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150'000 saudische Soldaten für Intervention im Jemen

Saudische Kampfjets haben Stellungen der Huthi-Miliz im Jemen bombardiert. Riad will die legitime Regierung stützen – die USA befürworten den Einsatz, Kritik kommt vom Iran.

Saudiarabien und neun Bündnisländer wollen den rasanten Vormarsch der Huthi-Rebellen mit militärischen Mitteln stoppen. Saudische Kampfjets bombardierten in der Nacht bereits Stellungen der schiitischen Huthi-Miliz – mit ersten Erfolgen: Truppen von Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi haben nach Angaben örtlicher Behörden den Flughafen von Aden zurückerobert. Sie hätten sich zuvor heftige Kämpfe mit Verbündeten der schiitischen Huthi-Rebellen geliefert, sagte ein Behördenvertreter.

Kritik an der Unterstützung des Jemen durch Saudiarabien kommt vom Iran. Das Aussenministerium in Teheran habe den Militäreinsatz scharf kritisiert, berichteten staatliche Medien. Weitere Details wurden nicht genannt. Zuvor hatte es im iranischen Fernsehen geheissen, der Militäreinsatz Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten im Golf sei eine «von den USA unterstützte Aggression». Der Iran hat sich im Konflikt offiziell neutral gezeigt und für eine friedliche Lösung plädiert.

Um Mitternacht begonnen

Es seien Ziele in der Hauptstadt Sanaa und an anderen Orten des Landes angegriffen worden, sagte der saudische Botschafter in Washington, Adel al-Dschabir, am Mittwochabend vor Journalisten. Die jemenitische Nachrichtenseite «Al-Masdar Online» berichtet, die Angriffe hätten um Mitternacht begonnen.

Der saudische Botschafter in Washington, Adel al-Dschabir. (Bild: Keystone)
Der saudische Botschafter in Washington, Adel al-Dschabir. (Bild: Keystone)

Saudiarabien wolle 150'000 Soldaten und 100 Flugzeuge für die Bekämpfung der Huthi bereitstellen, berichtet der saudische Sender Al-Arabiya. Neben Saudiarabien beteiligten sich zunächst die Golfstaaten Bahrain, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). In einer gemeinsamen Erklärung hiess es, die Militärintervention unter dem Titel «Sturm der Entschlossenheit» gegen die Huthi-Miliz sei auf Bitten des jemenitischen Präsidenten Abd Rabbuh Mansur al-Hadi erfolgt.

Explosionen in Sanaa

Ägypten erklärte, es leiste politische und militärische Unterstützung für das Vorgehen Saudiarabiens. Aussenminister Samih Schukri sagte, Ägypten bereite eine Beteiligung der Luftwaffe und der Marine an dem Einsatz vor und «auch von Bodenkräften, wenn es nötig sein sollte».

Die USA leisten logistische und geheimdienstliche Hilfe, beteiligen sich aber nicht direkt an der Militäroffensive gegen die Huthis.

Aus Sanaa meldete ein AP-Reporter am Abend laute Explosionen. Feuer- und Rauchsäulen erhellten den Nachthimmel. Die Huthi-Aufständischen meldeten saudiarabische Luftangriffe auf eine als Al-Duleimi bekannte Militärbasis in der Hauptstadt. In einer Reaktion hätten sie Flugabwehrraketen abgefeuert.

Legitime Regierung schützen

Ziel der Operation ist laut der Koalition der Schutz der legitimen Regierung Jemens vor einer Übernahme durch die Huthi-Rebellen. Zuvor hatte der von den Huthis in der südjemenitischen Hafenstadt Aden bedrängte Präsident Hadi das Ausland dringend um ein militärisches Eingreifen aufgefordert.

Als die Huthi-Kämpfer schon die Aussenbezirke der Stadt erreichten, verschwand Hadi aus seinem Anwesen und tauchte unter. Kurz darauf drangen Plünderer in das Gebäude ein. Um den Flughafen der Stadt wurde gekämpft. Wo sich der Präsident aufhielt, wollte der Botschafter nicht sagen.

Warnung vor «Regionalkrieg»

Ein Sprecher der Huthis bezeichnete die saudischen Angriffe als Kriegserklärung. Damit könne sich der Konflikt im Jemen zu einem Regionalkrieg auswachsen, warnte der Sprecher gegenüber dem arabischen Nachrichtensender al-Jazeera.

Die USA unterstützen Saudiarabiens Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen im Jemen logistisch. Präsident Barack Obama habe eine entsprechende Erlaubnis erteilt, teilte das Weisse Haus mit. Demnach bekommt Riad zudem geheimdienstliche Unterstützung aus den Vereinigten Staaten. Eine direkte US-Beteiligung an den Militäraktionen werde es nicht geben, stellte die Nationale Sicherheitsberaterin Bernadette Meehan klar. Man habe sich aber mit den Saudiarabern abgestimmt.

Die schiitischen Huthis beherrschen seit Monaten grosse Teile des Nordjemens sowie die Hauptstadt Sanaa. In den vergangenen Tagen drangen sie auch in den Süden des Landes vor. Sie sollen Unterstützung aus dem ebenfalls schiitischen Iran erhalten. Eine Reaktion des Iran gab es zunächst nicht.

Die sunnitischen Saudis unterstützten die Gegner der Irans. Erst vor vier Tagen hatten die USA aus Sicherheitsgründen eigene, bei Aden stationierte Soldaten abgezogen. Sie hatten die von den Huthis eroberte Luftwaffenbasis Al-Anad als Drohnen-Stützpunkt im Anti-Terror-Kampf genutzt. US-Soldaten trainierten dort zudem jemenitische Spezialeinheiten.

sda/AP/chk

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