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Iran verwischt Spuren und behindert Kontrollen

Die IAEA erhebt in ihrem jüngsten Bericht zum Atomprogramm des Iran schwere Vorwürfe: Teheran baue seine Anlagen schneller aus, als bisher bekannt und lasse die Spuren verschwinden.

Vor den Blicken der IAEA geschützt: Ein Satellitenbild zeigt die Militäranlage in Parchin – einige Gebäude wurden mit einer pinken Plane bedeckt. (24. August 2012)
Vor den Blicken der IAEA geschützt: Ein Satellitenbild zeigt die Militäranlage in Parchin – einige Gebäude wurden mit einer pinken Plane bedeckt. (24. August 2012)
Keystone

Der Iran treibt den Ausbau seines umstrittenen Atomprogramms stetig voran. Dabei lässt er sich immer weniger in die Karten schauen, wie die internationale Atomenergiebehörde (IAEA) feststellen musste.

Vor allem die gesteigerte Urananreicherung und verwischte Spuren in der Militäranlage Parchin machen den Atomwächtern Sorgen, wie aus dem am Donnerstag in Wien vorgelegten jüngsten Iran-Bericht der IAEA hervorgeht.

Experten befürchten einen baldigen Angriff Israels auf die iranischen Nuklearanlagen, wenn es weiter keine Annäherung im Atomstreit gibt.

IAEA fordert weiterhin Zugang zu Parchin

Viele Länder sind sich inzwischen sicher, dass der Iran unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie an Nuklearwaffen arbeitet. Auch die IAEA hält dies wegen fehlender Kooperation des Landes für immer wahrscheinlicher.

Dennoch bemüht sich die Behörde weiter um Zugang zu Informationen und Anlagen. Vergangene Woche blieben erneute Iran-IAEA-Gespräche über eine Annäherung ohne Ergebnis.

Aktuell geht es vor allem um die Militäranlage von Parchin südöstlich von Teheran, zu der die Atomwächter Zugang fordern. Die IAEA hat von den Mitgliedstaaten Informationen, die zeigen sollen, dass der Iran dort Komponenten von Atomsprengköpfen testete.

Zentrale Gebäude mit Plane abgedeckt

Jahrelang habe es rund um die Gebäude keine Arbeiten gegeben, heisst es im Bericht. Seitdem die IAEA im Januar 2012 aber Zugang zu Parchin gefordert habe, sei plötzlich viel passiert: Gebäude wurden abgerissen, Material abtransportiert und der Boden umgegraben.

Bilder vom August zeigten nun, dass das für die Tests zentrale Gebäude mit einer Plane abgedeckt wurde. «Vor dem Hintergrund dieser Arbeiten wurde die Möglichkeit der IAEA nachteilig beeinflusst, die Informationen, die Grund zu Sorge sind, zu überprüfen», heisst es im Bericht. Selbst wenn die IAEA nun in die Anlage dürfe, könne sie diese kaum noch effektiv kontrollieren.

Ebenfalls Unbehagen bereitet den Atomwächtern der deutliche Ausbau der Urananreicherung im Land, deren Stopp eine zentrale Forderung der Weltmächte im Streit mit dem Iran ist.

Nach IAEA-Informationen hat Teheran die Zahl seiner für die Anreicherung benötigten Zentrifugen seit dem vorangegangenen Iran-Bericht im Mai auf mehr als 2000 verdoppelt. Diese sind in der unterirdischen und vor einem Angriff gut gesicherten Anlage in Fordo installiert.

Ein Vorrat für mehr als zehn Jahre

Angereichertes Uran wird für Forschungszwecke und die Stromerzeugung, aber auch für Atomwaffen benötigt. Der Iran reichert bisher Uran in grossen Mengen bis auf höchstens 20 Prozent an, was für Waffen zu wenig ist.

Dieser Brennstoff kann aber aus Expertensicht in monatelanger Arbeit weiterverarbeitet werden und würde dann für mindestens sieben Atombomben reichen.

Der Iran habe für seine zivilen Reaktoren inzwischen einen Uranvorrat für mehr als zehn Jahre, sagte ein hochrangiger Beamter am Donnerstag in Wien: «Wir fragen uns natürlich, warum sie immer weitermachen».

AFP/rbi/fko

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