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Ben Alis geheimer Tunnel und die Suche nach dem Gold

Tunesien hat eine neue Regierung, an der auch die Opposition beteiligt ist. Erstmals wurden Details zur Flucht von Ben Ali bekannt. Gerüchte über den Verbleib von 1,5 Tonnen Gold sorgen für Verwirrung.

Erstmals mischen sich Polizisten offiziell unter die Demonstranten: Ein Mann zeigt am 22. Januar seinen Polizeiausweis.
Erstmals mischen sich Polizisten offiziell unter die Demonstranten: Ein Mann zeigt am 22. Januar seinen Polizeiausweis.
Keystone
Diese Polizisten kommen aus Aouina nach Tunis. Sie tragen rote Armbinden, um sich als Polizisten zu bekennen.
Diese Polizisten kommen aus Aouina nach Tunis. Sie tragen rote Armbinden, um sich als Polizisten zu bekennen.
Keystone
17. Dezember 2010: Ein arbeitsloser Hochschulabsolvent zündet sich aus Protest gegen das Regime auf dem Marktplatz von Sidi Bouzid an. Die Behörden hatten immer wieder seine Waren konfisziert, weil er keine Lizenz hatte.
17. Dezember 2010: Ein arbeitsloser Hochschulabsolvent zündet sich aus Protest gegen das Regime auf dem Marktplatz von Sidi Bouzid an. Die Behörden hatten immer wieder seine Waren konfisziert, weil er keine Lizenz hatte.
Keystone
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Drei Tage nach dem Sturz von Machthaber Zine El Abidine Ben Ali stellte Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi das neue Kabinett vor. Der Gewalt, die zu Ben Alis Flucht nach 23 Jahren an der Spitze des nordafrikanischen Staats führte, kostete der Regierung zufolge mehr als 78 Zivilisten das Leben. 94 weitere wurden nach Angaben von Innenminister Ahmed Friaa verletzt.

Ausserdem habe es Todesopfer unter den Sicherheitskräften gegeben, sagte der Minister, nannte aber keine Zahlen. Die Unruhen hätten die tunesische Wirtschaft drei Milliarden Dinar (1,57 Milliarden Euro) gekostet. Demnach wurden 85 Polizeiwachen beschädigt, ausserdem 13 Rathäuser, 43 Banken, elf Fabriken und 66 Geschäfte und Einkaufszentren.

Verteidigungsminister bleibt im Amt

In der neuen Regierung der nationalen Einheit behält Ministerpräsident Ghannouchi, ein langjähriger Verbündeter Ben Alis, seinen Posten. Ausserdem bleiben der Verteidigungs-, Innen- und Aussenminister im Amt. Erstmals sind drei Oppositionspolitiker im Kabinett vertreten, darunter der Gründer und langjährige Vorsitzende der stärksten Oppositionskraft Tunesiens, Nejib Chebbi von der Demokratischen Fortschrittspartei (PDP).

Ghannouchi kündigte die Freilassung von politischen Häftlingen an. Ausserdem wolle die Regierung drei neue staatliche Kommissionen einsetzen, die über politische Reformen beraten, zu Korruption ermitteln und Misshandlungen während der jüngsten Unruhen untersuchen sollen. Alle Interessenvertretungen, die dies wünschten, würden automatisch anerkannt, erklärte der Ministerpräsident weiter.

Lage weiterhin angespannt

Ein Gewerkschaftsführer kritisierte, die Veränderungen seien nicht weitreichend genug. Die Proteste würden fortgesetzt, bis kein wichtiger Vertreter des alten Regimes mehr an der Macht sei, sagte Habib Jerjir. Ben Alis Partei RCD «ist durch die Hintertür verschwunden und kommt durch das Fenster wieder zurück», erklärte der Gewerkschaftsführer. «Wir können keine Milizen auf den Strassen und in der Regierung haben.»

Die Lage in Tunesien blieb am Montag weiter angespannt. In Tunis setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein, Hubschrauber kreisten über der Hauptstadt. In einigen Vierteln kehrte dennoch ein Stück Normalität zurück: Läden, Tankstellen, Apotheken und Supermärkte hatten wieder geöffnet, viele Menschen gingen zur Arbeit. Ausländische Fluglinien nahmen nach und nach ihren Betrieb wieder auf. Hunderte Touristen warteten aber weiter auf ihre Evakuierung.

Der geheime Tunnel

Ein Sprecher der tunesischen Botschaft in Riad wollte sich auf Anfrage zum Aufenthaltsort von Ben Ali nicht äussern. «Uns darum zu kümmern, ist nicht unsere Aufgabe», sagte er. Ein Hausangestellter der Präsidentenfamilie erklärte, Ben Ali und seine Frau Leila hätten sich am Tag ihrer Flucht nichts anmerken lassen. Die Präsidentengattin habe in der Küche noch ein Mittagessen bestellt, das aber nicht mehr verzehrt worden sei.

Stattdessen seien Ben Ali und seine Angehörigen durch einen geheimen Tunnel von Sidi Bou Said nach Karthago verschwunden. Dort seien sie in einen Helikopter gestiegen. Später am Tag seien dann Angehörige des Militärs in die Residenz des Präsidenten gekommen. Diese hätten das Hauspersonal aufgefordert, nach Hause zu gehen.

Goldreserven nicht angetastet

Die tunesische Zentralbank hat Angaben zurückgewiesen, wonach die Ehefrau des gestürzten tunesischen Präsidenten Zine al-Abidine Ben Ali bei ihrer Flucht 1,5 Tonnen Gold aus der Zentralbank gestohlen haben soll. Die Zeitung «Le Monde» hatte am Montag auf ihrer Website berichtet, das französische Präsidialamt verdächtige Ben Alis Gattin Leila Trabelsi, sich bei der Notenbank vor ihrer Abreise Gold im Wert von 45 Millionen Euro beschafft zu haben.

Demnach hatte der Gouverneur der Zentralbank die Anfrage der Präsidenten-Frau zunächst abgelehnt, stimmte unter dem Druck Ben Alis dann aber doch zu. Anschliessend habe sich Trabelsi mit dem Gold über Dubai ins saudiarabische Dschiddah abgesetzt.

Die tunesische Zentralbank wies die Angaben, die sich auf französische Geheimdienstinformationen aus tunesischen Quellen stützten, umgehend zurück. Die Goldreserven seien in den vergangenen Tagen nicht angetastet worden, sagte ein Vertreter der Zentralbank. Auch die Devisenreserven seien unberührt.

SDA/ dapd/ AFP/pbe

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