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Der Mann hinter Shalits Befreiung

Bei der Freilassung des jungen israelischen Soldaten Gilad Shalit spielte ein deutscher Geheimagent die entscheidende Rolle. Ministerpräsident Netanyahu hatte persönlich um dessen Dienste geworben.

Bleich und dünn: Shalit salutiert bei seiner Ankunft in Israel. (18. Oktober 2011)
Bleich und dünn: Shalit salutiert bei seiner Ankunft in Israel. (18. Oktober 2011)
Keystone
Zeit für die Heilung: Gilad Shalit, sein Vater Noam (r.) und Benjamin Netanyahu. (18. Oktober 2011)
Zeit für die Heilung: Gilad Shalit, sein Vater Noam (r.) und Benjamin Netanyahu. (18. Oktober 2011)
Reuters
Stehen Wache: Hamas-Truppen warten an der Hauptstrasse in Khan Younis im Gazastreifen. (18. Oktober 2011)
Stehen Wache: Hamas-Truppen warten an der Hauptstrasse in Khan Younis im Gazastreifen. (18. Oktober 2011)
Keystone
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Die Welt der Agenten ist eine verschwiegene. Geheimnistuerei ist quasi oberste Pflicht. Da verwundert es auch nicht, dass sich niemand explizit zu Gerhard Conrad und seiner Arbeit äussern mag. Conrad, der aller Wahrscheinlichkeit nach einen ganz anderen Namen trägt, ist Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes und hat als solcher gemeinsam mit Ägypten zwischen der israelischen Regierung und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas vermittelt. Das Ziel: Die Freilassung des jungen israelischen Soldaten Gilad Shalit - den die Hamas vor mehr als fünf Jahren als Geisel nahm - im Austausch gegen in Israel inhaftierte Palästinenser.

Weder der BND («Wir haben ganz klare Anweisung - kein Kommentar.») noch das Auswärtige Amt sind wirklich hilfreich, wenn es darum geht, mehr über Herrn Conrad und seine Arbeit im Nahen Osten zu erfahren. Auch Bundesaussenminister Guido Westerwelle teilte lediglich mit: «Ich bin froh, dass Deutschland zu Gilad Shalits Freilassung beitragen konnte.»

In Israel empfangen

Ungleich grösser ist nun die Aufmerksamkeit, die Conrad in Israel zuteil wird. So empfingen der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Präsident Shimon Peres den Agenten persönlich, um ihm für seine Arbeit zu danken. «Sie haben die Grundlagen gelegt», zitierte «The Jerusalem Post» den Präsidenten anschliessend auf ihrer Webseite.

Netanyahu soll sich im Sommer 2009 direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewendet haben, um Conrad «für den Shalit-Deal zu gewinnen», wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» am Dienstag berichtete. Hintergrund soll Conrads Rolle bei einem früheren Austausch gewesen sein. Dabei waren 2008 die Leichname zweier 2006 getöteter israelischer Soldaten gegen vier Hizbollah-Kämpfer sowie einen libanesischen Milizionär eingetauscht worden, wie die «FAZ» berichtete.

Gute Kontakte in den Libanon

Die israelische Zeitung «Haaretz» wusste bereits vor einigen Jahren zu berichten, dass Conrad im Rahmen seiner Agentenausbildung in der syrischen Hauptstadt Damaskus Arabisch gelernt hatte und damit einer der wenigen BND-Mitarbeiter ist, die der Sprache mächtig sind. Zunächst tätig in der für den Nahen Osten zuständigen Abteilung, sei Conrad dann 1998 unter diplomatischem Deckmantel offizieller BND-Vertreter in Damaskus geworden. Dort sei er auch für den Libanon zuständig gewesen und mehrere Male mit Hizbollah-Führern zusammen getroffen, darunter auch deren oberstem Chef Scheich Hassan Nasrallah, heisst es bei «Haaretz».

«Seit den 90er Jahren hat Conrad an jedem Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbollah mitgewirkt, an dem der BND und deutsche Vertreter als Vermittler beteiligt waren», schreibt die Zeitung.

Und auch wenn Conrad hierzulande keine persönliche Würdigung von offizieller Seite erfährt, wenigstens bei ihm zu Hause weiss man seine Leistung entsprechend einzuordnen. Immerhin konnte «Haaretz» in Erfahrung bringen, dass seine Frau ebenfalls für den BND arbeitet.

dapd/jak

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