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«Die USA haben Kobani aufgegeben»

Der amerikanische Politexperte Jackson Janes sagt, selbst ein drohendes Massaker ähnlich wie in Srebrenica würde die USA nicht dazu bringen, ihre Strategie zu ändern.

Weiterhin eine umkämpfte Stadt: Ein kurdischer Kämpfer in Kobane. (14. November 2014)
Weiterhin eine umkämpfte Stadt: Ein kurdischer Kämpfer in Kobane. (14. November 2014)
AP Photo/Jake Simkin
Die Kämpfe halten an: Explosion in Kobane. (24. Oktober 2014)
Die Kämpfe halten an: Explosion in Kobane. (24. Oktober 2014)
Sedat Suna/EPA
Die Jihadisten kontrollieren Teile der Grenze zur Türkei: IS-Kämpfer auf der syrischen Seite nahe der türkischen Ortschaft Sanliurfa. (1. Oktober 2014)
Die Jihadisten kontrollieren Teile der Grenze zur Türkei: IS-Kämpfer auf der syrischen Seite nahe der türkischen Ortschaft Sanliurfa. (1. Oktober 2014)
Sedat Suna/EPA
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Nach Einschätzung des US-Experten Jackson Janes haben die USA die syrische Grenzstadt Kobani im Kampf gegen die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) längst aufgegeben. «Kobani wird ein Opfer sein», sagte Janes von der Johns Hopkins University dem Sender Deutschlandradio Kultur. Ein Signal dafür sei, dass die von den USA geführte Militärkoalition gegen den IS erst am kommenden Dienstag zu Beratungen über die Krise zusammenkomme.

Selbst ein drohendes Massaker an Zivilisten ähnlich wie in Srebrenica würde nicht dazu führen, dass die USA ihre Strategie änderten und Bodentruppen einsetzten, sagte Janes. In den USA herrsche nach dem Irak-Krieg die Haltung, keine Truppen zu entsenden, solange nicht die unmittelbaren Nachbarn in der Region aktiv werden. Und die Türkei, an deren Grenze Kobani liegt, ist dazu noch nicht bereit. «Das ist ein schwerwiegendes Argument», sagte der Direktor des American Institute for Contemporary German Studies.

Nach einer Eroberung von Kobani durch den IS werde es gegenseitige Schuldzuweisungen geben, da die Türkei darauf bestehe, keinen alleinigen Vorstoss zu machen, und Washington zunächst die Kräfte in der Region am Zug sehe. «Wenn selbst die unmittelbaren Nachbarn nicht eingreifen, warum sollten wir das tun?», sei die vorherrschende Meinung in der US-Öffentlichkeit und im Kongress. Ohne Bodentruppen sieht Janes die Grenzstadt verloren: «Selbst eine Supermacht ist nicht in der Lage, so eine Krise ohne den Einsatz von Truppen zu lösen. Es ist blamabel, es ist eine Katastrophe», aber momentan wohl «eine gegebene Tatsache (...), man nimmt das in Kauf».

Kurdische Kämpfer wehren Angriff ab

Die kurdischen Milizen in Kobani haben offenbar einen erneuten Vorstoss der IS-Miliz auf das Zentrum von Kobani gestoppt. 90 Minuten sei heftig gekämpft worden, dann hätten sich die Jihadisten zurückgezogen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Jihadisten nehmen die syrisch-kurdische Grenzstadt derzeit von drei Seiten aus in die Zange. Der kurdische Aktivist Farhad al-Shami berichtete der Nachrichtenagentur dpa am Telefon aus der umkämpften Enklave an der Grenze zur Türkei, es gebe heftige Gefechte im Süden, Westen und vor allem im Osten der Stadt. Den nur mit leichten Waffen ausgerüsteten kurdischen Kämpfern sei es gelungen, während der Nacht mindestens sieben Angriffe der Jihadisten im Südwesten zurückzuschlagen.

Ein Amateurvideo zeigt angeblich durch die Kämpfe verursachte Schäden in Kobani. (Video: Reuters)

Ismat Hassan vom Verteidigungsrat in Kobani sagte der kurdischen Nachrichtenagentur Welati, seine Kämpfer hätten in der Nacht mindestens zwei Selbstmordanschläge von IS-Angreifern in der Nähe des Zentrums vereitelt. Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter griff die von den USA geführte Anti-IS-Koalition während der Nacht die Jihadisten im östlichen und südlichen Bereich von Kobani aus der Luft an.

Kritik an der irakischen Armee

Derweil trotzt die IS-Miliz den Luftangriffen der US-geführten Allianz nicht nur im Norden Syriens, sondern auch im Irak. Die Lage in der Provinz Anbar sei «gefährlich», sagte ein ranghoher Vertreter des US-Verteidigungsministeriums am Freitag in Washington. Ein zweiter Offizieller kritisierte die irakischen Streitkräfte: «Sie starten einen Einsatz, und nach einem Kilometer stoppen sie wieder», sagte er. «Das ist keine gute Situation.» Seit mehreren Wochen bombardieren die USA und mehrere Verbündete IS-Stellungen im Nord- und Westirak, um den Vormarsch der islamistischen Extremisten zu stoppen. Weitere grössere Gebietsgewinne konnten so in der Anbar-Provinz westlich der Hauptstadt Bagdad verhindert werden, auch der strategisch wichtige Staudamm in Haditha und die Stadt Ramadi wurden von den Regierungstruppen gehalten. Allerdings konnten diese auch kaum Positionen vom IS zurückerobern.

Die Lage im Norden des Landes, wo kurdische Peschmerga gegen die sunnitischen Extremisten kämpfen, sei anders, sagten die Pentagon-Vertreter. «Die Kurden kommen voran, sie erobern Städte und Gebiete zurück, und wir können uns mit ihnen abstimmen», sagte einer der Offiziellen. Die kurdischen Kämpfer seien wesentlich besser als die irakischen Regierungstruppen, es gebe «keinen Vergleich» zwischen diesen.

AFP/sda/mw

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