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Schwere Vorwürfe nach Panik mit 700 Toten

Grösstes Unglück seit 25 Jahren in Mekka: Eine Massenpanik zu Beginn des muslimischen Opferfests hat eine sehr grosse Zahl von Toten und Verletzten gefordert.

Schlimmste bekannte Hadsch-Katastrophe: Ein Mann läuft zwischen den Leichen hindurch. (23. September 2015)
Schlimmste bekannte Hadsch-Katastrophe: Ein Mann läuft zwischen den Leichen hindurch. (23. September 2015)
Ex-Press
Tausende Meschen gedenken den Verstorbenen des Hadsch: Der Iran betet für die Opfer (04. Oktober 2015)
Tausende Meschen gedenken den Verstorbenen des Hadsch: Der Iran betet für die Opfer (04. Oktober 2015)
Vahid Salemi, AFP
Die Säule, die den Teufel symbolisiert. (24. September 2015)
Die Säule, die den Teufel symbolisiert. (24. September 2015)
Mosa'ab Elshamy, Keystone
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Mehr als 700 Menschen sind bei einer Massenpanik während der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch in Saudiarabien ums Leben gekommen. Bei dem Unglück in Mina in der Nähe von Mekka seien zudem mehr als 800 Gläubige verletzt worden, teilte der Zivilschutz des Landes mit. Es handelt sich um das schwerste Unglück während des Pilger-Grossereignisses seit 25 Jahren.

Der Auslöser der Panik am Morgen gegen 09.00 Uhr Ortszeit in Mina, wo sich hunderttausende Pilger versammelt hatten, war zunächst unklar. Laut einem Spital-Mitarbeiter kam es zu der Katastrophe ausserhalb der Dschamarat-Brückenkonstruktion, wo die symbolische Teufelssteinigung stattfindet. Eine Pilgergruppe, die den Ort verlassen wollte, sei dort auf eine andere Gruppe getroffen, die entweder in die Gegenrichtung wollte oder in dem Bereich campierte. Dabei sei es zu Gedränge gekommen.

Die Zahl der Opfer mussten die Behörden, die anfangs von etwa hundert Toten gesprochen hatten, im Laufe des Donnerstags mehrfach nach oben korrigieren. Am Nachmittag meldete der Zivilschutz über den Internet-Kurzbotschaftendienst Twitter mindestens «717 Tote und 805 Verletzte» aus verschiedenen Ländern.

Trotz Sicherheitsvorkehrungen: Massenpanik während Hadsch. (Video: Reuters)

Zahlreiche Leichen lagen bedeckt mit weissen Laken auf dem Boden am Unglücksort. Nach Angaben der amtlichen saudiarabischen Nachrichtenagentur waren mehr als 220 Rettungsfahrzeuge im Einsatz. Einsatzkräfte würden daran arbeiten, den Pilgerandrang zu verringern und den «Gläubigen Zugang zu alternativen Wegen zu verschaffen».

Helfer sind vor Ort: Szene nach der Panik. (Video: Twitter/@prohicham)

Der Iran warf Saudiarabien nach dem Unglück schwere Fehler bei den Sicherheitsvorkehrungen vor. Nach Angaben des iranischen Hadsch-Organisators Said Ohadi wurden aus «unbekannten Gründen» zwei Fusswege in der Nähe des Unglücksortes gesperrt. «Das löste diesen tragischen Vorfall aus», sagte er dem iranischen Staatsfernsehen. «Die saudischen Verantwortlichen sollten haftbar gemacht werden.» Mindestens 43 Iraner sind unter den Todesopfern.

Die saudi-arabische Regierung wies die Schuld von sich. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass Fehler der Behörden für das Unglück verantwortlich gewesen seien, sagte Innenministeriumssprecher Mansur al-Turki. «Leider kommt es ganz schnell zu solchen Zwischenfällen.» König Salman habe aber einen eigenen Untersuchungsausschuss eingerichtet, um die Hintergründe des Vorfalls zu klären.

Unglück trotz baulichen Massnahmen

Die Pilgermassen waren in Mina zusammengekommen, um Steine auf eine von drei Wänden zu werfen. Bei dieser symbolischen Teufelssteinigung, dem letzten grossen Ritual vor dem Ende des Hadsch, hatte es in der Vergangenheit schon mehrfach hunderte Tote wegen einer Massenpanik gegeben. Die diesjährige Zahl der Todesopfer wird aber nur von einer Panik im Jahr 1990 übertroffen, als 1426 Pilger offenbar wegen einer ausgefallenen Belüftungsanlage in einem Fussgängertunnel erstickten. Zuletzt waren im Januar 2006 in Mina bei einer Massenpanik 364 Pilger getötet worden.

Seit fast einem Jahrzehnt war es wegen verbesserter Sicherheitsvorkehrungen aber zu keinen grösseren Unglücken mehr gekommen. Nach dem schweren Unglück im Jahr 2006 hat es in Mina mehrere Baumassnahmen gegeben, die für einen reibungslosen Strom der Pilger sorgen und einen Massenandrang verhindern sollen. Deswegen werden die Pilger heute so geleitet, dass sich ihre Wege nicht mehr kreuzen. Ausserdem liessen die saudischen Behörden ein fünfstöckiges Gebäude bauen, von dem aus die Pilger den Teufel steinigen.

Immer wieder Unglücke

Jedes Jahr reisen Millionen Pilger nach Mekka, um in der Heiligen Moschee zu beten. Am ehrwürdigsten ist die Wallfahrt im Monat Hadsch rund ums Opferfest. In diesem Jahr haben sich laut saudischen Medien nach offiziellen Angaben 1,95 Millionen Muslime auf die Wallfahrt begeben.

In diesem Jahr aber war die Pilgerfahrt schon vor ihrem Beginn von einem verheerenden Unfall überschattet: Ein Baukran stürzte am 11. September auf einen Innenhof der Grossen Moschee von Mekka, 107 Menschen starben und etwa 400 weitere wurden verletzt. Dennoch entschieden die Behörden, den Hadsch stattfinden zu lassen.

Eine der fünf Säulen des Islam

Am Mittwoch begingen die Muslime den Höhepunkt der Wallfahrt am Berg Arafat, der sich rund 20 Kilometer östlich von Mekka befindet. Hunderttausende kletterten im Laufe des Tages den Berg empor und beteten Richtung der Kaaba. An diesem felsigen Ort hielt der Überlieferung nach der Prophet Mohammed vor rund 1400 Jahren seine letzte Predigt und rief Muslime zu Einheit und Gleichheit auf.

Der Islam schreibt vor, dass jeder gläubige und gesunde Muslim einmal im Leben den Hadsch mitmacht und dabei den Weg nachvollzieht, den der Prophet Mohammed einst ging. Pilger nehmen dafür nicht nur körperliche Strapazen auf sich, sondern sparen oftmals auch viele Jahre, um sich diese Reise leisten zu können. Als Anerkennung dafür werden sie anschliessend mit dem von Respekt zeugenden Titel «Haschdschi» geehrt.

Der Hadsch, das weltweit grösste muslimische Pilgerereignis, ist eine der fünf Säulen des Islam. Dazu gehören auch der Glaube an den einen Gott und den Propheten Mohammed als seinen letzten Boten, die fünf Gebete am Tag, Wohltätigkeit und das Fasten im Ramadan.

AFP/rub

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