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Libyen fängt fast tausend Flüchtlinge im Mittelmeer ab

Am Sonntag hat die Küstenwache fast tausend Bootsflüchtlinge aufgegriffen und zurück nach Libyen gebracht.

Auf dem Weg nach Italien aufgegriffen: Die Küstenwache mit den Bootsflüchtlingen bei der Ankunft in Tripolis. (24. Juni 2018)
Auf dem Weg nach Italien aufgegriffen: Die Küstenwache mit den Bootsflüchtlingen bei der Ankunft in Tripolis. (24. Juni 2018)
Mahmud Turkia, AFP

Die libysche Küstenwache hat am Sonntag in mehreren Einsätzen 948 afrikanische Migranten in Schlauchbooten aufgegriffen und dabei auch zehn Leichen geborgen. Seit vergangener Woche brachte sie damit fast 2000 Menschen, die über das Mittelmeer nach Europa wollten, zurück an die libysche Küste.

Die Flüchtlinge seien in mehreren Gruppen aufgegriffen worden, sagte ein Sprecher der Küstenwache der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Gruppe umfasste demnach 97 Personen und eine zweite 361. In den beiden Gruppen seien 110 Frauen und 70 Kinder gewesen.

Ein Augenzeuge berichtete zudem von der Ankunft eines weiteren Schiffes. Darin seien 490 Personen gewesen. Die meisten dieser Bootsflüchtlinge versuchen, über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen. Sie setzen ihre Hoffnung auch darauf, von Schiffen internationaler Hilfsorganisationen aufgenommen werden.

Schiffe dürfen in Italien weiterhin nicht anlegen

Seit Mittwoch griff die libysche Marine fast 2000 Flüchtlinge auf, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollten. Weitere gerettete Flüchtlinge warten derweil auf Schiffen darauf, in einen europäischen Hafen einlaufen zu dürfen. Italien verweigert inzwischen Hilfs- und Handelsschiffen, die Flüchtlinge an Bord haben, in den Häfen des Landes anzulegen. Die Behörden werfen den Helfern vor, die Menschen schon in den Küstengewässern Libyens aufzunehmen und damit den kriminellen Schleppern in die Hände zu spielen.

Innenminister Matteo Salvini bekräftigte diese Haltung am Sonntag. Er forderte Nichtregierungsorganisationen zudem auf, die Rettung von Flüchtlingen zu unterlassen und dies den libyschen Behörden zu überlassen. Hilfsorganisationen warnen jedoch davor, Flüchtlinge zurück nach Libyen bringen zu lassen, da ihnen dort eine menschenunwürdige Behandlung droht.

Am Montag reiste Salvini nach Libyen, wie er im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte. «Mission Libyen, los geht's» schrieb der Chef der fremdenfeindlichen Lega-Partei und veröffentlichte ein Selfie an Bord eines Militärflugzeugs.

Libyen fordert Massnahmen von Europa

Libyens Vize-Ministerpräsident Ahmed Meitik sagte der italienischen Zeitung «La Repubblica», sein Land strebe eine enge Kooperation mit Italien an, um gegen Schleuser vorzugehen. «Die Zusammenarbeit mit Italien ist entscheidend», sagte er. Dass Flüchtlinge Libyen als Transitland für die Reise nach Europa nutzen, sei für sein Land «ein grosses Problem». Die Schleuser seien «gefährliche kriminelle Banden», die eine Normalisierung der Lage in Libyen erschwerten.

Meitik forderte die Europäer auf, «strukturelle Massnahmen in den afrikanischen Ländern zu ergreifen, um die Migranten zu stoppen». Er äusserte sich ausserdem «besorgt» über die Krise zwischen Frankreich und Italien. Beide seien «Säulen der EU» und strategisch wichtig für die Sicherheit Libyens und des Mittelmeers. Rom hatte Paris vorgeworfen, zu wenige Flüchtlinge aufzunehmen. Zuvor hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Italien dafür kritisiert, das Flüchtlingsschiff «Aquarius» abgewiesen zu haben.

AFP/sep

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