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Ghadhafi droht mit Terror in Europa

Mit dem Rücken zur Wand, könnte der libysche Diktator auch für die Menschen in Europa gefährlicher werden. Muammar al-Ghadhafi hat Anschläge angekündigt, sollte die Nato ihre Luftangriffe fortsetzen.

Grösste Pro-Ghadhafi-Veranstaltung seit Wochen: Eine Audiobotschaft des Machthabers wird seinen Anhängern auf dem Grünen Platz in Tripolis abgepielt.
Grösste Pro-Ghadhafi-Veranstaltung seit Wochen: Eine Audiobotschaft des Machthabers wird seinen Anhängern auf dem Grünen Platz in Tripolis abgepielt.
Keystone

Wenn die Attacken auf Libyen nicht eingestellt würden, «können wir beschliessen, euch ähnlich zu behandeln», erklärte Ghadhafi in einer heute vor tausenden Anhängern in Tripolis veröffentlichten Audiobotschaft. «Wenn wir es beschliessen, können wir ihn (den Kampf) auch nach Europa bringen.»

«Wenn wir uns dazu entschliessen, sind wir dazu in der Lage, nach Europa wie Heuschrecken, wie Bienen zu ziehen. Wir raten euch, euch zurückzuziehen, ehe euch ein Desaster zuteil wird», sagte Ghadhafi.

«Diese Menschen (die Libyer) sind dazu in der Lage, diesen Kampf eines Tages nach Europa zu bringen, um auf eure Häuser, Büros, Familien abzuzielen, die zu legitimen militärischen Zielen würden, wie ihr auf unsere Häuser abgezielt habt», sagte Ghadhafi.

Geflohene sind «Dienstmädchen für die Tunesier»

In seiner Rede denunzierte Ghadhafi die libyschen Rebellen als Verräter und machte sie für die Probleme Libyens verantwortlich. Libyer, die in das Nachbarland Tunesien geflohen seien, arbeiteten jetzt als «Dienstmädchen für die Tunesier», sagte er. Ghadhafi forderte seine Anhänger auf, «auf die westlichen Berge zu marschieren», um in der Gegend Waffen zu beseitigen, die von der französischen Regierung vor wenigen Tagen an die Rebellen geliefert wurden.

Die Alliierten sollten den Dialog suchen. «Verhandeln Sie mit dem libyschen Volk», forderte Ghadhafi weiter. Die Ansprache des Diktators wurde über Lautsprecher bei einer der grössten Kundgebungen von Regierungsanhängern seit Wochen auf dem Grünen Platz in der Hauptstadt Tripolis übertragen.

Angriffe auf Regierungssitze und Privathäuser

Den Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Italien und Grossbritannien drohte Ghadhafi mit Angriffen auf ihre Amtssitze, Familien und Privathäuser. «Oh Welt, höre die Stimme des freien Volkes», rief er und sagte: «Dies ist ein historischer Tag.»

Den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und den französischen Präsidenten Nicholas Sarkozy bezeichnete Ghadhafi jeweils als «mein armer Freund». US-Präsident Barack Obama nannte er «meinen Sohn».

Die Nato fliegt seit März Luftangriffe gegen die libyschen Regierungstruppen. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hat am Montag Haftbefehl gegen Ghadhafi, seinen Sohn Saif al-Islam und den libyschen Geheimdienstchef Abdullah al-Sanussi erlassen.

Ghadhafi-Sohn greift Gericht an

Saif al-Islam al-Ghadhafi hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach er und sein Vater die Tötung von Zivilpersonen angeordnet haben sollen. Demonstranten seien ums Leben gekommen, als sie versucht hätten, Militäranlagen zu stürmen und Wachen unter einer geltenden Anordnung, sich zu verteidigen, auf sie geschossen hätten, sagte der Ghadhafi-Sohn in einem heute im Internet veröffentlichten Interview des russischen Nachrichtensenders RT.

Saif al-Islam kritisierte den IStGH scharf und erklärte, das Gericht werde von den Nato-Ländern kontrolliert, die jetzt Libyen bombardierten. «Dieses Gericht ist ein Micky-Maus-Gericht», sagte er.

Saif al-Islam al-Ghadhafi beschuldigte westliche Nationen, sich in Libyen einzumischen, weil sie hinter dem Öl und anderen Ressourcen des Landes her seien. Ihr Ziel sei es, «Libyen zu kontrollieren». Der Kampf werde weitergehen, sagte der Ghadhafi-Sohn. «Keiner wird aufgeben. Keiner wird die weisse Flagge hissen», sagte er. «Wir wollen Frieden, aber wenn Sie kämpfen wollen, wir sind keine Feiglinge. Wir werden kämpfen.»

dapd/ sda/rub

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