Al-Sisi mit 97 Prozent der Stimmen wiedergewählt

Ägyptens Machthaber al-Sisi ist fast einstimmig bestätigt worden. Das Ergebnis ist zu gut, um wahr zu sein – aber nicht makellos.

Eine ägyptische Fraue tunkt ihren Finger in den Wahlzettel in die Wahltinte in einem Wahllokal in Cairo. (28. März 2018)

Eine ägyptische Fraue tunkt ihren Finger in den Wahlzettel in die Wahltinte in einem Wahllokal in Cairo. (28. März 2018)

(Bild: Keystone Nariman El-Mofty/AP)

Ägyptens autoritäres Staatsoberhaupt Abdel Fattah al-Sisi ist bei der gelenkten Präsidentenwahl in dem nordafrikanischen Land mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt worden. 97,08 Prozent der gültigen Stimmen entfielen laut der staatlichen Wahlbehörde auf Al-Sisi.

Der Sieg von Amtsinhaber al-Sisi stand bei der international kritisierten Wahl von vornherein fest. Alle potenziellen Oppositionskandidaten waren verhaftet worden oder hatten ihre Bewerbung zurückgezogen. Der einzige weitere Kandidat, der weitgehend unbekannte Politiker Mussa Mostafa Mussa, hatte sich als Anhänger des Präsidenten zu erkennen gegeben. Er kam laut den Angaben vom Montag auf 2,92 Prozent der Stimmen.

Am Donnerstag hatten die staatlichen Medien al-Sisis Stimmanteil noch mit 92 Prozent angegeben. Die staatliche Zeitung «Al-Ahram» erklärte am Freitag nicht, warum sich das Ergebnis auf 96,9 Prozent erhöhte.

Wiederwahl mit Makel: Tiefe Wahlbeteiligung

Das Augenmerk richtete sich vor allem auf die Wahlbeteiligung, die als Indiz für den Rückhalt des seit 2014 amtierenden Ex-Generals in der Bevölkerung gilt. Trotz ständiger Wahlaufrufe von Behördenseite und kostenlosem Essen in einigen Wahllokalen gaben laut staatlichen Medien nur etwa 25 Millionen der 60 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Davon hätten etwa zwei Millionen ihre Wahlzettel ungültig gemacht, indem sie Namen von Kandidaten notierten, die nicht zugelassen waren, berichtete «Al-Ahram».

Al-Sisi hatte auch schon die Präsidentenwahl 2014 mit knapp 97 Prozent der Stimmen gewonnen. Da die Beteiligung damals zunächst nur bei 37 Prozent lag, fügten die Behörden kurzerhand einen dritten Wahltag an, sodass die Quote letztlich auf 47,5 Prozent stieg.

Bei der aktuellen Wahl hatte die nationale Wahlbehörde am letzten Tag der Abstimmung Nichtwählern mit Geldstrafen von 23 Euro gedroht. Die dreitägige Wahl verlief ohne grössere Zwischenfälle und unter hohem Sicherheitsschutz, nachdem bei einem Attentat in Alexandria am vergangenen Samstag zwei Polizisten getötet worden waren.

Repressiver als Mubarak?

Al-Sisi hatte nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2013 die Macht in Ägypten übernommen und wurde 2014 erstmals zum Präsidenten gewählt. Viele Ägypter sehen in ihm den «starken Mann», der dem Chaos nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak im Jahr 2011 ein Ende setzte.

Menschenrechtsgruppen werfen al-Sisi vor, dass seine Herrschaft mittlerweile repressiver sei als die von Mubarak. Dies und die anhaltende Wirtschaftskrise samt erheblichen Preissteigerungen schaden dem Ansehen des Staatschefs, der wirtschaftliche Stabilität versprochen hatte.

mch/sda

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