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Noam Shalit: Gilad braucht jetzt Zeit

Der Vater des israelischen Soldaten hat sich bei der Öffentlichkeit für die Unterstützung bedankt. Sei Sohn müsse sich jetzt von den körperlichen und seelischen Wunden erholen.

Bleich und dünn: Shalit salutiert bei seiner Ankunft in Israel. (18. Oktober 2011)
Bleich und dünn: Shalit salutiert bei seiner Ankunft in Israel. (18. Oktober 2011)
Keystone
Zeit für die Heilung: Gilad Shalit, sein Vater Noam (r.) und Benjamin Netanyahu. (18. Oktober 2011)
Zeit für die Heilung: Gilad Shalit, sein Vater Noam (r.) und Benjamin Netanyahu. (18. Oktober 2011)
Reuters
Stehen Wache: Hamas-Truppen warten an der Hauptstrasse in Khan Younis im Gazastreifen. (18. Oktober 2011)
Stehen Wache: Hamas-Truppen warten an der Hauptstrasse in Khan Younis im Gazastreifen. (18. Oktober 2011)
Keystone
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Der Vater des am Dienstag aus der Gefangenschaft der Hamas befreiten israelischen Soldaten Gilad Shalit hat sich bei der israelischen Öffentlichkeit für die jahrelange Unterstützung bedankt und um Respekt für die Privatsphäre der Familie gebeten. Sein Sohn sei gesund, werde aber Zeit brauchen, um sich von den physischen und psychischen Wunden der fünf Jahre andauernden Gefangenschaft zu erholen, sagte er zu Journalisten vor dem Haus der Familie in dem Ort Mitspe Hila in Nordisrael.

Sein Sohn leide an Schrapnellwunden, die ihm offenbar bei seiner Entführung 2006 zugefügt worden seien und unter einem Mangel an Tageslicht, sagte Noam Shalit. Ausserdem tue der 25-Jährige sich mit der ganzen Aufmerksamkeit, die auf ihn gerichtet sei schwer.

Gilad könne nach den Jahren der Isolation, in denen er sich nicht mit Menschen in seiner Sprache unterhalten und nur mit seinen Entführern kommunizieren konnte nicht so vielen Menschen ausgesetzt werden, sagte Noam Shalit. Bislang habe sein Sohn nicht viel über seine Gefangenschaft geredet, nur, dass die Behandlung anfangs schlecht war, in den letzten Jahren aber besser geworden sei.

Zum ersten Mal im Heimatort

Der nach fünf Jahren aus Hamas-Gefangenschaft befreite israelische Soldat Gilad Shalit zeigt laut einem israelischen Militärsprecher Zeichen von Unterernährung und war offenbar selten dem Tageslicht ausgesetzt, wie eine Untersuchung durch Militärärzte ergab. Auch bei einem Interview im ägyptischen Fernsehen und auf Videoclips im Internet, die das israelische Militär veröffentlichte, wirkte Shalit schwach, bleich und extrem dünn. Unmittelbar nach seiner Freilassung wurde Shalit nach Angaben der israelischen Armee zunächst am Militärstützpunkt Amitai medizinisch untersucht.

Shalit ist wenige Stunden nach seiner Freilassung in seinem Heimatdorf Mispe Hila eingetroffen. Die Bewohner der Ortschaft im Norden Israels begrüssten den 25-Jährigen mit Jubel, Gesängen und Blumen. Der lächelnde junge Mann entstieg auf einem Feld bei Mispe Hila einem Militärhubschrauber und fuhr dann mit einem Fahrzeugkonvoi in die Ortschaft. Dort hatten sich Ende der 1980er Jahre seine Eltern Noam und Aviv angesiedelt, um eine Pension auf dem Land zu eröffnen.

Von Netanyahu begrüsst

Der von der radikalislamischen Hamas freigelassene israelische Soldat Gilad Shalit ist heute zum lang ersehnten Wiedersehen mit seiner Familie auf dem Luftwaffenstützpunkt Tel Nof eingetroffen. Shalit landete mit einem Militärhubschrauber in Tel Nof. Dort warteten seine Eltern, Noam und Aviva Shalit. Sie hatten sich seit seiner Verschleppung vor mehr als fünf Jahren unermüdlich für seine Freilassung eingesetzt. Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu war am Flughafen anwesend und begrüsste den befreiten Soldaten.

Der israelische Fernsehsender Channel 2 strahlte ägyptische Fernsehbilder aus, die Shalit nach seiner Freilassung in Begleitung von Sicherheitskräften zeigten. Der 25-Jährige wirkte abgemagert und erschöpft. In einem ersten Interview mit dem ägyptischen Fernsehen sagte Shalit jedoch, es gehe ihm gut. «Ich fühle mich gesund», betonte er. Von seiner bevorstehenden Freilassung habe er vor etwa einer Woche erfahren. Er hoffe, dass der Gefangenenaustausch zum Frieden zwischen Israel und den Palästinensern führen könne, sagte Shalit.

Erste Häftlinge freigelassen

Im Gegenzug für die Freilassung Shalits kamen laut einer Vereinbarung mit der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas zunächst 477 von insgesamt 1027 palästinensischen Gefangenen frei. Im Gazastreifen feierten Tausende Menschen die Ankunft von Häftlingen, die Israel im Tausch gegen den 2006 entführten Soldaten Gilad Shalit freigelassen hat. Nach israelischen Behördenangaben wurden auch im Westjordanland erste palästinensische Gefangene freigelassen. Etwa 40 Gefangene sollen über Ägypten in Drittländer abgeschoben werden.

Der Gefangenenaustausch lief in der Nacht an, als Israel palästinensische Häftlinge mit Bussen in Richtung der Palästinensergebiete fuhr. Später wurde Shalit nach Ägypten gebracht und dort der israelischen Seite übergeben. Ägypten und auch Deutschland hatten in den Verhandlungen über den Gefangenenaustausch seit Jahren zwischen beiden Seiten vermittelt.

Als Faustpfand verwendet

Shalit war 19 Jahre alt, als militante Palästinenser der Volkswiderstandskomitees und anderer mit der Hamas verbündeter Gruppen ihn am 25. Juni 2006 verschleppten. Die Palästinenser waren dabei durch einen selbst gegrabenen, etwa 800 Meter langen Tunnel vom Gazastreifen auf israelisches Gebiet vorgedrungen und hatten Shalits Panzer in der Nähe des Grenzpostens Kerem Schalom angegriffen. Sie töteten zwei israelische Soldaten und verschleppten Shalit. Israel startete daraufhin eine Grossoffensive im Gazastreifen. Die Hamas hat Shalit ihrerseits seither immer wieder als Faustpfand in Verhandlungen mit Israel verwendet.

Ein erstes Lebenszeichen Shalits gab es erst ein Jahr nach seiner Entführung, als er in einer Audiobotschaft über gesundheitliche Probleme klagte und seine Familie grüsste. Jahrelang zogen sich die Verhandlungen um einen Gefangenenaustausch hin, in denen vor allem Ägypten, aber auch Deutschland vermittelte. Knackpunkt war, welche und wie viele palästinensische Gefangene im Gegenzug freikommen sollten.

Plötzlich ging alles ganz schnell

In Israel führten Shalits Eltern Noam und Aviva eine Kampagne zur Freilassung ihres Sohnes an. Unter anderem gingen 2010 mehr als 10'000 Menschen für den verschleppten Soldaten auf die Strasse. Noam Shalit ersuchte auch in Frankreich Haftbefehle gegen Hamas-Mitglieder, da Gilad französischer und israelischer Staatsbürger ist. Sogar eine PR-Agentur heuerten die Schalits an, um das Schicksal ihres Sohnes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Am Ende ging es schliesslich sehr schnell. Am 11. Oktober verkündeten die israelische Regierung und die Hamas, dass es eine Einigung über Shalits Freilassung gebe. Eine Woche später kam der Soldat frei. Die Befreiung israelischer Gefangenen oder die Rückführung ihrer Leichen ist ein wichtiger Grundsatz der israelischen Streitkräfte. Soldaten werden dazu ausgebildet, niemals einen Kameraden im Kampf zurückzulassen.

AFP/dapd/sda/wid

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