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Jihadisten erobern Hauptquartier der Kurden

Erbitterte Strassenkämpfe: In Kobani versucht die IS-Miliz mit aller Macht an die türkische Grenze vorzustossen. Die UNO warnt vor einem Massaker.

Weiterhin eine umkämpfte Stadt: Ein kurdischer Kämpfer in Kobane. (14. November 2014)
Weiterhin eine umkämpfte Stadt: Ein kurdischer Kämpfer in Kobane. (14. November 2014)
AP Photo/Jake Simkin
Die Kämpfe halten an: Explosion in Kobane. (24. Oktober 2014)
Die Kämpfe halten an: Explosion in Kobane. (24. Oktober 2014)
Sedat Suna/EPA
Die Jihadisten kontrollieren Teile der Grenze zur Türkei: IS-Kämpfer auf der syrischen Seite nahe der türkischen Ortschaft Sanliurfa. (1. Oktober 2014)
Die Jihadisten kontrollieren Teile der Grenze zur Türkei: IS-Kämpfer auf der syrischen Seite nahe der türkischen Ortschaft Sanliurfa. (1. Oktober 2014)
Sedat Suna/EPA
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Trotz internationaler Luftschläge ist die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) näher an die türkische Grenze bei Kobani herangerückt. Nach erbitterten Gefechten erlitten die kurdischen Milizen einen schweren Rückschlag und verloren ihr Hauptquartier in Kobani an die IS.

Inzwischen kontrollierten die IS-Extremisten 40 Prozent der nordsyrischen Grenzstadt und stünden kurz davor, die verbliebenen kurdischen Kämpfer «vollständig zu umzingeln», berichtete die in London ansässige oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der UNO-Sondergesandte für Syrien befürchtet ein Massaker an den eingekesselten Zivilisten.

(Video: Reuters)

Seit Montag gibt es in Kobani (arabisch: Ain al-Arab) erbitterte Strassenkämpfe, wobei die sunnitischen Fanatiker des so genannten Islamischen Staates (IS) trotz internationaler Luftangriffe immer wieder vorrücken konnten. Bereits gestern nahmen sie das Hauptquartier der kurdischen Polizei ein, das im gleichen Stadtviertel liegt wie die Kommandozentrale der Volksverteidigungseinheiten (YPG) und der Gemeinderat.

Die militärisch unterlegenen Verteidiger Kobanis kämpfen nun mit aller Macht darum, die letzte Fluchtroute für die mehr als 10'000 verbliebenen Zivilisten in der Stadt offenzuhalten. Laut dem UNO-Sondergesandten Staffan de Mistura halten sie nur noch einen schmalen Korridor zur türkischen Grenze.

Türkei scheut Intervention

Die Frontlinie verläuft mittlerweile bloss 1300 Meter entfernt von der türkischen Grenze. Dort hat die Türkei zwar Truppen zusammengezogen, vor einer Intervention schreckt sie bislang aber zurück, obwohl Kobani ohne die Entsendung von Bodentruppen nicht zu halten sein dürfte.

Zwar gab es auch in der Nacht im Süden und Osten der Stadt Luftangriffe der US-geführten Militärallianz. Doch zeigten diese wenig Wirkung. Der Beobachtungsstelle in Grossbritannien zufolge bewegen sich die IS-Kämpfer inzwischen mit Motorrädern, um Luftangriffen zu entgehen.

Laut US-Regierungskreisen hält Washington die Stadt Kobani nicht für strategisch bedeutsam. Deshalb habe der Kampf gegen den IS im Irak Vorrang, wo es mit der kurdischen Peschmerga-Miliz und den Regierungstruppen schlagkräftigere Helfer gebe.

Erinnerung an Srebrenica

De Mistura rief die Türkei auf, kurdische Flüchtlinge zurück über die Grenze zu lassen, damit sie sich an der Verteidigung von Kobani beteiligen können. Zudem drängte er Ankara mit ungewöhnlich offenen Worten, die internationale Militärallianz vom eigenen Territorium aus zu unterstützen.

Bei einer Eroberung Kobanis durch die Islamisten drohe ein ähnliches Massaker an Zivilisten wie 1995 in Srebrenica, als bosnisch-serbische Milizen rund 8000 muslimische Jungen und Männer ermordeten, sagte der UNO-Sondergesandte für Syrien weiter.

Mit eiserner Hand gegen Demonstranten

Um gegen die zögerliche Syrien-Politik Ankaras zu protestieren, gingen in den vergangenen Tagen tausende Kurden in mehr als 30 türkischen Städten auf die Strasse. Bei Zusammenstössen mit der Polizei sowie mit Islamisten und Nationalisten wurden nach Regierungsangaben mindestens 31 Menschen getötet und hunderte verletzt, zudem gab es über tausend Festnahmen.

«Die Türkei ist kein Land, dass seine Innen- oder Aussenpolitik an den gewaltsamen Handlungen von Strolchen und Terroristen ausrichtet», sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan dazu. Und die Türkei sei auch «kein Land, das aus Angst vor Strassenprotesten von seinem Kurs abweicht».

AP/AFP/sda/ajk/rub/mw

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