Zum Hauptinhalt springen

Das Leben nach der Geisel-Tortur

Der israelische Soldat Gilad Shalit ist seit zwei Wochen wieder in Freiheit. Das Interesse der Armee und Politiker an seiner Person hat indes nicht nachgelassen. Freiheit schmeckt anders.

Ein Mann der Öffentlichkeit: Gilad Shalit wird vom israelischen Präsidenten Shimon Peres empfangen. (24. Oktober 2011)
Ein Mann der Öffentlichkeit: Gilad Shalit wird vom israelischen Präsidenten Shimon Peres empfangen. (24. Oktober 2011)
Keystone

Fünf Jahre lang war der israelische Soldat Gilad Shalit in Geiselhaft der Hamas, komplett isoliert von der Aussenwelt. Von einer Rückkehr ins geschützte Privatleben ist der 25-Jährige auch zwei Wochen nach seiner Freilassung noch weit entfernt.

Gemäss der «Haaretz» muss sich der Soldat den Fragen des Geheimdienstes und des Verteidigungsministeriums stellen, in der Hoffnung, nützliche Informationen zur Hamas zu erhalten. Die Einsatzbesprechung, wie es die Armee nennt, werde schrittweise erfolgen. Man habe bereits früher damit begonnen, weil er gemäss den Ärzten die Entführung mental relativ gut überstanden habe.

Die körperlichen Folgen der Isolationshaft sind jedoch offensichtlich. Der Mangel an Tageslicht und die Ernährung haben Spuren hinterlassen. Zudem musste sich der 25-Jährige heute einer Operation unterziehen. Granatsplitter, die er bei der Entführung am 25. Juni 2006 abbekam, wurden aus Handgelenk und Ellbogen entfernt. Laut der «Haaretz» sei die Operation Teil der noch andauernden medizinischen Behandlung Shalits.

Nach der Isolation die Aufmerksamkeit

Gleichzeitig ist Shalit nach Jahren der Abgeschottetheit mit einem neuen Phänomen konfrontiert. Sein privater Lebenswandel hat das Interesse der Medien geweckt, auch wenn diese der Familie die Einhaltung der Privatsphäre der Familie versprochen hatten.

So wurde Shalit gemäss «Ynet» von Meshulam Nahari, einem Abgeordneten der konservativ-orthodoxen Shas-Partei, dafür kritisiert, dass er seinen ersten Sabbat in Freiheit mit seinem Vater am Strand verbracht hatte. Ein «Haaretz»-Fotograf hatte ihn dort fotografiert. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn er ein traditionelles Dankesgebet in der Synagoge abgehalten hätte, meinte Meshulam Nahari.

Die Aussage löste prompt eine mediale Diskussion aus. Die «Jewish Daily» kritisierte die Äusserungen Naharis. Nach fünf Jahren in Gefangenschaft sollte man Shalit endlich die verdiente Freiheit gewähren. Doch so schnell wird Gilad Shalit wohl nicht aus dem Rampenlicht treten können, zu lange hat die Öffentlichkeit sein Schicksal begleitet.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch