Krokodil oder Küken? Wahl in Zimbabwe verläuft friedlich

Zimbabwe sucht den Nachfolger von Langzeit-Diktator Robert Mugabe. Bricht das Land heute mit seiner repressiven Vergangenheit?

Mnangawa oder Chamisa? Zimbabwe wählt einen neuen Präsidenten - und ein neues Parlament. Video: Reuters

Zum ersten Mal seit fast vier Jahrzehnten haben in Zimbabwe freie Wahlen stattgefunden. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Robert Mugabe im vergangenen November gingen die Bürger am Montag weitgehend friedlich zu den Urnen, um einen Präsidenten zu wählen und das Parlament sowie die Kommunalvertretungen neu zu besetzen. Vor vielen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen. Die Opposition beklagte Manipulationsversuche.

Video – Drohne zeigt lange Menschenschlange vor Wahllokal

Die beiden aussichtsreichsten Bewerber für das Präsidentenamt, Oppositionsführer Nelson Chamisa und Amtsinhaber Emmerson Mnangagwa, zeigten sich siegessicher. Bei einer «echten Wahl» ist «der Sieg uns sicher», sagte Chamisa von der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) bei der Stimmabgabe in Harare. In einer Twitter-Botschaft beklagte er später «gezielte Versuche», in den Hochburgen seiner Partei die Stimmabgabe zu unterdrücken.

Mugabes Nachfolger Mnangagwa von der Regierungspartei Zanu-PF sagte bei der Abstimmung in seinem Geburtsort Kwekwe, er sei «sehr glücklich, dass der Wahlkampf friedlich war und die Abstimmung heute friedlich ist».

Wahlbeobachter sprechen von «Mängeln»

Der Chef der EU-Wahlbeobachtermission, der CDU-Politiker Elmar Brok, sprach von «Mängeln» bei der Wahl, denen nachgegangen werden müsse. «Wir wissen noch nicht, ob dies systematisch passiert ist oder ob es sich nur um schlechte Organisation in einigen Wahlbüros handelte», sagte Brok der Nachrichtenagentur AFP. Insgesamt habe die Wahl «riesigen» Zuspruch gefunden - «vor allem bei jungen Leuten, meistens in sehr guter Atmosphäre und friedlich, was positiv ist».

Am Abend schlossen die Wahllokale. Die Ergebnisse werden für den 4. August erwartet. Sollte keiner der insgesamt 23 Präsidentschaftskandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen, kommt es am 8. September zur Stichwahl. Schon sehr früh am Montagmorgen (Ortszeit) hatten sich lange Schlangen vor den Wahllokalen gebildet. Bereits am Mittag sprach die Präsidentin der Wahlkommission, Priscilla Chigumba, von einer hohen Beteiligung.

Mugabe wählt nicht die eigene Partei

Der 94-jährige Mugabe hatte am Sonntag bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz die Wähler dazu aufgerufen, seine ehemalige Partei Zanu-PF abzuwählen. «Ich kann nicht für die wählen, die mich gequält haben», sagte Mugabe und deutete an, für die MDC zu stimmen.

Zimbabwes Militär hatte im November die Kontrolle übernommen und Mnangagwa, einem ehemaligen Vertrauten Mugabes, zur Macht verholfen. Innerhalb weniger Tage endete Mugabes 37-jährige Herrschaft.

Wahlen unter der Mugabe-Herrschaft bedeuteten Betrug und Gewalt. Auch nach seinem Sturz gab es Befürchtungen, dass die Stimmabgabe manipuliert werden könnte. Die MDC beklagte ein fehlerhaftes Wählerverzeichnis, Missbrauch von Stimmzetteln und Wählereinschüchterung. Zudem warf die Partei der Wahlkommission Befangenheit vor.

«Ich habe keine Angst»

Präsident Mnangagwa, der beschuldigt wird, unter Mugabes Herrschaft an Wahlbetrug und Gewalt beteiligt gewesen zu sein, hatte internationale Beobachter zu der historischen Wahl eingeladen.

In Harare machte der 28-jährige Tawanda Petru kein Geheimnis aus seiner Entscheidung: «Ich werde für Chamisa stimmen, für den Wechsel. Ich habe keine Angst.» Der Arbeitslose hofft auf ein «besseres Zimbabwe für meine Kinder». Dagegen sagte die 80-jährige Robina Mayobongwe, sie habe für Mnangagwa gestimmt. Den «Jungen» sei nicht zu trauen, sie wollten den Kolonialherren das Land zurückgeben.

Die künftige Regierung muss sich um die Massenarbeitslosigkeit, den Zusammenbruch der Landwirtschaft, Hyperinflation und den Abfluss ausländischer Investitionen kümmern. Das zuvor stabile Gesundheits- und Bildungssystem des Landes liegt in Trümmern, Millionen Zimbabwer sind auf der Suche nach Arbeit ins Ausland geflohen. Die Lebenserwartung hat mit 61 Jahren erst vor kurzem wieder das Niveau aus dem Jahr 1985 erreicht.

Die beiden Kandidaten im Profil

Emmerson Mnangagwa: Der 75-Jährige ist ein Veteran der von der Unabhängigkeitsbewegung zur Regierungspartei transformierten Zanu-PF. Im Kampf um die Nachfolge Mugabes mit dessen Frau Grace floh er zwischenzeitlich aus Angst um sein Leben nach Mosambik.

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers kehrte er zurück und übernahm das Präsidentenamt. Im Wahlkampf präsentierte er sich als Garant für «ein neues Zimbabwe» und versprach die am Boden liegende Wirtschaft des südafrikanischen Landes wiederzubeleben. Als Symbol für einen Neubeginn taugt der pragmatische und untersetzte Mnangagwa allerdings kaum - zu eng war er lange Zeit mit dem Herrschaftssystem Mugabes und der brutalen Unterdrückung der Opposition verflochten. Geboren wurde Mnangagwa 1942 im Bezirk Zvishavana im Südwesten des damals noch unter britischer Kolonialherrschaft stehenden Rhodesien. Einige Jahre später zog er mit seiner Familie in den Nachbarstaat Sambia.

1966 schloss er sich den Unabhängigkeitskämpfern an. Sein Spitzname «Krokodil» geht zurück auf seine gleichnamige Guerilla-Einheit während des Unabhängigkeitskampfes. Als Mugabe das Land 1980 in die Unabhängigkeit führte, machte er den jungen Rechtsreferendar Mnangagwa zu seinem Minister für Nationale Sicherheit. Auf dem Posten verantwortete er 1983 brutale Unterdrückungsmassnahmen in den Provinzen Matabeleland und Midlands, bei denen rund 20.000 Menschen getötet worden sein sollen. Seit er Präsident wurde, hat er Forderungen nach einer Entschuldigung abgebügelt. «Was passiert ist, ist passiert», sagte er zu den Massakern.

Nelson Chamisa:

Eher zierlich gebaut, energetisch und fröhlich, ist der Oppositionsführer schon optisch ein echter Gegensatz zum politischen Schwergewicht Mnangagwa. Im Februar wurde Chamisa 40 und ist damit laut Verfassung gerade alt genug, um Präsident Zimbabwes zu werden.

Doch trotz seines vergleichsweise jungen Alters kann der Vorsitzende der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) bereits auf eine lange politische Karriere zurückblicken. Er schloss sich der MDC bei deren Gründung 1999 an, als er noch Student war.

Geboren in Masvingo, etwa 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Harare, studierte Chamisa Jura, Politikwissenschaften und Theologie, arbeitete später als Anwalt und Pfarrer. In den späten 90ern organisierte er Demonstrationen gegen die Mugabe-Regierung. Im Jahr 2007 wurde er mit Knüppeln und einer Eisenstange krankenhausreif geprügelt, wahrscheinlich von Zanu-PF-Schlägern. Als Ziehsohn des im Februar verstorbenen Parteigründers Morgan Tsvangirai stieg er schnell innerhalb der MDC auf. Nach der Wahl von 2008 war er als Informationsminister das jüngste Mitglied der Koalitionsregierung aus MDC und Zanu-PF.

Über die Jahre hat sich Chamisa einen Ruf als leidenschaftlicher und humorvoller Redner erarbeitet. Während des Wahlkampfs schaffte er es, sich durch Angriffe auf die Regierungspartei und die Wahlbehörden zu profilieren. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP zeigte er sich überzeugt, auf einer Welle jugendlichen Optimismus zum Erfolg reiten zu können. «Der Sieg ist unausweichlich», sagte er.

sda/afp/ta

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