Zum Hauptinhalt springen

Behörden finden die Leichen von 1700 Häftlingen

Die neue libysche Führung hat in der Nähe von Tripolis ein Massengrab entdeckt. Bei den Toten soll es sich um Insassen des berüchtigten Gefängnis Abu Salim handeln. In Sirte gehen derweil die Gefechte weiter.

Schrecklicher Fund: Ein Mann hat in der Nähe von Tripolis Knochen von Gefängnisinsassen ausgegraben. (25. September 2011)
Schrecklicher Fund: Ein Mann hat in der Nähe von Tripolis Knochen von Gefängnisinsassen ausgegraben. (25. September 2011)
Reuters

In der libyschen Hauptstadt Tripolis ist ein Massengrab mit den Überresten von mehr als 1700 Opfern entdeckt worden. Bei den Toten handelte es sich um Opfer des Massakers im berüchtigten Gefängnis von Abu Salim im Jahr 1996, wie der Militärrat der neuen libyschen Führung mitteilte. «Wir haben den Ort entdeckt, wo all diese Märtyrer begraben wurden», sagte der Sprecher des Militärrates, Chaled Sherif. Es gebe Beweise dafür, dass sie Opfer eines Verbrechens wurden. Mehrere Menschenrechtsorganisationen hatten in der Vergangenheit das Massaker im Gefängnis von Abu Salim angeprangert, in dem vor allem politische Gegner des Machthabers Muammar al-Ghadhafi inhaftiert waren. Mehrere hundert Häftlinge wurden demnach damals getötet, nachdem es eine Gefängnismeuterei gegeben hatte.

Militärratssprecher Sherif sagte, ein Expertenteam sei mit der Identifizierung der Opfer beauftragt worden, doch werde dies Zeit in Anspruch nehmen. Die Leichen seien mit Säure übergossen worden, «um jeden Beweis für das Massaker zu vernichten». Ein Mitglied des Teams, Salim al Fardschani, rief internationale Organisationen auf, bei der Identifizierung der mehr als 1700 Opfer zu helfen.

Das Massaker von Abu Salim hat indirekt mit dem Beginn des Volksaufstandes gegen Ghadhafi im Februar zu tun. Die ersten Aufrufe zu Protestkundgebungen in der Hafenstadt Benghazi kamen von Angehörigen der Opfer, die sich gegen die Inhaftierung eines ihrer Anwälte wehren wollten.

Kampf um Sirte verschärft sich

In Libyen dauert der Kampf um die symbolträchtige Küstenstadt Sirte an. Nato-Flugzeuge griffen am Sonntag den Geburtsort des langjährigen Ex-Machthabers Muammar al- al-Ghadhafi an, um den Kämpfern der Übergangsregierung NTC am Boden den Weg zu ebnen.

Sie trafen dort auf so heftigen Widerstand der Ghadhafi-Anhänger, dass sie sich am Samstag aus Sirte wieder zurückziehen mussten. Ein Sprecher der Übergangsregierung erklärte, ihre Kräfte hätten Sirte am Samstag von zwei Seiten angegriffen. «Das heisst nicht, dass Sirte schon befreit ist, ist aber ein Zeichen, dass Sirte bald frei sein wird.»

Die Einnahme der Stadt würde den Ruf der Übergangsregierung festigen und zugleich einen schweren Rückschlag für Ghadhafi bedeuten. NTC-Kämpfer warfen Gaddafis Gefolgsleuten vor, die Flucht von Einwohnern Sirtes zu verhindern. Die Menschen würden als Schutzschilde missbraucht.

Aus Algerien zurückgekehrt

Die Gefolgsleute des gestürzten Herrschers bewiesen auch an der Grenze zu Algerien ihre Schlagkraft und griffen die Wüstenoase Ghadames an. Sie waren nach Angaben der NTC-Streitkräfte aus Algerien zurückgekehrt.

Schon seit mehreren Tagen hätten bewaffnete Männer in mit Waffen beladenen Autos die Grenze überquert, sagte ein Sprecher der NTC- Streitkräfte. Die Angreifer gehörten einer Einheit an, die früher unter dem Kommando von Gaddafis Sohn Chamis gestanden habe. Nach Darstellung der Übergangsregierung wurden die Angreifer aber zurückgeschlagen.

Rüffel für Ghadhafi-Tochter

Unterdessen geriet Aischa al-Ghadhafi, die im algerischen Exil lebende Tochter des libyschen Ex-Diktators, mit öffentlichen Sympathiebekundungen für ihren Vater in Schwierigkeiten. Diese Äusserungen seien «völlig inakzeptabel», wetterte der algerische Aussenminister Mourad Medelci. Seine Regierung werde Massnahmen ergreifen, um ähnliche Interviews künftig zu verhindern, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur APS.

Die Ghadhafi-Tochter hatte in einer Radiobotschaft am Wochenende betont, ihr Vater sei bester Stimmung und zum Kampf entschlossen. Die neue Führung in Libyen bezeichnete sie in dem aus Damaskus sendenden Pro-Ghadhafi-Sender Al-Rai als Verräter.

dapd/kpn

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch