vor niemandem und nichts haltmachen, um die Wahrheit zu finden».

Eine Million Euro Belohnung gibt es für Hinweise, und aus Ermittlungskreisen wird schon mal eine heisse Spur geleakt: Hinter dem Mord könnte jenes kriminelle Netzwerk stecken, das libysches Öl nach Sizilien schmuggelt.

Daphne Caruana Galizia hatte auch darüber berichtet. Hatte sie neues Material, das sie veröffentlichen wollte? Eine Bombe am Auto ist jedenfalls ein «metodo mafioso». Fünf solcher Anschläge wurden in den letzten zwei Jahren auf Malta verübt, keiner wurde aufgeklärt. Drei galten Gestalten aus der maltesischen Unterwelt, Schmuggel, Drogen, Prostitution, bei zweien dieser Anschläge sind Geschäftsleute ums Leben gekommen.

Update folgt.

AFP/sda

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