Mindestens 14 Tote und 145 Verletzte bei Anschlag in Kabul

Trotz laufender Gespräche über Wege zu Frieden in Afghanistan dauert die Gewalt im Land unvermindert an.

Ganze Häuserfronten und Dächer wurden bei der Detonationzerstört. (Foto: Reuters)

Ganze Häuserfronten und Dächer wurden bei der Detonationzerstört. (Foto: Reuters)

Bei einem Autobomben-Angriff auf ein Polizeigebäude in der Hauptstadt Kabul sind mindestens 14 Menschen getötet und mindestens 145 weitere verletzt worden.

Der Grossteil der Opfer seien Zivilisten, sagte Vizeinnenminister Choschal Sadat am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Nach Angaben des Ministeriums detonierte die Bombe am Morgen (Ortszeit) vor dem Eingang des Gebäudes im Westen der Stadt. In der unmittelbaren Umgebung befindet sich auch eine Militärschule. Zu der Bluttat bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Nach den Angaben der Islamistengruppe wurde der Anschlag von einem Selbstmordattentäter verübt. Der Sprengsatz war laut Innenministerium in einem Auto platziert. Nach Angaben der Taliban war er dagegen in einem Lastwagen installiert, also von noch grösserer Wucht als eine Autobombe.

Gewaltige Zerstörung

Die Explosion sandte eine gewaltige Rauchwolke in den Himmel über der Hauptstadt. Rund um einen Krater mit mehreren Metern Durchmesser waren zahlreiche massive Betonschutzwände wie Dominosteine umgefallen. Ganze Häuserfronten und Dächer fehlten, mehrere Polizeiautos waren zerstört. Im Anschluss an die Explosion waren laut Zeugen und Webvideos Schüsse zu hören.

Bei den Todesopfern handle es sich um zehn Zivilisten und vier Polizisten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Unter den Verletzten seien 92 Zivilisten. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid erklärte indessen, es seien «Dutzende von Soldaten und Polizisten getötet worden». Der Angriff habe sich gegen ein «feindliches Rekrutierungszentrum» gerichtet.

Auch der gut vernetzte Journalist Bilal Sarwari twitterte, die Opferzahl sei viel höher als von den Behörden angegeben. Mindestens 43 Menschen seien ums Leben gekommen, schrieb Sarwari unter Berufung auf «mehrere Quellen».

Friedensgespräche und Wahlen

Die Taliban führen derzeit Friedensgespräche mit der US-Regierung. Zugleich haben sie aber die Bevölkerung zu einem Boykott der für Ende September angesetzten Präsidentenwahlen aufgerufen. Auch riefen sie in einer Erklärung am Dienstag zu Gewaltakten gegen den geplanten Urnengang auf.

Der massive Anschlag warf Fragen bei Afghanen darüber auf, wie ernst es die Taliban mit Frieden wirklich meinen. Hochrangige Vertreter der Taliban sprechen seit Juli 2018 mit den USA über eine politische Beilegung des fast 18 Jahre dauernden Konflikts. Aktuell läuft die achte Verhandlungsrunde unter Führung des US-Chefunterhändlers Zalmay Khalilzad im Golfemirat Katar. In den vergangenen Tagen hatten sich beide Seiten optimistisch gezeigt, bald zu einer Einigung zu kommen.

Laut Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid diskutierte am Mittwoch nur ein Teil der Verhandlungsdelegationen. Ein Komitee arbeite an technischen Fragen.

Wachsende Gewalt

Der Anschlag auf das Polizeigebäude in Kabul war der 16. grössere Angriff in der Hauptstadt Kabul seit Januar. Bei den vorherigen 15 wurden laut Behördenangaben fast 100 Menschen getötet und fast 600 verletzt. Allerdings sind Regierungsbeamte dafür bekannt, Opferzahlen für die Öffentlichkeit gering zu halten. Zu den Angriffen hatten sich teils die Taliban, teils die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Laut Angaben der Uno-Mission in Afghanistan (Unama) ist die Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan im Juli signifikant gestiegen. Vorläufigen Ergebnissen zufolge sind mehr als 1500 Zivilisten verletzt oder getötet worden. Dies sei die höchste Monatszahl seit Mai 2017. Damit wurden allein im Juli fast halb so viele zivile Opfer verzeichnet wie im gesamten ersten Halbjahr 2019.

sda

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