Iranischer Öltanker im Roten Meer von Raketen getroffen

Auf einem Tanker nahe Saudiarabien hat sich laut Teheran eine Explosion ereignet. Die Furcht vor Liefer-Ausfällen treibt den Ölpreis in die Höhe.

Das von der offiziellen Nachrichtenagentur des iranischen Ölministeriums veröffentlichte Foto zeigt den iranischen Öltanker Sabiti im Roten Meer. (11. Oktober 2019) Bild: Shana/AP

Das von der offiziellen Nachrichtenagentur des iranischen Ölministeriums veröffentlichte Foto zeigt den iranischen Öltanker Sabiti im Roten Meer. (11. Oktober 2019) Bild: Shana/AP

Paul-Anton Krüger@pkr77

Auf einem iranischen Öltanker im Roten Meer ist es am Morgen zu zwei separaten Explosionen gekommen, wie iranische Staatsmedien berichteten. Nach Angaben der Nationalen Iranischen Tankergesellschaft (NITC) handelt es sich um den Rohöltanker Sabiti. Das 274 Meter lange Schiff sei möglicherweise von Raketen getroffen worden, hiess es in einer Mitteilung weiter.

Saheb Sadeghi, ein Sprecher die NITC, sagte in einem Telefonat mit dem staatlichen englischsprachigen Sender PressTV, dass die Raketen aus der Richtung Saudiarabien gekommen seien. Belege für einen Beschuss gab es zunächst nicht. Im Laufe des Freitags zog die NITC ihre Darstellung des Vorfalls zurück. Ein Sprecher sagte, die Ursache der Explosionen sei unklar.

Der Sprecher des Aussenministeriums in Teheran, Abbas Moussavi, sagte, der Tanker sei zwei Mal von einem Ort nahe der Schifffahrtstrasse im östlichen Roten Meer getroffen worden. Er liess damit offen, ob ein möglicher Angriff von der Küste ausgegangen sein könnte oder etwa von einem Boot. Inseln gibt es in dem Seegebiet nicht. Die Untersuchungen zu den Details und Urhebern dieses «gefährlichen Aktes» dauerten an. Er machte sich damit eine Schuldzuweisung in Richtung Saudiarabien nicht zueigen.

Der Angriff hat sich im Roten Meer vor der Hafenstadt Jeddah ereignet. Karte: Google

Die Spannungen zwischen Iran auf der einen und den USA sowie deren Verbündeten wie Saudiarabien auf der anderen Seite waren in den vergangenen Wochen bis an den Rand eines Krieges eskaliert. Washington und Riad machen die Revolutionsgarden für Attacken mit Minen auf insgesamt sechs Tanker im Golf von Oman und der Strasse von Hormus im Mai und Juni verantwortlich ebenso wie für einen Angriff mit Drohnen und Marschflugkörpern auf ein Ölfeld und eine wichtige Anlage zur Ölverarbeitung in Saudiarabien. Iran hatte zudem eine US-Aufklärungsdrohne über der Strasse von Hormus abgeschossen.

US-Präsident Donald Trump hatte einen bereits befohlenen Vergeltungsangriff in letzter Minute gestoppt. Auch hat Saudiarabien bislang nicht militärisch auf den Angriff auf seine Ölindustrie reagiert. Es gab im Gegenteil etliche Anzeichen, dass sich die Anrainerstaaten des Persischen Golfs um Entspannung bemühen. Trump hatte sich während der UN-Generalversammlung mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani treffen wollen, wozu der jedoch nur bereit gewesen wäre, wenn Trump zuvor die Sanktionen gegen Iran zumindest ausgesetzt hätte.

Öl läuft ins Meer

Das möglicherweise getroffene Schiff befand sich zur Zeit der Detonationen um 5.00 Uhr und 5.20 Uhr morgens öffentlich zugänglichen Transponderdaten zufolge 115 Kilometer von der Küste Saudi-Arabiens entfernt südwestlich der Hafenstadt Dschidda. Die Nachrichtenagentur des iranischen Ölministeriums, Shana, dementierte Berichte, wonach das Schiff in Brand stehe und verbreitete Fotos des Tankers, die von der Brücke aus aufgenommen wurden und einen Datumsstempel des heutigen Tages tragen. Ihre Echtheit liess sich unabhängig nicht verifizieren, Schäden sind darauf nicht erkennbar. Allerdings zeigen die Aufnahmen nur das Deck, nicht die Bordwände.

Laut der NITC gab es keine Verletzten an Bord. Die beiden Haupttanks des Schiffs seien beschädigt worden, und es laufe Öl aus. Zunächst hatte es geheissen, der Austritt sei gestoppt worden, später hiess es aber, dass wieder Öl ins Meer gelange. Das Schiff sei aber stabil. Nach den Transponderdaten und den Fotos fuhr es weiter. Aus Saudiarabien gab es zunächst keine Informationen über das Geschehen. Ein Sprecher der Fünften Flotte der US-Marine sagte, er kenne die Berichte. Einen weiteren Kommentar lehnte er ab.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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