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Geheimdokumente bringen Abbas ins Schwitzen

Die Palästinenser waren einem Medienbericht zufolge während der Friedensgespräche im Jahr 2008 zu weitaus grösseren Zugeständnissen an Israel bereit als bislang bekannt. Die Palästinenser dementieren das.

Soll bei Verhandlungen grosses Entgegenkommen signalisiert haben: Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas.
Soll bei Verhandlungen grosses Entgegenkommen signalisiert haben: Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas.
Keystone

Die Palästinenser haben vehement Berichte dementiert, wonach sie bei den Nahostverhandlungen seit zwei Jahren zu weitreichenden Zugeständnissen in der Jerusalem- Frage bereit waren. Der arabische Nachrichtensender al-Jazeera hatte am Sonntag eine Sammlung von Geheimdokumenten veröffentlicht.

Demnach waren die Palästinenser bei den Verhandlungen mit dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert unter anderem bereit, Israel die meisten jüdischen Viertel - auch im arabischen Ostteil der Stadt - abzutreten. Bislang forderten die Palästinenser immer ganz Ost-Jerusalem, weil sie dort ihre künftige Hauptstadt einrichten wollen.

Die Angebote des Chefunterhändlers

Ausserdem soll der Chefunterhändler der Palästinenser, Sajeb Erakat, Israel angeboten haben, dass über zehn Jahre verteilt lediglich jährlich 10'000 palästinensische Flüchtlinge, also insgesamt 100'000 Flüchtlinge, in ihre Heimat zurückkehren sollten.

Das Schicksal der rund fünf Millionen palästinensischen Flüchtlinge ist neben der Jerusalem-Frage einer der Hauptkonfliktpunkte in den Nahostverhandlungen. Die Palästinenser- Regierung hat in den Verhandlungen bislang nie solch weitgehende Angebote an Israel eingeräumt.

Erst kürzlich hatte Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas erklärt, es gebe keine Diskussion über Jerusalem. «Jerusalem gehört uns», bekräftigte er. Sowohl Israel als auch die Palästinenser erheben Anspruch auf die Stadt, deren Ostteil Israel 1967 eroberte und später annektierte.

Vorwürfe zurückgewiesen

Die ersten arabischen Kommentatoren, die sich zu den von al-Jazeera veröffentlichten Dokumenten äusserten, zeigten sich entsetzt über die «Flexibilität» der palästinensischen Verhandlungsführer.

Erekat sagte hingegen der Zeitung «Al-Ayyam», es handle sich bei den Berichten um «Lügen und Halbwahrheiten». Das palästinensische Verhandlungsministerium sei bereit, all seine Dokumente offenzulegen, um zu beweisen, dass die Berichte von al-Jazeera nicht wahr seien.

Gegenüber al-Jazeera sagte Erekat, die Palästinenserführung habe nichts zu verstecken und habe nie ihre Positionen aufgegeben. «Wenn wir wirklich auf die (Rückkehr der) Flüchtlinge verzichtet und solche Zugeständnisse gemacht hätten, warum hat dann Israel nicht eingewilligt, einen Friedensvertrag zu unterzeichnen?»

Weitere Veröffentlichungen geplant

al-Jazeera verfügt nach eigenen Angaben über etwa 1600 geheime Dokumente zu den Nahostverhandlungen - Gesprächsprotokolle, E-Mails und Karten aus den Jahren 1999 bis 2010. Die Dokumente sollen verteilt über die nächsten Tage vollständig veröffentlicht werden.

Wie der im Golfemirat Qatar beheimatete TV-Sender in den Besitz dieser Dokumente gelangte, wurde nicht erklärt. Einige Namen und Telefonnummern habe man aus den Dokumenten, die bis zum kommenden Mittwoch nach und nach ins Netz gestellt werden sollen, herausgestrichen, hiess es.

dapd/pbe

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