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Zu Guttenberg gerät wegen «Bauernopfer» in die Kritik

Der deutsche Verteidigungsminister hat den Kapitän des Schulschiffs Gorch Fock abgesetzt – bevor die Vorwürfe gegen den Mann geprüft worden waren.

Wurde für sein entschlossenes Handeln gelobt: Karl-Theodor zu Guttenberg.
Wurde für sein entschlossenes Handeln gelobt: Karl-Theodor zu Guttenberg.
Keystone

«Es reicht!» Mit diesen Worten soll Karl-Theodor zu Guttenberg in der Nacht auf Samstag zum Donnerschlag ausgeholt haben. Nach tagelangen Gerüchten über Schikanen und Quälereien an Bord des Schulungsschiffs Gorch Fock setzte der Verteidigungsminister Kapitän Norbert Schatz ab. Das elegante Segelschiff, das derzeit in einem argentinischen Hafen liegt, muss unverzüglich nach Deutschland zurückkehren – auslaufen darf es dann bis auf weiteres nicht mehr.

«Entschlossene Handeln»

Die zahlreichen Fans des Ministers applaudierten lautstark und lobten das «entschlossene Handeln». Die konservative Springer-Presse jubelte über Guttenbergs «Gegenoffensive». Bei der Truppe ist der Coup des Ministers jedoch nicht gut angekommen. Die Vorwürfe gegen die Führung der Gorch Fock seien schwerwiegend, gesteht man bei der Marine ein. «Aber wozu schickt man ein Team, das ermitteln soll, und wartet nicht einmal dessen Arbeit ab?», zitiert «Spiegel online» einen Offizier. Ein anderer hochrangiger Militär schimpft: «Wie es aussieht, will Guttenberg sich selbst aus der Schusslinie nehmen – gerade jetzt, in diesem Superwahljahr.» Viele in der Bundeswehr empfinden offenbar so: Der abgesetzte Gorch-FockKommandant sei ein «Bauernopfer», der für Guttenberg den Kopf hinhalten müsse.

Der Minister war in den letzten Tagen wegen gleich zwei Vorfällen unter Druck geraten. Auf der Gorch Fock war im November eine 25-jährige Offiziersanwärterin von einem Masten zu Tode gestürzt. Darauf kam es offenbar zu Unruhen auf dem Schiff. Mitglieder der Besatzung beschwerten sich über ein hartes Regime, es soll auch zu sexueller Belästigung gekommen sein. Tragisch auch der Tod eines deutschen Soldaten in Afghanistan. Der 21-jährige Hauptgefreite war Mitte Dezember ums Leben gekommen, weil sich eine Kugel löste, als ein Kamerad zum Spass mit seiner Pistole vor dem Gesicht des Opfers fuchtelte.

Das Vorgehen hat Methode

Beide Vorfälle sind bis heute nicht endgültig untersucht. Dass zu Guttenberg dennoch vorprescht, bring ihm jetzt Kritik ein. Zumal die schnelle Entlassung von Untergebenen beim Minister Methode hat. Auch in der Affäre um einen blutigen Bombenangriff im afghanischen Kundus hatte Guttenberg nach Ungereimtheiten schnell Konsequenzen gezogen und den damaligen Armeechef sowie einen anderen hohen Mitarbeiter suspendiert. Der Vorwurf an die beiden: Sie hätten den Ressortchef nicht ausreichend über den Vorfall informiert. Guttenbergs demonstrative Entschlossenheit ist damals positiv aufgenommen worden – zumal sie einherging mit dem Versprechen, die Informationsflüsse in der Bundeswehr zu verbessern. Dies ist jedoch nach Ansicht von Oppositionspolitikern bis heute nicht geschehen. Insbesondere im Fall des in Afghanistan erschossenen Soldaten wurde längere Zeit die beschönigende Version verbreitet, der Unfall sei beim Reinigen von Waffen passiert.

Zu Guttenberg hat viele Feinde. Der reiche Baron ist innert zweier Jahre zum beliebtesten Politiker Deutschlands aufgestiegen. Das missfällt nicht nur der Opposition. Auch im eigenen Lager, insbesondere beim Koalitionspartner FDP, beäugen viele den bayrischen Superstar misstrauisch. Aussenminister Guido Westerwelle etwa lieferte sich erst jüngst ein wochenlanges Gerangel mit Guttenberg. Vordergründig ging es um ein Datum für den Beginn des Abzugs der Bundeswehr aus Afghanistan. Eigentlich stritten sich die beiden jedoch darum, wer in der Aussen- und der Sicherheitspolitik das Sagen hat.

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