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Libyen verspricht Saif ein faires Verfahren

Nach seiner Verhaftung soll dem zweitältesten Sohn von Muammar al-Ghadhafi, Saif al-Islam, der Prozess gemacht werden. Offen bleibt bisher wo – in Libyen oder in Den Haag.

Die Flucht ist zu Ende: Saif al-Islam im Flugzeug, das ihn in die libysche Stadt Sintan bringt.
Die Flucht ist zu Ende: Saif al-Islam im Flugzeug, das ihn in die libysche Stadt Sintan bringt.
Reuters

Der meistgesuchte Ghadhafi-Sohn ist gefasst: Milizionäre der Übergangsregierung in Libyen verhafteten Saif al-Islam al-Ghadhafi im Süden des Landes. Der 39-jährige Sohn des einstigen Machthabers Muammar al-Ghadhafi wurde auch mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Die libysche Übergangsregierung bestätigte die Festnahme des zweitältesten Ghadhafi-Sohns, wie der Nachrichtensender al-Arabiya berichtete. Das libysche Fernsehen zeigte Saif al-Islam kurz nach seiner Festnahme in einem Beweis-Video lebendig. Einer der Männer, die den 39-Jährigen fassten, sagte: «Saif al-Islam hat um sein Leben gebangt. Er dachte, dass ihm dasselbe Schicksal wie seinem Vater droht.» Bei der Festnahme sei jedoch kein einziger Schuss gefallen.

Verletzung von Nato-Angriff

Der Ghadhafi-Sohn wurde von Milizionären der Übergangsregierung auf dem Weg Richtung Niger gestellt. «Er wurde mit zwei Helfern in der Gegend von Al Obari im Süden Libyens verhaftet», sagte der Militärkommandant Baschir al-Tuleib heute auf einer Medienkonferenz in der Hauptstadt Tripolis. Nach seiner Festnahme im rund 650 Kilometer südlich von Tripolis gelegenen Ort sei er nach Sintan im Westen Libyens gebracht worden.

Im Flugzeug, das Saif nach Sintan brachte, sagte er zu einem Reuters-Reporter, dass es ihm gut gehe. Auf seine Verletzung an der rechten Hand angesprochen erklärte Saif, dass diese von einem Luftangriff der Nato vor einem Monat stamme.

Die Nachricht von der Ergreifung des Ghadhafi-Sohnes wurde in ganz Libyen mit Hupkonzerten und Freudenschüssen gefeiert. Bei dessen Ankunft in Sintan versuchten einige Menschen, das Flugzeug zu stürmen.

Das liberale Aushängeschild

Saif al-Islam wurde 1972 geboren und ist das älteste Kind von Muammar und Safija Gaddafi. Er hatte lange Zeit als das liberale Gesicht des Despotenclans gegolten - smart, eloquent, weltmännisch. Nach dem Umsturz in Libyen trat er aber als Scharfmacher ins Rampenlicht.

Seine letzten grossen Auftritt hatte er Ende August, als er kurz nach der Eroberung von Tripolis durch die Rebellen mitten in der Nacht vor einem internationalen Hotel auftauchte und vor Journalisten den Sieg des Gaddafi-Regimes verkündete. Nach der Eroberung der Hauptstadt durch die Rebellen tauchte er unter. Seine Brüder starben entweder bei Kämpfen gegen die Rebellen oder flohen ins benachbarte Ausland.

Ocampo will nach Libyen reisen

Wegen des Vorwurfs der Verbrechen gegen die Menschlichkeit stellte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (IStGH) Ende Juni einen Haftbefehl gegen Saif al-Islam aus. Er soll eine Schlüsselrolle beim gewaltsamen Vorgehen gegen die Protestbewegung gegen seinen Vater gespielt haben.

Der Chefankläger des Strafgerichtshofs, Luis Moreno-Ocampo, erklärte, er werde in Kürze nach Libyen reisen. Dann werde er die nächsten Schritte klären. Wichtig sei vor allem, dass der Ghadhafi-Sohn vor Gericht gestellt werde. «Wo und wie, darüber werden wir reden.»

Libyen garantiert faires Verfahren

Die Europäische Union drängte die libysche Übergangsregierung ebenfalls dazu, für eine Prozess in voller Kooperation mit dem Strafgerichtshof zu sorgen. Die Nato zeigte sich zuversichtlich, dass Libyen zusammen mit dem Strafgerichtshof für ein gerechtes Verfahren sorgen kann.

Das Verfahren gilt als Test für eine neue Regierung in Libyen. Der Tod Ghadhafis in den Händen der Rebellen hatte die Übergangsregierung international in Bedrängnis gebracht. Ghadhafi war am 20. Oktober, zwei Monate nach der Eroberung der Hauptstadt Tripolis getötet worden. Die genauen Todesumstände sind bis heute nicht vollständig geklärt.

Libyens Regierungschef Abdulrahim al-Kib sagte Saif al-Islam eine faire Gerichtsverhandlung zu. Gleichzeitig machte er wie zuvor bereits Justizminister Mohamed al-Alaki klar, dass dem prominenten Gefangenen in Libyen der Prozess gemacht werden soll. «Wir respektieren die internationale Rechtssprechung, aber es ist das Recht unseres Volkes, ihn hier vor Gericht zu stellen», sagte al-Kib an einer Medienkonferenz in Sintan.

AFP/sda/kle/wid

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