Zwischen den Fronten

Mustafa Akinci, Präsident der türkischen Zyprioten, setzt sich für Frieden ein – und wird von der Türkei gebremst.

1999 wurde er Vizepremier, aber schon 2001 wieder aus dem Amt gedrängt: Mustafa Akinci. (Foto: Reuters)

1999 wurde er Vizepremier, aber schon 2001 wieder aus dem Amt gedrängt: Mustafa Akinci. (Foto: Reuters)

Christiane Schlötzer@schloetzer

Ein weisses Tischtuch, Blumenschmuck, Kaffeetassen und im Hintergrund die blaue Fahne der Vereinten Nationen. Den Tisch hatte die UNO-Sondergesandte für Zypern, Elizabeth Spehar, am Freitag decken lassen, für zwei Männer, auf denen wieder einmal viele Hoffnungen ruhen: Nikos Anastasiadis, Präsident der Republik Zypern, der die Inselgriechen vertritt, und Mustafa Akinci, Präsident der türkischen Zyprioten.

Seit 45 Jahren ist Zypern geteilt, und es gab so viele vergebliche Wiedervereinigungsversuche, so viele Konferenzen, gescheiterte Gipfeltreffen, verworfene Friedenspläne, dass man sie schon gar nicht mehr zählen kann. Jetzt sollen es die zwei noch einmal probieren, und man kann schon so viel sagen: Sie könnten das beste Team sein, das es je gab, aber das ist leider keine Garantie für einen Erfolg.

Auch wenn sie beide als Befürworter eines Friedens gelten, ist die Lage Akincis doch deutlich schwieriger. Anastasiadis vertritt ein EU-Land, sein Gegenüber aber einen Staat, den es eigentlich gar nicht gibt, er wird nur von der Türkei anerkannt. Daraus leitet die Regierung in Ankara auch einen Mitbestimmungsanspruch im türkischen Inselteil ab, der ziemlich allumfassend ist. Mindestens 30'000 türkische Soldaten im Norden der Insel unterstreichen diesen Anspruch.

Türkei soll selbst Feuerwehr und Polizei kontrollieren

Akinci ist 71 Jahre alt. Den Ruf als Versöhner hat er sich schon mit 28 Jahren erworben, als er Bürgermeister des türkischen Teils der geteilten Hauptstadt Nikosia wurde. Damals gab es nicht einmal Telefonverbindungen in den anderen Inselteil, über Mauern und Stacheldraht hinweg. Akinci, von Beruf Architekt, aber schaffte es, mit seinem griechischzypriotischen Kollegen die Abwasserkanäle der geteilten Metropole zu einem Netz zu verbinden.

14 Jahre blieb Akinci Bürgermeister. 1999 wurde er Vizepremier, aber schon 2001 wieder aus dem Amt gedrängt. Er hatte kritisiert, dass die Türkei selbst Feuerwehr und Polizei kontrolliere. Von einem türkischen General musste sich der Sozialdemokrat damals sagen lassen, ein Mann wie er sei eine Bedrohung für Zypern. Akinci gab nicht auf, gründete seine eigene «Bewegung für Frieden und Demokratie». 2004 schien schon wieder alle Hoffnung dahin. In einer Volksabstimmung lehnten drei Viertel der Zyperngriechen einen UNO-Vereinigungsplan ab, zwei Drittel der Inseltürken befürworteten ihn. Danach nahm die Abhängigkeit des türkischen Nordens von Ankara noch weiter zu. Akinci aber blieb auf seinem Kurs, und 2015 wurde er Präsident.

Derzeit macht es Ankara ihm wieder nicht gerade einfach. Die Türkei lässt vor Zypern nach Gas suchen. Das machen auch die Griechischzyprioten. Die EU sieht den Provokateur in der Türkei, und Akinci versucht aus seiner Sandwichposition das Beste zu machen. Er hat ein gemeinsames Komitee vorgeschlagen, das sich der komplexen Gasfrage annehmen soll. Die griechische Seite hat sofort abgelehnt.

Akinci wurde 1947 in Limassol geboren, das liegt heute auf der griechischen Seite der Demarkationslinie. Nach den Treffen am Freitag forderte Anastasiadis von der Türkei «guten Willen». Akinci musste er darum nicht bitten, der hat ihn.

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