Der entschlossene Aussenseiter

Unscheinbar, aber vom Ehrgeiz getrieben: Kandidat Isaac Herzog ist für den israelischen Premier Netanyahu plötzlich zu einem gefährlichen Rivalen geworden. Wer ist dieser Mann?

Underdog mit Chancen: Isaac Herzog, der Spitzenkandidat der Zionistischen Union, an der Klagemauer in Jerusalem. (15. März 2015)

Underdog mit Chancen: Isaac Herzog, der Spitzenkandidat der Zionistischen Union, an der Klagemauer in Jerusalem. (15. März 2015)

(Bild: Keystone Emil Salman)

Isaac Herzog will neuer Ministerpräsident Israels werden. Angesichts der fragmentierten Parteienlandschaft des Landes ist es aber möglich, dass weder er noch Amtsinhaber Netanyahu auf eine Mehrheit kommt und sich beide am Ende zu einer Einheitsregierung zusammentun.

Für Isaac Herzog wäre es schon in einem Land ohne grosse Sicherheitsprobleme ein mühseliger Weg nach oben. Doch der 54-Jährige will Ministerpräsident von Israel werden. Der an einen Anwalt erinnernde, unscheinbare Chef der oppositionellen Arbeitspartei geniesst grosse Unterstützung in wichtigen Teilen seines Heimatlandes. Doch hatte Herzog Probleme damit, als Alternative zum amtierenden Regierungschef Benjamin Netanyahu an Schwung zu gewinnen.

Herzog ist als erfinderischer Unternehmer mit einem leicht zu übersehenden Killerinstinkt respektiert. Er hat einen Neustart der Friedensverhandlungen mit den Palästinensern versprochen. Zudem will er den Bau in den meisten Siedlungen im Westjordanland einfrieren und die unruhigen Beziehungen Israels zum Rest der Welt reparieren. «Ich habe vor, zu gewinnen und ich werde gewinnen und ich werde der nächste Ministerpräsident von Israel sein und ich werde Benjamin Netanyahu ersetzen», sagte Herzog Ende Februar bei einem Briefing mit der ausländischen Presse.

Letzte Chance

Zugleich stimmte Herzog Amtsinhaber Netanyahu darin zu, dass kein israelischer Regierungschef «jemals einen nuklearen Iran akzeptieren» werde. Den Iran bezeichnete der Oppositionschef als den «gefährlichsten Schurkenstaat der Welt». Nach insgesamt neun Jahren mit Netanyahu als Ministerpräsident - er bekleidete dieses Amt erstmals 1996 - legen Umfragen nahe, dass die meisten Israelis seinen Abgang bevorzugen würden. Allerdings führt Netanyahu mit Blick auf persönliche Überzeugungskraft.

Für Herzog ist die Wahl am Dienstag wahrscheinlich die letzte Chance. Sie ist der sechste landesweite Urnengang seit der letzten Abstimmung, die seine Arbeitspartei gewonnen hat. Das war im Jahr 1999. Seitdem ist Herzog der siebte Chef der Partei. Herzogs Grossvater war Grossrabbiner, sein Vater General, UN-Botschafter und Präsident. Zudem war sein Onkel Abba Eban Aussenminister. Isaac Herzog selbst hat als Tourismusminister und Wohlfahrtsminister in Kabinetten gedient, auch in einer schwierigen Koalition mit Netanyahu.

Brennender Ehrgeiz

Im Dezember überredete Herzog die ehemalige Aussenministerin Tzipi Livni, sich mit der Arbeitspartei zu der sogenannten Zionistischen Union zusammenzutun. In jüngsten Umfragen liegt die Union vor Likud von Netanyahu. Es ist möglich, dass weder Herzog noch Netanyahu in der fragmentierten Parteienlandschaft des Landes auf eine Mehrheit kommen. Denkbar ist aber auch, dass sich die beiden Rivalen letztendlich für die Bildung einer Einheitsregierung zusammentun.

Herzog gibt sich trotz seines Status' als Underdog selbstbewusst. Er habe «alle Optionen der Bildung einer Koalition», erklärte er. Rivalen und Verbündete prognostizieren, dass Herzog - sofern er von Staatspräsident Reuven Rivlin den Auftrag zur Regierungsbildung bekommt - mit dem brennenden Ehrgeiz eines unterschätzten Mannes nichts unversucht lassen wird.

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