Zum Hauptinhalt springen

Ein Schweizer Spital in Not

Bei Makeni, mitten in einer der schlimmsten Ebola-Zonen Sierra Leones, steht ein Schweizer Spital. Acht Mitarbeiter starben bislang am Virus. Jetzt kämpft die Institution mit fehlenden Mitteln und der Angst der Bevölkerung.

Die Rate der Neuinfektionen geht in gewissen Gebieten zurück: Ein Mann geht in Monrovia an einer Wandbemalung vorbei, die über die Symptome von Ebola aufklärt.
Die Rate der Neuinfektionen geht in gewissen Gebieten zurück: Ein Mann geht in Monrovia an einer Wandbemalung vorbei, die über die Symptome von Ebola aufklärt.
Reuters
Laut UNO hilft die Aufklärung im Kampf gegen Neuansteckungen: Dorfbewohner in Liberia werden über Ebola-Prävention instruiert.
Laut UNO hilft die Aufklärung im Kampf gegen Neuansteckungen: Dorfbewohner in Liberia werden über Ebola-Prävention instruiert.
Reuters
Gesundheitstest am Flughafen von Conakry, Guinea. (22. Juli 2014)
Gesundheitstest am Flughafen von Conakry, Guinea. (22. Juli 2014)
AFP
1 / 34

Es herrscht eine gespenstische Stille auf dem Gelände des Magbenteh Community Hospital. Wo sonst ununterbrochen Patienten ein und aus gehen, lässt sich an diesem Morgen nur ab und zu jemand blicken.

Wer kommt, wird in das Ambulatorium verwiesen, die hundert Betten für stationäre Patienten bleiben vorerst leer. Erst seit wenigen Tagen hat das Spital wieder geöffnet – zuvor galt hier der Ausnahmezustand. Acht Mitarbeitende sind hier am Ebola-Virus gestorben. Zahlreiche Patienten ereilte dasselbe Schicksal.

Fehlende Mittel

«Die Leute haben Angst, ins Spital zu kommen», sagt Harald Pfeiffer. Der Schweizer hat das christliche Magbenteh Hospital zusammen mit seiner Frau Karin gegründet und betreibt es zum grössten Teil mit Spenden aus der Schweiz. Als die meisten Ausländer das Land verliessen, reiste der pensionierte Physiotherapeut im September von seinem Wohnort Gland VD nach Sierra Leone. Er wollte dem Land helfen, an welches er vor 26 Jahren sein Herz verloren hat. 1988 kam der Adventist als Volontär erstmals nach Sierra Leone – seither kehrte er in jedem Jahr zurück.

Doch Hilfe ist schwierig im Moment. «Es fehlt uns an allen Ecken und Enden», sagt Pfeiffer. «Die Regierung unterstützt uns kaum, die internationale Hilfe kommt bei uns nicht an, und die Patienteneinnahmen fallen auch aus.» Denn noch sind die Wunden nicht verheilt. Noch wissen die Leute nur allzu gut, welch tragische Szenen sich vor kurzem im Spital abgespielt haben.

Ebola ist da

Es ist der 21.Juli 2014, als im Magbenteh Hospital eine Mutter mit zwei Töchtern eingeliefert wird. Das 3-jährige Mädchen ist völlig dehydriert und lethargisch, die 8-Jährige hat hohes Fieber. Ein erster Test auf Malaria fällt positiv aus. Einen Tag später wird ein 14-jähriges Mädchen eingeliefert – es ist die dritte Tochter der Familie. Am 23.Juli stirbt die Jüngste der drei, liegt leblos in ihrem Blut und Erbrochenem.

Jetzt läuten bei Yvonne Santos die Alarmglocken. Die mexikanische Ärztin, die seit Anfang Jahr im Magbenteh Hospital arbeitet, leitet Sofortmassnahmen ein. Die noch lebenden Familienmitglieder werden isoliert und der Schutz der Belegschaft verbessert. Die Analyse der Blutproben bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: dreimal positiv. Als sich das Virus im Juli vom Osten von Sierra Leone in Richtung Westen verbreitet, trifft es den Distrikt Bombali und dessen Hauptstadt Makeni besonders hart.

«Aber die Spitäler in und um Makeni wussten, dass Ebola auf dem Vormarsch ist», sagt Yvonne Santos. Noch wäre Zeit, Personal zu schulen, Sicherheitskleidung vorzubereiten oder Isolierungsplätze für Verdachtsfälle zu schaffen. «Aber die Regierung stellte kein Geld zur Verfügung. Also machte niemand etwas.»

Zwischen August und September sterben im Magbenteh Hospital drei lokale Ärzte, vier Krankenschwestern und ein Pädagoge. Nach dem ersten Ebola-Fall kämpft die Belegschaft einen Monat weiter, dann geht nichts mehr. Am 23.August werden alle Patienten aus dem Spital entlassen und die Tore geschlossen. Nur Yvonne Santos und ihr Mann bleiben noch da. «Das waren die schlimmsten Wochen meines Lebens», sagt die erfahrene Ärztin.

Gesundheitssystem fällt aus

Was im Magbenteh Hospital geschieht, zeigt auf brutale Weise, mit welcher Wucht Ebola die Gesellschaft angreift. Der grausame Tod der Infizierten ist die eine Seite des Problems. Die andere, welche sich in diesen Tagen rund um Makeni akzentuiert, ist der fast gänzliche Ausfall des regulären Gesundheitssystems. Spitäler schliessen, Pflegerinnen rennen davon, und Ärzte weigern sich, chirurgische Eingriffe vorzunehmen. Die kleinsten Krankheiten werden zum Problem.

«Wir werden trotz allem weiterkämpfen», sagt Harald Pfeiffer. Aufgeben würde er nie – zu stark ist seine Verbindung zu Land und Leuten, zu oft hat ihm der Glaube an eine höhere Macht einen Weg gezeigt. Doch wann das Spital den 140 Angestellten die Löhne zahlen kann, ist ungewiss. Ebenso, wie lange die vorhandene Schutzkleidung noch ausreicht. Harald Pfeiffer weiss: Kommt jetzt keine Hilfe, steht das Magbenteh Hospital vor einer düsteren Zukunft. Und mit ihm eine ganze Region.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch