IS soll Chemiewaffen im Irak eingesetzt haben

Kurdische Vertreter im Irak werfen der Terrormiliz IS vor, bei einem Selbstmordanschlag Ende Januar Chlorgas gegen Peshmerga-Kräfte verwendet zu haben. Das Giftgas ist seit 1997 verboten.

Soldaten im «heiligen» Krieg: IS-Kämpfer paradieren am Tag des angeblichen Giftgas-Einsatzes auf Mosuls Hauptstrasse. (23. Januar 2015)

Soldaten im «heiligen» Krieg: IS-Kämpfer paradieren am Tag des angeblichen Giftgas-Einsatzes auf Mosuls Hauptstrasse. (23. Januar 2015)

(Bild: Keystone)

Kurdische Behörden im Irak haben nach eigenen Angaben Beweise dafür, dass die Terrorgruppe Islamischer Staat Chlorgas als Chemiewaffe gegen Peshmerga-Kämpfer eingesetzt hat. Vom IS gab es zunächst keine Reaktion auf den Vorwurf, der im Zusammenhang mit einem Bombenanschlag vom 23. Januar im Norden des Iraks steht.

Chlorgas wurde erstmals im Ersten Weltkrieg als Waffe eingesetzt. Inzwischen ist es durch die Chemiewaffenkonvention von 1997 verboten.

Der Sicherheitsrat der Region Kurdistan teilte in einer Erklärung mit, der mutmassliche Chemiewaffenangriff habe sich auf einer Strasse zwischen der zweitgrössten irakischen Stadt Mossul und der syrischen Grenze ereignet. Zu dem Zeitpunkt hätten Peshmerga-Kräfte um die Einnahme einer wichtigen Versorgungslinie gekämpft, die von den sunnitischen IS-Extremisten benutzt wurde.

Der Sicherheitsrat erklärte, seine Kämpfer hätten später «rund 20 Gas-Kanister» gefunden, die auf einen Lastwagen geladen worden seien, der in den Selbstmordanschlag involviert war.

Spuren von Chlor entdeckt

Ein Beamter des kurdischen Sicherheitsrats sagte, Dutzende Peshmerga-Kämpfer seien nach der Attacke wegen «Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und allgemeiner Schwäche» behandelt worden.

Nach Angaben der Kurden wurden Kleidungs- und Bodenproben von der Stelle von einem Labor in einem Partnerland der Koalition untersucht, dessen Name nicht genannt wurde. Das Labor habe Spuren von Chlor entdeckt. «Die Tatsache, dass ISIS auf solche Taktiken setzt, zeigt, dass er die Initiative verloren hat und auf verzweifelte Massnahmen zurückgreift», erklärte die kurdische Regierung unter Verwendung einer alternativen Abkürzung für den Islamischen Staat.

Chlor, als Waffe eingesetzt, kann dazu führen, dass Opfer ersticken. Im syrischen Bürgerkrieg kamen bei einem Chlorgasangriff am Rande der Hauptstadt Damaskus 2013 Hunderte Menschen ums Leben. Die USA und ihre westlichen Verbündeten machten die Regierung von Präsident Bashar al-Assad für die Attacke verantwortlich, während Damaskus Rebellen beschuldigte. Die von den USA angedrohten Luftangriffe blieben aus, weil Assad in die Vernichtung seiner Chemiewaffenbestände einwilligte.

Es gab bereits mehrere Vorwürfe, wonach der Islamische Staat Chlor eingesetzt haben soll. Im Oktober behaupteten irakische Beamte, IS-Extremisten hätten möglicherweise mit Chlor gefüllte Zylinder bei Gefechten in den Städten Balad und Duluija eingesetzt. Es gab zudem Berichte aus der syrischen Grenzstadt Kobane, denen zufolge die Extremistengruppe Chlor zu ihrem Waffenarsenal hinzugefügt haben soll. Der IS kontrolliert je ein Drittel des Iraks und Syriens.

pst/sda

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